Daily mythology: The White Sea

Some time ago I reported, that the Black Sea had been arrested. In spite of its name it dared to be blue! (but blue is the color of the AKP-flag). In contrary, the Yellow Sea has been praised (ampul), even more the Mediterranean (AK-deniz): it was honored by the PM himself with the name ”White Sea”. Atlantic and Pacific Oceans are in contrary booed for their marginality. Especially the Pacific (”for sure named by the international interest-lobby”) was blamed for its title (out! war is in!)
Our Prime-minister made a surprise visit to America. He took the honor-name of ”Crazy Water” from the tribe of Standing-Men (a sub tribe of the Firewater-Dakotas) not only for these oceanities, but for his management of water-cannons too.

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Mythologie des Alltags: Tozeur, Sahara

Das Filmteam des Englischen Patienten ist bei den Einwohnern unvergessen. Bordel, ces mecs! In unserem Reisebus ist jemandem schlecht. Der Chauffeur hält beim Frisiersalon kurz vorm Ortsende. Hierzulande, sagt Sami, der Reiseführer, ist der Friseur zugleich Arzt, Therapeut Aufklärer, Hochzeitsmakler, Brautputzer. Mich überkommt ein Verlangen nach Depilation. Das zwickt an manchen Stellen. Der Bus fährt inzwischen ohne mich weiter. Ich habe Zeit und lasse mir im selben Arbeitsgang den Rücken tätowieren. Was soll es sein? Ein Lokal, vielleicht das Café Nast, wo die Stühle blaugrün gepolstert und die Deckchen weiß sind. Dort sitzen die Leute wie in Eisenbahnabteilen. Nur logisch, denn das Café rast unvorstellbar schnell mit der Erdumdrehung mit. Glücklicherweise fährt der Bürgersteig auch mit, die Straße mit den Lieferwagen, der Comic-shop, das Dreifarbenhaus, die Stiftskirche. Aber keiner schaut nach draußen. Jeder einzelne liest in einem Buch des Schweizers Stauffer. Dort sind die Fußnoten länger als der Haupttext. In einer Art Foxtrot-Rhythmus blättern die Leute zwei Seiten vor, eine zurück, zwei vor, eine zurück. Killing me softly. Ich bin schon vorsichtig, sagt der Tatoo-Mann. Die Leute im Café leiden etwa an Staublunge, Arteriosklerose, Hüftluxation oder Ulkus. Indem sie auf meiner Haut ins Bild gebannt werden, ist auch ihr Leiden stabilisiert. Voilà, sagt der Berber. Ich freue mich auf den Sommer, wenn ich mich am Strand bäuchlings hinlegen werde. Die Leutesollen was zum Schauen haben.

 

Mythologie das Alltags: Istrien

Istrien, neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Auf dem Grund eines riesigen Karstkraters eine Höhle, begehbar, kilometerlang. An den Hängen des Kraters die typische Kalk-Vegetation: Königskerzen, Fingerhut, Gras, Staub, flimmernde Hitze. Im Dunkel drehen wir die Köpfe nach oben, dort hängen tausende von Fledermäusen im Tagtraum. Es muss beeindruckend sein, wenn die in der Dämmerung alle davonfliegen!
In Motovun ein Kurbad. Es ist stark verfallen, so wie ganz Jugoslawien (aber gibt das irgendjemand ein Recht, abgesplitterte Teilstaaten anzuerkennen?). Die Minigolfbahn ist sogar ganz grün zugewachsen. Im Innern Rentnertrupps aus sozialistischen Ländern. Uns fallen die vielen Goldzähne auf. Umkleidekabinen gibt es nicht. Man stellt sich einen Stuhl an den Rand des Beckens und legt seine Kleider sorgfältig da drauf. ”Bitte nicht ins Becken springen!”. ”Bitte nicht lärmen!”, wird man ermahnt. Das Wasser ist brühwarm.
Die Zeitung heisst ”Glas Istre”. Ich erzähle von Joyce in Pula. Auf Brioni betreten wir die wunderschöne Holzjacht Marschall Titos.
Heute gehört Istrien ja zur EU.

Mythologie des Alltags: Memories of Heidelberg…

Ich summte heut morgen unbewusst die Melodie von “Da drunt im schönen Ungarland, wohl an dem schönen Donaustrand, da liegt das Land Magyar…”
Mir kam die Erinnerung, wie ich als 15-jähriger in einer deutschen Kleinstadt aufs Schülerheim ging. Dieses war in einem alten Bürgerhaus untergebracht, lag günstig zur Schule, so dass ich des Morgens die Mathelehrerin abpassen konnte und errötend mit ihr ein Stück des Weges gemeinsam hatte.
Die Leiterin des Heims war eine ältliche,unverheiratete Pfarrerstochter, die manchmal aus ihrer Jugend erzählte. Überhaupt hatten die meisten Erwachsenen in der Zeit einen unstillbaren Erzähldrang. Man brauchte in der Lateinstunde die Wolga nur zu erwähnen und schon donnerten die Geschütze, fielen die Kameraden, erfroren die Zehen… (der Lateinlehrer war grade aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt). Der Krieg? War unglücklich verloren worden. Aber wir sangen (wenn die Chefin grad nicht erzählte). Wir sangen – ohne jedes Schuldgefühl (denn das hatten die Erwachsenen ja auch nicht) “In einem Polenstädtchen da sah ich einst ein Mädchen, sie war so schön!”, und “Wildgänse rauschen durch die Nacht….”, und “Schwarzbraun ist die Haselnuss”, bestimmt sangen wir auch “Es zittern die morschen Knochen”?
Im nicht so weit entfernten Frankfurt lebte und arbeitete damals Staatsanwalt Fritz Bauer, der Zeit seines Lebens versuchte, alte Nazis vor Gericht zu bringen, er stand allein gegen alle, nicht wahr? Nein. Wir sogen die Wahrheit – endlich – auf, und ich begann, mich mit dem Holocaust zu beschäftigen, ich las die Protokolle der Nürnberger Prozesse, ich las Eli Wiesel und Ernst Toller (das ist ja aber 1.Weltkrieg? Na klar, damals hatte das schon lange angefangen, Hitler kam wohl kaum aus dem Nichts zur Macht?). Mein Grossvater erzählte seinerseits, wie er 1936 aus St.Gallen zu den Olympischen Spielen nach Berlin gefahren war (“Ich muss diesen Mann mal sehen”), und von da an vor Hitler gewarnt hatte (es soll also niemand sagen “wir haben nichts gewusst!”, wenn sogar St.Galler das in wenigen Tagen mitkriegen…).
Vorher hatte ich Landserhefte gelesen, aber auch “Biggles” (welcher ein Kampfpilot zu von Richthofens Zeiten gewesen war) und “Taxi nach Tobruk”, naja “Der rote Kampfflieger” natürlich, und, und….
Unsere Heimleiterin erzählte inzwischen von der Ukraine, wie weit das Land war und wie sehr es staubte…..
Inzwischen fallen mir die Namen meiner Mitzöglinge ein. Es gab da von Finkensteins, Rommels, Blumentritts. Ich muss also wohl in illustrer Gesellschaft gewesen sein?
Wir sangen. Wir sangen begeistert und noch heute kann ich alle Texte auswendig. “Ich führte sie zum Tanze, sie verlor aus ihrem Kranze ein Röslein rot…..”. Das Lied muss also wohl im Sommer, wenn die Rosen blühen, entstanden sein? Oder ist was anderes gemeint? “Vergiss Maruschka nicht, das Polenkind!” Ihre Familie haben sie vermutlich erschossen. Naja, wir haben ja auch heut noch Polenkinder in bestimmten Berufen, gell?

Daily mythology: Minibars

In midst the Windian Ocean we find the archipelago of Minibars. On the main island is the central training facility for weathermen. Minibars has a majority of female inhabitants. Not to be astonished about: women cope much better with sensitivity to changes in the weather, though they are handicapped by the new law stating the obligation to wear mini-skirts. Women with fat legs consequently stay at home. But weathermen should logically be called weatherwomen!
In all the hotels of the archipelago it became a habit to put a small refrigerator with some drinks into the rooms. It became a rite to call that thing “minibar” all over the world
On the Minibars the field elevation is nil. In addition the agency Fitch menaces to downgrade the archipelago. By the logic of these facts we soon will only be able to visit the islands diving with oxygen bottles. Because movements under water are much slower consequently we apply for an extension of our airtime!

Mythologie des Alltags: Kızıstan (aus: Geographisches)

In diesem Land ist fast alles umgekehrt wie bei uns, nur die Flüsse fliessen auch ins Meer, aber sonst…..
Manche Leute stecken mit dem Kopf in der Erde und strecken die Glieder gen Himmel, manche Bäume laufen auf ihren Blättern herum und strecken die Wurzeln gen Himmel.
Die meisten Frauen arbeiten, viele sind hoch auf der Karriereleiter angesiedelt, zu Hause kocht der Ehemann Erbsensuppe, bügelt, wäscht, putzt und zieht die Kinder gross. Im Allgemeinen wird der Ehemann als persönlicher Besitz betrachtet und eher wie ein Möbelstück behandelt. Abends und nachts trauen sich die meisten Männer aus Furcht, belästigt oder misshandelt zu werden, nicht mehr auf die Strasse.
Es ist üblich, dass die Frau vor der Hochzeit ihren Auserwählten durch ein Schlüsselloch nackt sieht, hauptsächlich geht es darum, festzustellen, ob auch keine Erektionsschwierigkeiten da sind. Ob genug Haare auf der Brust wachsen, konnte schon vorher in der Badeanstalt gecheckt werden.
Bei der Hochzeitsfeier wird dann niemals “Polonaise Blankenese” getanzt. Will jemand wem anderen an die Titten, so macht er’s, ohne davon zu singen.
Die Daddelautomaten zeigen keine Pin-Up-Girls in Neonlichtfarben, auch würde niemand auf die Idee kommen, Stecker und Steckdose mit dem Geschlechtsakt zu assoziieren.
Tauben und Mäuse sind sehr gefährlich, Löwen und Leoparden dagegen sanft wie Lämmer.
Gelesen wird nicht. Man wirft sich die Bücher an den Kopf und wird dadurch mit derer Konsistenz vertraut gemacht.
Die Regierung kümmert sich um die Sorgen und Nöte des Volkes. Kein Minister würde sich bestechen lassen….
In der Kirche wird Gott mit seinen Aufgaben der nächsten Woche vertraut gemacht. Der aber hört es nicht, denn er ist in Frankreich und mümmelt Gänseleber.

Mythologie des Alltags: Das Gelobte Land

Wo ist es? Für 55 Millionen Europȁer war es Amerika. “Miss Liberty”, die Freiheitsstatue, die jedes in New York einlaufende Schiff begrüsste, wurde ihnen zum Symbol. Im alten Russland, in Polen, in Galizien hatten sie Pogrome erduldet, in England und anderen “zivilisierten” Lȁndern waren sie wegen ihrer Konfessionen verfolgt worden, auf Sizilien, in Irland, in Griechenland und im Osmanischen Reich hatten sie gehungert, in Deutschland wurden sie nach gescheiterten Revolutionen verfolgt und ermordet…

Die Emigranten waren bereit, alles zurückzulassen: Heimat, Beruf, oft auch Familie, Sicherheit, alte Gewohnheiten.

Als das gelobte Land von Freiheit und Neuanfang galten besonders die gerade entstehenden Vereinigten Staaten. Ihre Verfassung war noch vor der des revolutionȁren Frankreich entstanden.

Halt: war dieser liberale Rahmen nicht gerade geeignet, alte Gewohnheiten beizubehalten? Und so finden wir in der Neuen Welt oft orthodoxere Juden, radikalere Christen, fundamentalistischere Muslims als in der Alten Welt (Obwohl aus allen Gruppen auch weiterentwickelte Leute hervorgingen, man denke nur etwa an Bob Dylan, Leonard Cohen oder – lach –  Arnold Schwarzenegger. (Joan Baez, Emily Dickinson, Susan Sontag))

Erstaunlich: 55 Millionen liessen damals alles zurück und wanderten aus. Und wir erschrecken über ein paar 100 000…

»Viele wandern aus Trieb und ohne recht zu wissen, warum. Sie folgen einem unbestimmten Ruf der Fremde oder dem bestimmten eines arrivierten Verwandten, der Lust, die Welt zu sehen und der angeblichen Enge der Heimat zu entfliehen, dem Willen, zu wirken und ihre Kräfte gelten zu lassen. Viele kehren zurück. Noch mehr bleiben unterwegs. Die Ostjuden haben nirgends eine Heimat, aber Gräber auf jedem Friedhof. Viele werden reich. Viele werden bedeutend. Viele werden schöpferisch in fremder Kultur. Viele verlieren sich und die Welt. Viele bleiben im Getto, und erst ihre Kinder werden es wieder verlassen. Die meisten geben dem Westen mindestens so viel, wie er ihnen nimmt. Das Recht, im Westen zu leben, haben jedenfalls alle, die sich opfern, indem sie ihn aufsuchen.«
(Joseph Roth über die Ostjuden. Ich denke dabei an Bob Dylan, dessen Vorfahren wohl auch aus Osteuropa kamen. Aber das Zitat gilt für alle Migranten!)

Aber:

Wem gelten die USA heute noch als das gelobte Land?