Mythologie des Alltags: Brutus

Zu den Iden des März

Der Mörder der römischen Republik hat – Ironie der Geschichte – hauptsȁchlich als Autor des „De Bello Gallico“ überlebt. Generationen von Schülern und Studenten mühen sich mit dieser Schrift, ihre Lateinkenntnisse nachzuweisen. Im Übrigen wird uns – leider – in der Schule ein falsches Bild dieses Heerführers und Tyrannen vermittelt. Unwillkürlich neigen wir noch heute zu der Ansicht, das römische Kaiserreich, dessen Begründer Caesar war, hȁtte irgendetwas Positives an sich gehabt. Und Brutus? Ein feiger Mörder, dessen Name ebenso wie Caesars, Programm wurde. „Ein feiger Brutus“, „ein gütiger Kaiser“ sagen wir. Die römische Republik –Versprechen einer besseren Zukunft für alle Plebejer – war vom ȁlteren Brutus begründet worden. Kein Wunder, dass der jüngere Brutus den Usurpatoren Julius Caesar, der der Republik den Untergang bereitete, aus dem Weg haben wollte, und sei es mit drastischen Mitteln. Es scheint das Los aller Revolutionen, alsbald von der Reaktion eingeholt zu werden. Was war Napoleon für die Französische? Die Preussen für die Deutsche? Und alles Zukunftsweisende an Kuba wird nun nach 50 Jahren von den geduldig wartenden USA geschluckt.Brutal, gell?

Mönch (zu Tell):
Ihr erschlugt
Den Landvogt, der Euch Böses tat – Auch ich
Hab’ einen Feind erschlagen, der mir Recht
Versagte – Er war Euer Feind wie meiner –
Ich hab’ das Land von ihm befreit. (Friedrich Schiller, Wilhelm Tell)

Dann der Rubikon – aleae jacta sunt -, ich hab’ den Rubicone gesehen, ein sch-males, trübes Rinnsal…

Brutus – die erste sehr schöne Bronzebüste der neueren Zeiten stellt ihn dar (die Abbildung des Kopfes als Zeichen eines neuen Bewusstseins?) – floh, nachdem er seinen Freund Julius erschagen hatte, nach Kleinasien, in die Stadt Myndos, heute Gümüşlük hier in der Nachbarschaft. Ich bin froh darüber.

Nichtsdesdotrotz begründete Caesar ein Imperium. Die Herrscher trugen alle seinen Namen. Schon sein Nachfolger Octavianus war ein aufbrausender, dünnhȁutiger Tyrann, der die “Pax Augusta” mit Polizeigewalt und Spitzeltum sichern musste; einer seiner Nachfahren machte sein Pferd zum Senator, ein anderer zündete die Stadt an, betrachtete den Brand und spielte die Leier dazu, viele von ihnen – wie das in Herrscherhȁusern aus aller Welt bis heute Tradition ist – brachten Brüder, Söhne und andere ihnen Nahestehende um. Der letzte aus der Reihe, Romulus Augustulus, züchtete Hühner. Immerhin.

butcoin

Isn’t it ironic that Caesar nowadays is mainly remembered because of his booklet “De Bello Gallico”? Generations of students painfully studied it. But if the war in between Caesar and the Gauls would take place today, who were we secretly backing, Caesar or Vercingetorix? The colonialist army, conquering lands far away from Rome – beyond the seven mountains -, or the natives, defending their villages and towns? Not for nothing “Asterix and Obelix” have so much lovers today. But in school we all learned, that Caesar was the good one, Brutus but the brutal murderer…. “A kind emperor”, “a cowardly acting brute” we say…..

Brutus the Elder saw and backed the beginnings of the Roman Republic. No wonder that Brutus the Younger was defending it. But Caesar – by crossing the Rubicon – destroyed it and founded an empire. “Caesar” went to be a title for all those beastly leaders: Augustus, next to Julius Caesar, known by his famous “Pax Augusta” was already a squeamish and easily agitated tyrant, another one mad his horse a senator, a third set Rome on fire and watched the burning city playing harp…..(other horrible examples could be mentioned). Rome’s last emperor, Romulus Augustulus, grew chicken. At least.

It seems to be the destiny of all revolutions to end in Restoration: See Napoleon, see Fidel Castro, see others….

Brutus but fled to Myndos – our Gümüşlük! – where he lived in exile. He did not leave much to us, it seems. But watch the bust of him: Do you see the beginning of modern times in his face?

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hibouh

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