Mythologie des Alltags: Die Königskerze

koenigskerze

Es war einmal ein König in Mesopotamien. Er herrschte mit viel Macht und viel Geld, hatte treue Vasallen, einen schönen Palast mit eigenem Gebetsraum; seine Polizisten schüchterten jeden ein, der aufzumucken wagte und seine Gefȁngnisse waren denn auch voll bis zum Rand. Eines Tages aber wagte die Sonne ohne seine ausdrückliche Genehmigung unterzugehen. “Sie scheint zu den Terroristen übergelaufen und mit den finsteren auslàndischen Mȁchten, die jetzt überall hereinbrechen, in geheimer Verbindung zu stehen!”, schimpfte er. Beflissen zündeten seine Sklaven sogleich überall Kerzen an. Die Sonne jedoch, zum Abendland gezogen, nahm alle Kerzen mit sich. Sass nun der König im Dunkeln? Nein! An der Wand erschien eine Flammenschrift: “Mene, mene tekel, upharsin!” Wer wagt es, meinen Palast zu beschmutzen?”, schrie der König, der das nicht lesen konnte, und machte vergeblich das Rabia-Zeichen….
Die Kerzen aber wurden von der Sonne in die Landschaft versetzt und blühten dort zehnmal schöner wieder auf.
(Thomas Kutzli, Kleine Mythen und Lopper)

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hibouh

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