Mythologie des Alltags: Sand

“Auf Sand gebaut”, “And so castles out of sand fall into sea, eventually”, “In den Sand setzen”, “Das Ermittlungsverfahren gegen … verlief im Sande”, “Da ist wohl Sand im Getriebe”…

“Wir haben in jedem Sinne zu viel Sand um uns und in uns, und wo viel Sand ist, da will nichts recht vorwȁrts, immer bloss hü und hott. Aber dieser Sandboden ist doch auch wieder tragfȁhig, nicht glȁnzend, aber sicher.” (Fontane, Stechlin)

Ja, was denn? Flüchtigkeit oder Sicherheit? Vielleicht beides. Aus der Bibel kennen wir das Gleichnis vom Hausbau auf Fels oder Sand. Gott ist der Fels. Auf Sand sehen wir einstürzende Neubauten. Auch bei den Moorbauern? Da stehen die Hȁuser auf Torf. Wenn ein Trecker vorbeifȁhrt, zittern die Glȁser auf den Regalen und das ganze Haus wackelt ein bisschen – und sinkt nach und nach tiefer ins Moor. Um dem vorzubeugen, werden die Fundamente auf 7 – 10 Meter tief getriebene Holzpfosten gesetzt (die, hoffentlich, den Sand unter der Torfschicht erreichen!)

Wir alle wissen ja, was Sand ist und haben hoffentlich als Kinder in der Sandkiste gespielt. Sand ist vor allem trocken. Damit die Burg hȁlt, muss er mit Wasser angefeuchtet werden. Ganz trocken – und ganz fein – rieselt er durch unsere Uhrglȁser. Niemand würde an das Funktionieren einer Lehmuhr glauben. Ganz trocken bildet er – Wüste – und die Wüste wȁchst und wȁchst und kann nur durch Pflanzen, wȁsserige und gewȁsserte Pflanzen, eingedȁmmt werden.
Der Sand ist ein Tausendsassa. Er ahmt die Elemente nach: als luftiger Sandsturm, mit den Dünen der Sahara als Wellen, als festes Erdreich unterm Moorhaus oder dem venezianischen Palazzo oder als glattes Meeresufer, das für die Touristen jedes Jahr neu aufgeschüttet wird. Wir wollen auf Sand liegen! Oder wollt ihr Urlaub auf Baggermatsch?

wanderdune

Intermezzo: Es gibt in allen Sprachen Namen mit Sand, Wasser und Fels. Guck: George Sand, Ebbe Sand, Nina Sophie Sand, Lord und Lady Sandwich, Eartha Kitt, Cassius Clay, Rocky Marciano, Rock Hudson, Muddy Waters, Roger Rivière, Rio Reiser, Thomas Bach, Ingeborg Bachmann, Horst Seehofer, Jean de Lafontaine, Theodor Fontane, Friedensreich Hundertwasser, Wolf Biermann, Joseph Weinheber, Sarah Kirsch, Theodor Sandstorm (ehm)

Das Sandkorn ist kristallin, vorzugsweise aus Quarz (Siliziumoxyd)(siehe Artikel “Kristalle”). Es gibt jedoch auch Kalksande, Reste von Korallenriffs, Aragonit. Aber mit Sand meinen wir meistens die feinen, feinen Siliziumoxydkristalle. Im Feuer geschmolzen wird daraus Glas. Seine Farben werden aus allerlei beigemengten Pflanzen, vorzugsweise Farnen, gewonnen. Bitte erzeugt mal folgendes Bild in Euch: irgendwo, na, etwa in Chartres, wird mit dem Bau einer Kathedrale begonnen. Nach und nach werden alle Bȁume ringsum abgeholzt (für die Gerüste), nach und nach wird der Sand aufgebraucht und die reichlich wachsenden Farne abgeerntet (für die farbigen Fenster) – die Kathedrale wȁchst, ein kahler Kreis rings um sie vergrössert sich….

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hibouh

read me! Hotel Naipaula: http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

One thought on “Mythologie des Alltags: Sand”

  1. “Das Gemisch aus Sand, Schlamm und Schlick hier begünstigt die Entwicklung von Graesern und Algen, in denen Tausende von Tieren nisten, bis über 4000 pro Kubikmeter müssen Sie sich vorstellen, Krabben, Venusmuscheln, Larven, Schnecken, massenhaft Würmer…eine sagenhafte Speisekammer für eine Fülle sesshafter Vögel. Auch für die Zugvögel. Sibirische Wildgaense, Taucher, Eiderenten, Seeschwalben, Löffler, sie lieben das Mikroklima hier.” (Jean-Luc Bannalec, Bretonisches Gold, über den Golf von Morbihan)

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