Geographisches: Monsanto

Einleitung (phänomenologisch)

Ich assoziiere es mit “Berg”, obwohl man ja auch “mon” = mein, etwa Mon Chérie oder Monbijou hören könnte. Monsanto wäre dann “der heilige Berg”.

Angenommen, ich läge richtig: Berg heisst Übersicht, Freiheit (freie Sicht, aufatmen), Individualität, Streben, Hartnäckigkeit, Endura…. In den alten Zeiten wurden die Städte immer in der Höhe angelegt (“und du, Bethlehem, auf Berges Höhn, bist von Juda die mind’ste nicht…”), da in den Niederungen die Sümpfe hausten, wo die Mücken das Fieber übertrugen…..

Im Nationalkonvent nach der Französischen Revolution nannte man die Jakobiner, die Radikalen, die “Bergpartei” (“La Montagne”). Die Plätze der eher bürgerlichen Abgeortneten wurden dagegen “Le Marais” (der Sumpf(!)) genannt. Nicht nur bei Robbespierre waren die Berge auch immer der Schrecken der Schrecken. Noch im 20. Jh. schrieb Ramuz einen Roman mit dem Titel “Das grosse Grauen in den Bergen”. Man mied die Berge, sie galten als geheimnisumwittert, böse. Eine ambivalente Sache also…..

Denkt Ihr jetzt auch an den “Alten vom Berge” (Sheik al Djebel)? So wurde im Nahen Osten immer der Anführer der Assassinen genannt. Er hauste stets auf Burgen (Al Ullaika in Mittelsyrien, Misyaf am Orontes, Alamut in den persischen Bergen südlich des Kaspischen Meeres etwa). Die Assassinen arbeiteten im Verborgenen, man weiss wenig von ihnen, angeblich verfügten sie über ein ausgefeiltes Nachrichtensystem und einige ihrer Anführer über telepathische Kräfte. Ihre Gegner brachten sie um, nicht ohne ihnen, zum Zeichen, dass sie überall Zutritt und Zugriff hatten, in der Nacht vorher ein noch warmes Brötchen nebens Lager gelegt zu haben. Solltest Du also eines Morgens beim Erwachen eine Semmel auf dem Nachttisch vorfinden, besorge Deine Geschäfte und schliesse mit dem Leben ab!

Diese Schilderungen beruhen allerdings oft auf den Überlieferungen ihrer Gegner. Würde man christliche Orden, etwa die Templer, von ihren Widersachern beschreiben lassen, würde sich vermutlich ein ganz ähnliches Bild ergeben. Assassinen und Templer waren vermutlich ähnlicher, als sie es zugeben konnten. (Aber beide Geheimbünde nannten ihre Versammlungsorte “Die Gesellschaft”, beide trugen sie weiss wie die Sufi und die Unschuldslämmer).

Überleitung (idealistisch)

Nun und obwohl der Konflikt zwische Sunniten und Schiiten im Nahen Osten gerade einmal wieder virulent ist (eben heute kam die Nachricht, dass die syrische Luftwaffe Ziele der sunnitischen Isis im Irak angegriffen und der schiitische irakische Premier Al Maliki das ausdrücklich gebilligt hat), möchte ich den Schrecken vom Berge, vielleicht für Euch überraschend, auf Monsanto (“heiliger Berg”?) beziehen: Monsanto nennt sich (vielleicht absichtlich, vielleicht unbewusst) ein US-Multi, der zur Zeit hauptsächlich wegen seines Bestrebens, genetisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel weltweiten Markt zu bringen, in den Schlagzeilen ist. Zu diesem Behufe kauft Monsanto überall Saatgut auf, in dem Bestreben, bald nur noch sein eigenes verfügbar zu machen. (Früher war Monsanto Hersteller verschiedener Gifte, unter anderem wurde meines Wissens das über Vietnam abgeworfene Agent Orange, das bis heute unter den Nachkommen der damaligen Betroffenen zu Missgeburten und Erbkrankheiten führt, von Monsanto hergestellt. Ob Monsanto auch Tränengas und Pfefferspray exportiert, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Aber ist es nicht seltsam, dass der Strahl aus den obrigkeitlichen Wasserwerfern oft orange schimmert?

Katastrophe

Fakt ist, dass die Firma nur zu gerne ihre Kontrolle über der Welt Lebensmittel erweitern würde. Schon jetzt werden allgemein genutzte Marken wie Nescafé, Lipton, Bärenmarke, Milka, naja, fast alles, was wir kennen und nutzen, von ihr mit genetisch veränderten Stoffen versorgt, auch einige Wassermarken sind dabei (genetisch verändertes Wasser?) Seufz. Wir werden sie wohl, wenn überhaupt, nur stoppen können, wenn wir alle diese Leckereien net mehr benutzen. Und mein Ketchup??

Während männiglich also den Schrecken anderswo sucht, kommt er still und leise vom “Heiligen Berg” daher… Heilix Blechle. Womöglich laufen schon genetisch veränderte Leute irgendwo herum? Und das auch noch leicht bekleidet (hab mir grad Battlestar Galactica reingezogen)??

Geographisches

Geographie XXVII: Uganda

Das Land liegt im tiefen Innern Afrikas. Ehemalige Schuhputzer wie Idi Amin haben dort die Chance, Ministerprӓsident zu werden. Auch für christliche Fundamentalisten ist der (Abendmahls-) Tisch gedeckt. Kinder sind in Uganda meist unsichtbar. Sie müssten sonst Soldaten werden. In Kampala hat VW (ganz anders als in Urumtschi) noch keine neue Fabrik eröffnet. Ugander fahren halt net so oft Auto. Es sind verbiesterte Fussgӓnger….

Geographisches

Geographie XXII: Nevada

Der Name des Landes kommt aus dem Spanischen: “Sierra Nevada” heisst “schneebedeckte Berge”. Es besteht jedoch zum grössten Teil aus Wüste und wüstenӓhnlichen Landschaften (“semiarid”) und gehört grösstenteils der US-Regierung. Schoschonen gibt es nur noch vereinzelt. Jetzt muss man noch der Klapperschlangen und Coyoten Herr werden. Stattdessen sitzt man in Vegas vor dem einarmigen Banditen oder steuert eine Drohne mit zwei Sekunden Zeitverzögerung über Afghanistan. Warum net Drohnen gegen Schlangen einsetzen? Wir durften fast nirgends filmen. Drohnen sind streng geheim, ausser, wenn sie schiessen. Aber auch dann kann man wenig weitererzӓhlen. Unter Bush gab es etwa 600 Drohnen in den USA, jetzt sind es zehnmal so viel. Das ist der Lauf der Welt, würde Obama sagen. Wir hören es nicht mehr, denn unsere Sendezeit ist um.

Geography

İstanbul

An unsystematical system of İstanbul’s inhabitants with a little help of Michel Foucault. Michel smiled for a long time about a story of Jorge Luis Borges because it shows samples of the order of an ancient Chinese encyclopedia.

So how could I classify these millions of İstanbulites I’d see in one week?

  1. in those who patiently wait for customers near the Byzantine Wall to shoot for a small fee on stringed baloons or those who build tiny tables of wooden rubbish to sell condoms, combs or cables amidst oft the crowd
  2. in those randomly absent
  3. in those named Engin, showing much empathy, showing the noble quarters like for example Bebek on the Bosporus. They love words and Rakı
  4. in taxi-drivers, living like leaves in the wind
  5. in those living for six monts or even the whole year on Prince-islands, way out in the Marmara sea, especially the female ones with self-confidence and their own software-companies
  6. in the endless armies of hurrying, unfocused, maddened or contemplative pedestrians. It remains to be clarified, if all of them would really fit into the

available houses in case

  • in the 1,7 millions just using a motor horn
  • in the enterprising ones. Could be all of them
  • in those looking from far away like sleeping black bats
  • in meek doggies sleeping underneath the restaurant-tables the “sleep of the just”. You and me are nearly stepping on them
  • in ladies of perfect intercontinental beauty, the face almond-coloured, the hidden parts shining opaque underneath velvet and silk
  • in Circassians, Tajiks, Arnauts, Rum, Gypsies, Tatars, Levantines, Armenians, Yews, Syrians, Fellahs, İranians, Italians, Curds, Bulgarians, Bosnians and so on, all of them of Turkish nationality
  • in people of about 100 citizenships being here illegally
  • in young female artists full of concepts and with egyptian profile, born in Germany but now working here – and how hard!. They are usually like drawn with the pen
  • in migrant people, coming over night from Anatolian villages and building their houses over night too in the nowhere ghettos without electricity and water, without roads and bridges, building a ring of “Gececondu”, how they are called, “birds falling in over night”, around the already gigantic town
  • in seducers taking votes by promising soup and religious schools – and huge sums from Mecca and Tehran. They don’t want theocracy, they want to be bribed.
  • in hidden ones, passing along in black coaches and behind black windows
  • in other seducers, building skyscrapers in Levent, where they rule over empires of non-needed goods and earn more every day than thousands can spend
  • in fishers with their boats at the quai of Eminönü. They have “Bismillah” written on the ships, but in spite of that they sway in the ripples of the Bosporus. Nevertheless they’re grilling fresh fish and impregnating the whole region with their smell
  • in load carriers with bins looking like treble clefs with which they carry like Sinbad kinky loads up and down the twisty paths of bazar quarters
  • in Kyrgyz students with their own accent, serving kebap and so on (but no alcohol) during their holidays in Café Dervish near the Blue Mosque
  • in colossal heads of Medusa carrying columns in subterranean reservoirs, imperturable and head over heels even if water is reaching their lips
  • İn “Natacha’s” from the parts of the former Sovjet Union selling their body here to have a chance to live at home
  • İn ghosts and phantoms of charitable or shameless ancestors, now partly bones and dust, but still carrying names: Atatürk, Kanuni Süleyman, Büyük İskender Isidor of Miletos, Konstantinos Kopronymos, Konstantinos Porphyrogenetos, Abdülhamit, Haydar Pasha, Enrico Dandolo, Justinianus, Attila, Theodora, Irene, Nazım Hikmet, Hamdi Bey, Marco Pasha (if you’ve got a problem go to Marco!), Karagöz and Hacivat, Semiha Bergsoy, Bülent Ersoy, İsmet İnönü, Huysuz Virgin, Yıldız Tilbe, Mahmure…
y)     İn Street sweepers, dishwashers, water deliverers, assistant cooks, tailors, market women, whores, telephone card sellers, token sellers, tea tray carriers, lottery dealers, Polaroid photo hunters, lighter sellers, shoe shiners, tourist guides, carpet weavers, fishing chandlers, postmen, dog catchers, sewer cleaners, bridge inspectors, streetcar drivers and those people managing files of other humans waiting for Dolmuş or selling parking places
zz)      In thousands and more (you could as well count raindrops) maing thousands and more pieces of leather goods, coats, panties, bags, car-parts, pepper mills, dolls, shoes…which all bring ten times more in Europe than in the bazars here
aaa)  In those suddenly one morning changing their professions
bbb)  In those not able to choose a job even after some years
ccc)   In believers or such ones simulating faith
ddd)  In girls simulating big tits
eee)  In stalkers believing to run after someone is love (you’ll find them in Europe too)
fff)       In plenty of different artists, at universities, academies, at festivals, in their ateliers, in the parcs (Allah! Give parcs!), sleeping – he gives it to his own while sleeping -, desperate, ecstatic, out of cash, in Abraham’s lap…
ggg)  In those just following the International Days of Short Movie
hhh)  In invisible ones
iii)        In those reading Foucault together, she in Turkish, he in French (and then they discuss about it in English
jjj)        In those travelling through life like Don Quixote, they try to put together signs and reality to unite the book, the town, the life to make it readable once more

Geographisches

Neufundland

Auf Neufundland gehen oft auch alte Sachen verloren, weshalb dort auch die ersten Fundbüros eingerichtet wurden. Der berühmteste Berg ist der Blaubeerenhügel, an dessen Flanke Fats Domino geboren wurde (‘I found my thrill on Blueberry Hill’). Dort kommt endemisch auch der Fundevogel vor (Mann, der Geograph ist ja n halber Ornithologe, erinnert ihr euch an Australien und den Vogel Strauss-Kahn?). Die Leute singen da meist, weil sie sonst stottern. Niemand möchte Sätze wie die folgenden hören: Kannst Du mich bitte im Bü bü bü bü ro bü bü bügeln? oder: Kannst Du mich bitte im Bü bü büro vö vö vö völlig ernst nehmen?

Die Deutschen fanden hier ne Hunderasse (aber die finden ja überall Hunderassen, selbst beim Schäfer zu Hause oder auf Spitzbergen……)

Geographisches

Geographie XXI: Mauritius

Mauritius gilt als “süßeste Perle des Kindischen Ozeans”: Traumstrände, verschwiegene Lagunen und paradiesische Unterwasserwelten. Kein Wunder, dass Robinson oder auch Fletcher Christian (“Der manx’sche Meister Chistian/ der hat der Bounty Unrecht getan…”) viel lieber da gelandet wӓren….

Schon der Klang ihres Namens lässt an Traumstrände denken, an teure Briefmarken und Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Ob die Mauren ihren Namen von der Insel haben? Eine meiner Klassenkameradinnen hiess Christa Mauri, aber sie stammte eher aus Triest und war ne illegitime Tochter eines Kaffeerösters. (“Schatz, ich geh noch ma eben Kaffee rösten….”).

Aber nun muss auch Schluss sein mit den Inselwelten. Wie sagte Jean-Paul Sartre nochmal (oder wars jemand anders?): “Niemand ist eine Insel!”

Geographisches

Montreux

Montreux ist für mehreres bekannt: bei Nabokov für seltene Schmetterlinge, bei Musikern fürs jährliche Jazzfestival, bei Christen für reichlich moralische Aufrüstung und bei Türken für die Meerengenverträge von 1936, den die US-Kriegsschiffe während der Krimkrise 2014 nur mühsam einhielten.

Für Engländer ist Montreux im 19. und 20.Jh. eines der schönsten Urlaubsziele gewesen, für den finnischen Admiral Mannerheim sollte die an ihn erinnernde Statue im Weichbild der Stadt stehen, ach!, sie steht nur im Nachbarort und setzt bereits Moos an.

Wenn Du nach Montreux kommen solltest, geh ins “Séchaud” einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt. Dort sitzen die Hausfrauen nach dem Einkauf, dort sitzt der Geist Charlie Chaplins und tauscht mit dem Geist Oskar Kokoschkas Projekte aus, dort sitzen die meist ebenfalls von der Insel stammenden Mädchen des Internats “Châtelard” (wenn Du diese ohne ihre braun-grünen Schuluniformen sehen willst, musst Du sie freilich des Nachts in ihren Zimmern besuchen). Bestelle einen Café crème, eine Millefeuille oder ein Sandwich. Die Brotscheiben knuspern und der Schinken glänzt!

Es gäbe noch andere Sehenswürdigkeiten im Ort, aber unsre Sendezeit ist um.

Geographisches

Roermond

Roermond liegt im Limburgischen und hat sich viele Verdienste erworben. Nur zwei davon seien erwähnt: Ein Bürger der Stadt erfand die Pommes Frites (obwohl heutzutage die meisten glauben, selbige seien aus Belgien). Ein anderer, mit poetischer Ader, erfand den niederländischen Haiku, welcher im Gegensatz zum japanischen aus 14 Silben besteht. Beispiel gefällig?:

“fern von roer

und der mond voll wie

ein pfannengesicht

aufgerauht mit muskat”

In Roermond wohnt auch Dr. Cuiper. Er praktiziert nicht, leitet aber die Apotheke am Platz. Die Leute fragen ihn, wenn ihnen die Nebenwirkungen eines Medikamentes nicht bekannt sind:

“tramlinien

verfangen sich

am platz

und dr.cuipers apotheke

erzittert

in den schmerzmitteln”

Den meisten Umsatz macht Dr. Cuiper mit Sedativen, denn seltsamerweise leidet die halbe Bevölkerung an Schlaflosigkeit – und dass, obwohl der Mond überhaupt nicht röhrt:

“wo ziehen wolken

wenn schwarzer honig

in dr.cuipers roehren

gerinnt?

der mond

verhüllt seine bloesse

mit schweigen”

Geographisches

Die Walachei

Die alten Walachen wussten noch, wo Bartli (Bartholomeus) den Most holt. Nach und nach ist dieses Wissen – wie so manches andere auch – in Vergessenheit geraten.

Und wo liegt die Walachei? Irgendwo! würden wir sagen…..

Die Walachen sind umgӓnglich wie die zweijӓhrigen Hengste. Die Walachen lassen beim Plündern der Nachbardörfer keinen Stein auf dem anderen, wallah. Frag Janoşik!

Die Walachen sind Halbnomaden, die mit ihren Schafen durch die Lande ziehen, am Ende der Saison aber wieder nach Hause kommen. Frag Elias Canetti.

“Walachei”, “Walach” ist ein Exonym, eine Bezeichnung, die andere über sie prӓgen. So etwa wie “welsch”, “Gallier”, gell?

Das Wort erscheint althochdeutsch Singular walh, Plural walha und bezeichnet im Germanischen die Kelten. Na, Wales? Ganz Gallien war von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein!

Geographisches

Nakhchivan

Die meisten von uns kennen dieses Land nicht, und wenn, dann höchstens unter dem Namen “Naziristan”. So, und nicht “Waziristan”, wurde es genannt, um es von den Feldern Onkel Al-Wazirs zu unterscheiden (Die traditionellen Dachfenster nannte man im Gegenzug “Nasistas”).

Nakhchivan war früher einmal ein Chanat, ein Teil des Mantels des Grosschans ist noch erhalten. Zum Glück wurde es aber jüngst zur Volksrepublik. Hauptnahrungsmittel sind dort in den unwegsamen Bergen von jeher die Kaukasischen Maultaschen. Touristen gibt es da keine, und wenn, essen sie lieber die heimischen Ravioli aus Dosen. Nakhchivan hat eine 15 km lange Grenze mit der Türkei. Leider werden dort reichlich Zigaretten geschmuggelt. Rauchen tötet!

Unbekleidete Leute dort nennt man “nakht”. Die Temperaturen im Lande sind aber kaum für FKK geschaffen…..