Mythologie des Alltags: Geheimschriften

Manche Texte verschlüsseln, chiffrieren wir, und angesichts der allgemeinen Überwachungsmanie tun wir gut daran. Die Zahl der Geheimschriften ist Legion. In Agentenfilmen sind Spione daran, mittels bestimmter Bücher (etwa Krieg & Frieden), bestimmter Seitenzahlen, bestimmter Wort- (aber) und Buchstabenzahlen (a) geheime Botschaften in Klartext zu übertragen, ja selbst im Onlinegeschehen sind Verschlüsselungen nun üblich geworden. Wer mag noch ‘ne Mail nur so verschicken?
Das Dumme ist, dass manche Inhalte, zwar sicher verschlüsselt aber mittlerweile obsolet sind (Ich gehöre dem Antonius…oder: Zwei Mass Korn und drei Amphoren Wein!)(viele unserer gegenwärtigen Texte sind absolut überflüssig und daher auch sicher – “Bin einkaufen”). Dafür sind früher fliessend lesbare Schriften (Linear B, Keilschrift, Hieroglyphen) im Laufe der Zeit wie von selbst zu Geheimschriften geworden. Wer von Euch kann etwa den Rosetta-Stein noch lesen?
In unserer Jugend fanden wir einmal eine absolut sichere Methode, Botschaften zu chiffrieren, und die ging so (warum ich das mitteile? Selbst damit werdet ihr sie nicht lesen können): Wir schnitten au Hȁuschenpapier ein Quadrat aus, sagen wir, 15×15 Häuschen, mit einer Rasierklinge entfernten wir dann aus jeder Reihe einige Häuschen, so dass darunter, wenn man das Quadrat viermal drehte und den Text jeweils in die Löcher schrieb, am Ende ein lückenloser quadratischer Buchstabensalat entstand. Das war uns aber noch nicht sicher genug. Wir verbrannten den geheimen Text, mischten die Asche zur Sicherheit mit etwas ganz gewöhnlicher Asche aus dem Ofen – man kann hier auch den kremierten Onkel verwenden – und vergruben das Ganze in einer Metalldose an einem geheimen Ort. Die Methode ist absolut sicher! Da ist Enigma ein Kinderpuzzle dagegen!! Wo wir die Dose vergruben? Hab’s vergessen. Was in der Schrift stand? Frag nicht schon wieder!!
Auf der sicheren Seite sind in diesem Komplex auch die Analphabeten, die Katzen und die Schneeglöckchen. Sie schreiben nicht, auch lesen sie nicht.

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hibouh

read me! Hotel Naipaula: http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

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