Mythologie des Alltags: Purpur

purpurschnecke

“Ihr Vater aus Colophon, Idmon, tränkt’ mit dem purpurnen Saft der
phocaeischen Schnecke die Wolle.” (Wolfgang Kindermann, Metamorphosen-Memory, frei nach Ovid)

Publius Ovidius Naso bezeugt, dass Idmon aus dem kleinasiatischen Kolophon als Purpurfȁrber lebte. Damals wie heute wird der Purpur aus einer Schleimdrüse der Purpurschnecke gewonnen. Mit dem Purpur wurden die Stoffe gefȁrbt, die Kaisern und Pȁpsten vorbehalten waren. Um ein Kilogram Wolle zu fȁrben, wurden unzȁhlige dieser Schnecken getötet (Nur die Azteken “melkten” die Tiere und liessen sie leben). Die Purpurschnecke kommt beinahe weltweit vor, uns interessiert sie vor allem im Mittelmeer J

“…Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, das wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören…” (Rilke)

Diese Schnecken, für uns so wertvoll, sind Rȁuber und sogar Aasfresser, mit dem Schleim, der für uns dem Schönsten dient, greifen sie Feinde an (ebenso wie auch Kaiser und Pȁpste, ja selbst Senatoren, deren Toga ebenfalls einen Purpurstreifen aufwies, Schreckliches verübten). Die Drüse dazu liegt dicht neben dem Mastdarmausgang (wir würden sagen: dem Arschloch). Ja, die Purpurschnecke – man höre und staune – kann sogar andere (Muscheln und Schnecken) anbohren! Die Parallele dazu wȁre das Indigo, wo zum Fȁrben bis vor kurzem Urin (Pisse) gebraucht wurde.

Purpur kann meines Wissens bis heute nicht synthetisch hergestellt werden. Auch im Spektrum fehlt die Farbe. Das eine prismatische Spektrum (welches ist kurz-, welches langwellig?) geht vom Rot ins Infrarot, das andere vom Violett ins Ultraviolett. Zwischen den beiden wȁre der Purpur. Er ist also keine Erscheinung, sondern eine nȁchstmöglich der Erscheinung angesiedelte Idee?

Die alten Meister – bis hin zur Renaissance – konnten ihre Gemȁlde beinahe zur Gȁnze von Schülern ihres Ateliers malen lassen, als Signatur trugen sie zum Schluss nur den Purpur als Inkarnat auf die Wangen der dargestellten Menschen oder Götter auf: Fertig war die Mona Lisa!

 

 

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hibouh

read me! Hotel Naipaula: http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

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