Hotel Naipaula

Der Umschreiber

Ganz neu im Hotel ist der Umschreiber. In der Gosse gefunden hört er gemeinhin auf den Namen Frank Strassgraba. Er ist ein ehrlicher, unermüdlicher Umschreiber. Was ist bei ihm anders als bei der Beschreiberin, dem Zuschreiber, dem Umblätterer? Er sammelt Zitate, wandelt diese aber immer leicht um, bevor er sie weitergibt. Er hat keinerlei Hemmungen, von dem, was andere verfasst haben, zu stehlen. Alles, aber auch alles ist schon gesagt worden, und wir wiederholen nur cum grano salis, was unsere Vorgänger längst wussten. Man muss zwischen den Texten balancieren! so sein Reden.

Er wohhnt zwischen der Beschreiberin (die er schätzt und ausplündert) und dem Umblätterer, vor dem er sich hütet, der ist noch imstande, einem mitten im Zitat die Seite (und den Kopf) zu verdrehen! Dem Kammerjäger bringt er unverholene Sympathie entgegen, ist er doch selbst ein Jägermeister.

Neulich ging er mit Oben auf Zeitreise, gemeinsam drangen sie in Emily Dickinsons Zimmer ein und entwendeten ein paar Zeilen, Strassgraba übersetzte sie und schob sie später Franz Kafka und Jacques Lacan unter.

Aus des Umblätterers Sammlung:

• Not all the Vats opon the Rhine

Yield such an Alcohol! (Emily Dickinson)

• Man soll den Tag vor dem Abend loben (Sprichwort)

• Ilsebill pfefferte nach (Grass)

• Alles giesst! (Heraklit)

• Eines Morgens fand Gregor Samsa sich in einen riesigen Kater verwandelt (Franz Kafka)

• 2B or not 2B (Shakespeare)

• Schreiben, um die Verklärungen wiederzufinden, um in ein Buch einzutauchen wie in einen Mann… (Gwenaëlle Aubry)

• Ich selbst bin nur der Abklatsch anderer, die vor mir bereits ebensolches mutmassten (Enrique Vila-Matas)

• Lasst mich doch bitte hier den Erdenschlaf schlafen (Alfred de Vigny)

• Une jolie fleur déguisé en vache, une jolie vache déguisé en fleur (Georges Brassens)

• Ich spiele meist eine verlorene Frau, deren scheinbare Ruhe nichts gegen ihre Unfâhigkeit, eine adäquate Kommunikation mit ihrer Umgebung aufzunehmen, auszurichten vermag (Monica Vitti)

• Ich erinnere mich noch gut, we alle im Café de Flore verstummten, als Gary Cooper im weissen Smoking erschien (der Zuschreiber schreibt dies fälschlich J.J.Cale zu)

• Alles ist falsch, ich weiss nur nicht, wie es beweisen (Jean Seberg)

• Ich bin Phönizier und mache mir alles zunutze (Salvador Dali)

• Wenn du erstmal in etwas hineingerâtst, dann gleich bis zum Hals! (Louis Ferdinand Céline)

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hibouh

read me! Und weiterhin.... Die Labyrinthe von Hibouh: Orte der Sehnsucht. Oasen für alle Umtriebigen und Nachtschönheiten. Inseln im opaken Licht der Phantasie unter einem fleischig dahinziehenden Mond. Leise Dämmerung auf den Höhen. Neugierig geworden? Wir bringen Sie hin, wo Erleben und Erkennen eins werden. Nur Mut - lüften Sie dieses Geheimnis!

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