Mythologie des Alltags: Victor Segalen

Neues vom Hotel Naipaula

Im Zimmer 13xx hat Victor Segalen nun seine Zelte aufgeschlagen. Wir trafen ihn als er eben von einer langen Bergtour zurückkam:

–       In welcher Weise wollen sie Ethnologe sein?

–       Am liebsten wäre ich Reisender und Schriftsteller in einem, ich möchte mich da aufhalten, wo am Fuss des Berges nicht zwischen Dichter und Bergsteiger  auf dem Fluss nicht zwischen Schriftsteller und Seemann und in der Ebene nicht zwischen Maler und Feldmesser, noch zwischen Pilger und Topographen unterschieden werden soll.

–       Sie sind also sozusagen subjektiver Ethnologe?

–       Ich möchte die bedrückende Realität, die ich auf meinen Reisen erlebe, auf den Traum hin transzendieren, Zeichen setzen, wo die alten Zeichen zerbrochen sind.

–       Welche Vorbilder haben sie dazu?

–       Rimbauds Bild begleitet mich ständig, weiter ist mir Gauguin, dieser wirkliche Künstler, dieser wahrhaft Exilierte und Einsame, Leitfigur.

–       Können Sie etwas zu Ihrem eigenen Lebensgefühl sagen?

–       Ethnologen erleben sich selbst oft als gespalten zwischen ihrer eigenen Kultur, der sie sich nicht mehr zugehörig fühlen, und der fremden, der sie nie angehören werden. So versuche ich halt mehr zu imaginieren, als man von den Völkern weiss, an ihrer Statt zu Denken, auf ihre Weise zu erzählen, mit ihren Augen zu sehen und das zu sagen, was sie vielleicht gesagt hätten.

–       Auf diese Weise sind Sie wohl zu ihrem Titel eines “brillanten Amateurethnologen” gekommen?

–       Was weiss ich… Was ist Wissenschaft? Wie erzähle und berichte ich? In welchen Begriffen, mit welchen Mustern der Klassifizierung und Systematisierung?

–       Ihre écriture, die Entschiedenheit, mit der sie sich gegen Kolonialismus, Klerikalismus und Rassismus wenden, nötigt mir jedenfalls Bewunderung ab.

–       Meine Botschaft lautet: Den Exotismus von seinen geographischen und ideologischen Verschleierungen, von seinen fadenscheinigen Kleidern – und das heisst von Palmen und Kamelen, dem Tropenhelm, der schwarzen Haut und der gelben Sonne – zu befreien.

–       Haben Sie vielen Dank für das Gespräch. Und wir wünschen alles Gute für ihre kommenden Expeditionen!

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hibouh

read me! Hotel Naipaula: http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula http://www.blogigo.de/Hotel_Naipaula Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

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