Mythologie des Alltags: Der Bettrand (Raender 3)

Wir liegen im Bett, das Licht ist aus, noch spielt Musik, du denkst an mancherlei, weißt nicht genau, ob du die Augen geschlossen oder geöffnet hast, aber der Bettrand! Am Abgrund…. Lässt du die Hand darüber hinunterhängen, beißt vielleicht eine Ratte deinen Finger, oder eine Schlange oder ein Skorpion. Würdest du dich darüberbeugen, sähst du die wabernde luftige Schwärze des Nichts, sublimierten Asphalt, darin alles, was du und andere erlebt hatten, Benito Juarez und Billy the Kid (so far away from home!), eine schmale Strasse zwischen Mauern und du kannst nicht wenden, die Müllabfuhr, eine alternde Schauspielerin, die eine noch ältere neue Wohnung bezieht und schon mal die Schnapsflaschen und Teddybären auf Tisch und Sofa verstreut hat, Isabella Rossellinis Zahnstellung, deine ungeschriebenen Gedichte, die ungedachten Gedanken, die kommende Hochzeit der Tochter, altertümliche türkische Namen wie Fadime und Mübarek, was schwarz alles enthalten kann! Ich halte nichts von Einschlafübungen, denkt es in dir, ich halte nichts von Schreibworkshops, ich konnte noch nie schreiben, schon immer. Process is the Princess! Manchmal Phantomschmerzen nach Wandtafeln und Kreide um mit kühnen Lettern darauf entlangzuschreiben: Wer nicht denken kann fliegt raus (sich selbst). Den Tag rückwärts vorstellen sagt man mir, oder Schäfchen zählen, aber die springen vorwärts, warum heißt es Bockspringen meine feministische Freundin wär damit konform. Molly Blooms Hintern bleibt hier unerwähnt wie so manches andere, mir hilft das Klimpern der Leinen gegen die Masten, Kunststoff gegen Leichtmetall, Stabsoffiziere mache ich mir, erlasse Gesetze, schaffe Länder und Inseln, baue eine noch größere Irrenanstalt drüben auf Leros, zähle die Mandeln, esse die ersten Mandarinen, deren Schalen noch grasgrün sind (Frage: wie kommt das Orange in die Frucht hinein?), verkaufe das schönste Haus am Hafen einem Medienindustriellen, nicht bevor ich es weiß gestrichen und das angrenzende Gässschen Saray Sokak genannt habe…….das schwarze Wabern beschäftigt mich, ich nenne es Allusion, Ullusion und Illu Schmidt

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hibouh

read me! Hotel Naipaula: http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

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