Pickup

Wollt auch ma über Autos schreiben…(das war 2011):

Pick-Up

“Ich glaube, dass das Auto heutzutage ziemlich genau den gothischen Kathedralen entspricht: ich will sagen, dass es eine der grossen Schöpfungen der Epoche ist, geschaffen von unbekannten Künstlern, aber von allen in einer perfekt magischen Weise sich angeeignet…..Materie ist viel magischer als das Leben…” (Roland Barthes. 1957)

Ich glaube, dass der Pick-Up heutzutage ziemlich genau den antiken Streitwagen entspricht…….Metamorphose ist viel magischer als Strategie…….. (Der fliehenden Daphne zugeschrieben)

Pick-up-sentences: So werden offenbar die Sätze genannt, mit denen man Mädchen oder Frauen “anbaggert”:

“Dein Körper ist wie ein Wunderland. Lass mich Alice sein…..”

“Ich wollt, Du wärst DSL, dann hätt ich schnellen Anschluss…”

“Was war das für ein Erdbeben, dass grade meine Welt erschütterte?”

“Ich weiss, es ist nicht Weihnachten, aber Santas Schoss ist immer bereit….”

Metamorphose des Krieges

In den alten Zeiten war das Kriegswesen streng geregelt, ganze Heere Fussvolk standen sich gegenüber, später kamen Reiter und sogar Streitwagen hinzu, oft wurde stellvertretend gekämpft (Hektor – Achill, David – Goliath usw.) . Noch zu Zeiten von Pulver und Blei galt es als höchst ungehörig, auf Offiziere oder gar Generäle zu schiessen. Die Uniformen waren bunt und phantasievoll, der Schauplatz der Schlacht lag weit ab von bewohnten Städten (Issos, Waterloo), Strategie war erst dem individuellen Verstand (des Heerführers) zugänglich. Aber mehr und mehr erhöhte sich die Reichweite und Durchschlagskraft der Waffen, mehr und mehr abstrahierte sich der “Feldzug”. Das Pferd wurde durch das Gefährt ersetzt, so entstand die “Evolutions”reihe Kanone – Haubitze – Tank – Flugzeug – Rakete, jede der Stufen wurde noch in sich verfeinert, der heutige Nato-Pilot über Libyen sieht nur noch ein Bild auf dem Monitor, keine sterbenden Soldaten mehr, der Computer aber berechnet den Einschlag mit tödlicher Präzision. Schliesslich wird auch noch der Pilot ersetzt: fertig ist die Drohne. Auf einem playmobilartigen Bildschirm werden die unbemannten Flugkörper aus grosser Ferne – dem Pentagon in Washington etwa – gesteuert und bringen selbst kleinen Zielen (einem Mann auf afghanischem Balkon z.B. (Frauen sind hier privilegiert, sie bleiben am Leben, da sie sich in der Küche aufhalten) den sicheren Tod. Bald wird die feste Munition – deren Durchschlagskraft noch an lebenden Schweinen erprobt wurde – wohl durch den Laserstrahl ersetzt werden.Parallel dazu aber findet äusserst Retromässiges statt: Der Polizist, der gegen Demonstranten vorgeht, sieht wie ein Kämpfer der Hethiter aus, mit Helm, Rüstung, Schild, Schlag- und Stichwaffe. Der Wasserwerfer sieht dem Dinosaurier ähnlich, die Abzäunung rund um ein zu schützendes Ziel (Stuttgart 21) wie Wall und Graben der Bronzezeit. Oft wird auch wieder stellvertretend gekämpft: anstatt England gegen Deutschland heisst es Manchester United – Schalke 04, steht es immer noch Null zu Null schliesslich Rooney – Neuer (anstatt Achill gegen Hektor).Auch sonst wird regrediert: Der neueste Panzer wird mit Feldsteinen beworfen, die Soldateska wird zunehmend irregulär und ist nicht mehr von den Zivilisten zu unterscheiden, der Häuserkampf wird zur Regel und anstatt der F-16 kommt der Toyota Four Wheel Drive zu Ehren, die Nato-Fluggeräte werden zunehmend nutzlos, sie können Soldaten nicht mehr von Zivilisten (zu deren Schutz sie abhoben) (wird gesagt) unterscheiden, so nützt ihnen alle Präzision des Zielens nichts mehr. Piraten in brüchigen Booten kapern ganze Supertanker, und dass trotz vieler westlicher Kriegschiffe in der Gegend. Das Pferd ist fein raus, abgesehen von immer seltener werdenden Polizei-Reiterstaffeln steht es bei Meredith Beerbaum und weiteren betuchten Mädchen im Stall. Weitere Beispiele fallen den geneigten Leserinnen und Lesern sicher zu Hauf ein.

Exkurs 1: Fussball:Anders als im Krieg wird niemand tot zurückgelassen. Auch steigen St.Pauli und/oder Bielefeld klaglos ab, ganz anders als Gaddafi und/oder Assad…..

Hissène HabréHissène Habré (* 1942 im Tschad) war der Präsident des Tschad von 1982 bis zu seiner Absetzung 1990. Zuvor bekämpfte er als Rebellenführer das Regime seines Vorgängers Tombalbaye. Das Einparteiensystem Habrés war durch schwere Menschenrechtsverletzungen und Gewaltkampagnen gegen verschiedene ethnische Gruppierungen im Tschad gekennzeichnet. Eine nach seiner Amtszeit eingesetzte Untersuchungskommission beschuldigt ihn, für ungefähr 40.000 politisch motivierte Morde verantwortlich gewesen zu sein. (sagt Wikipedia).

Lange führte er Krieg gegen Muammar el Gaddafi, wurde dabei von den USA und Frankreich unterstützt und besiegte schliesslich mit Hilfe Frankreichs die libysche Armee. Hat hier die Kriegsführung mittels Pick-Ups ihren Ursprung? Jedenfalls wurde der Konflikt auch “Toyota-War” genannt…In der Folge wurde er Präsident des Tschad. Bald seinerseits limogiert, floh er ins Exil nach Senegal. Er lebt noch immer, genau wie Baby Doc….Und wie hiess der im Kongo nochmal?

Warlords:

Ihre Stunde ist gekommen, wenn Staaten zerfallen, also etwa in Somalia, Afghanistan, Tschetschenien, Haiti, im Augenblick Libyen. War Uganda denn zerfallen? Idi Amin, der ehemalige Schuhputzer, dann Sergeant der britischen Armee, war doch eher ein Warlord, als ein Präsident?

Die Bedeutung eines Warlords, so sagt man, misst sich an der Anzahl Pick-Ups, über die er verfügt…..

Metamorphose der Landschaft: Versteppung und Verwüstung

Was früher fruchtbares, grünes Land war, was Seen und Flüsse hatte, ist heute Steppe oder Wüste geworden. Seit Jahrhunderten dehnen die Wüsten der Welt sich aus. Und die Vorform ist die Steppe, dazu kommt die heutige Kultursteppe, die durch die Ruhigstellung weiter landwirtschaftlicher Flächen entsteht. Ist Euch klar, dass alle drei grossen monotheistischen Religionen in der Wüste geboren wurden? Schafft mir alles ausser den Dünenlinien des Sandes weg, sagte Allah, damit ich auf meinen Spaziergängen nicht abgelenkt werde! In der Tat übt die Wüste eine eigenartige Faszination auf uns aus, wohl weil sie die Dauer der reinen Form zeigt. Genauso sind Knochen “schön”. Sie zeigen das Wesentliche. Pick-Ups werden logischerweise in Wüsten gebraucht, wo nicht einmal Strassen zum schnellen Vorwärtskommen nötig sind. Wer hat von Pick-Ups in Nepal oder in den Alpen gehört? Aber von Budapests östlichen Aussenvierteln bis Peking, von Kapstadts Norden bis Misrata finden sie keine Hindernisse vor.

Konkurrenten der Pick-Ups:

Jeeps mit vorgeklappter Scheibe, Hafliger, Hilbilly-Humvees?

Passende Redensarten:

Kanonenfutter, aufgegabelt, aufgepickt, marodieren, marode……

Der Pick-Up hat überall da seine Apotheose, wo Gesellschaften sich atomisieren, wo Staaten zerfallen, wo nur noch das Recht des Gebrauchtwagens gilt. Toyota hat das erkannt (in der Preisgestaltung und im Vertrieb. Wo nehme ich in der Westsahara oder im hintersten Kongoeck, in Südsomalia oder in Belutschistan einen VW- oder Mazda-Pickup her?)

Beschreibung eines Pick-Ups:

offene Ladefläche,, geschlossene Fahrerkabine, 4WD net ungeschickt, gebraucht, verbeult und schlammbespritzt, ehemals wurden Wassermelonen, Brennholz, Zementsäcke oder was auch immer an alltäglichen Notwendigkeiten geladen, jetzt ist ein MG-40 aus dem zweiten Weltkrieg auf einem Dreifuss oder ein leichtes Fliegerabwehrgeschütz da montiert, dazu Trauben von Soldaten, ehm, von bewaffneten Zivilisten darauf verteilt, vielleicht – wie neulich bei BBC-News gesehen – zwei Stahlplatten als Schutzschild gegen Attacken von vorn montiert….Andere Bezeichnungen: Technical, Bakkie, Ute (von “utility”), Hilbilly-Car

Schlussbemerkung:

Barthes hat ganz recht: wir müssen neue Mythologien schaffen, etwa die der Pickelhaube oder des Tangos……Bin ich nun entgegen der Ankündigung doch ein neuer Roland Barthes? Ich glaube nicht. Eher war er ein früher Hibou?

Pleiades

Die Himmelsscheibe von Nebra mit Pleiaden, Bronzezeit) 

The Pleiades are nymphs too. One of them is Merope. But the other six have been dogged by Orion too. First they transformed into doves and flew away. In vain. Then Zeus put them into the sky. Soon there was Orion too, still following them. But he lost all hopes, ever to catch them.
We can see the Pleiades with naked eye. We call them Seven Sisters, in Babylon they called them Mulmul, in Anatolia Süreyya or Ülker, in the Arab countries Atr-Thureyya, in Persia Nahid, in Japonia Subaru. Former civilizations new from their appearance and decline begin and end of the rainy season, and even the Blackfoot-Indians adjusted the Buffalo-hunt after them.

Die Pleiaden

Die Pleiaden sind auch Nymphen. Eine von ihnen ist Merope. Doch auch die andern sechs wurden von Orion verfolgt. Sie verwandelten sich in Tauben und flogen davon. Aber Orion liess sich nicht so leicht von seiner Beute abbringen. Da versetzte Zeus sie an den Himmel, wo sie noch immer von Orion verfolgt werden. Dieser aber hat alle Hoffnung aufgegeben, sie jemals einzuholen.
Wir können sie noch immer am Himmel sehen und nennen sie auch das Siebengestirn. In Babylon hiessen sie Mulmul, in Anatolien Süreyya oder Ülker, in Arabien Atr-Thurayya, in Persien Nahid, in Japan Subaru. Die meisten Kulturen erkannten Beginn und Ende der Regenzeit an ihrem Auf- und Untergang am Nachthimmel, selbst die Schwarzfuss-Indianer richteten die Bisonjagd nach ihnen aus.
(Th.K., Kleine Mythen und Lopper)

Hunde können lesen

Wusstet ihr schon, dass Hunde lesen können? Hier der Beweis: Ich lese grad “Der Mann ohne Eigenschaften” von Robert Musil (endlich), dort steht irgendwo sinngemaess der Satz: Jeder Hund setzt sich unter den Tisch zu Füssen seiner Leute. Ich schaue unter den Tisch. Dort sitzt mein Hund zu meinen Füssen. Ich erschauere. Er hats gelesen! Und das sogar ohne Buch!

Geographisches

Mit einem Augenzwinkern beschreibt unser Reisender Hibou, der sich manchmal etwas grossprecherisch “der zweite Herodot” zu nennen pflegt, die Länder und Städte, Berge und Ebenen, Tiefen und Untiefen dieser Welt. Er scheut dabei auch nicht vor Gegenden, die vor ihm nie ein Mensch betrat, zurück, entzückt uns dabei mit einem sehr speziellen Wissensschatz. Wir folgen ihm lesend und machen dabei sogar mehr Gewinn als bei allen Miles and More dieser Tage, sind aber stets zur selbständigen Entscheidung, was daran Wahrheit, was Dichtung ist, herausgefordert. Im Rundfunk können wir seine Aperçus mitverfolgen, auch wenn die ihm eingeräumte Zeit zwischen Wetterbericht und Reklame sehr kurz ist:

Hyderabad,

Die Stadt liegt zu beiden Ufern des Musi, wo die Einwohnerinnen und Einwohner, die über keine Duschkabine verfügen, auch ihre Füsse waschen (Die Hände waschen sie in Unschuld). Der Musi macht sich nichts draus und fliesst weiter zum Kindischen Ozean. Hyderabad wird oft fälschlich als Geburtsort des vormaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Heider (welcher sich im übrigen mit “ai” schreibt) bezeichnet. Auch der Gassenhauer “Hydshi-Bumbydshy” wurde nicht hier geschaffen, sondern weit weg in den Maschener Tonstudios. Nicht einmal der Koh-i-Noor urständet von hier, er wurde vor Zeiten aus Nuristan importiert. Wegen Nichtsnutzigkeit ward er von den Briten zur Verbannung verurteilt und schmachtet nun im Tower zu London. Nur bei Krönungen darf er kurzzeitig an die frische Luft.

Aus Hyderabad stammen dagegen recht viele der gegenwärtigen US-Top-Manager, weswegen die hügelige Gegend rund um die Agglomeration den Ehrennamen “Silicon-Hills” erhielt. Da Hyderabad auch eine bunte Filmidustrie hervorrief, ist es etwas rätselhaft, warum diese Branche Bollywood und nicht zum Beispiel “He-Dollywood” genannt wird…..

Transnistrien

Es liegt bei Moldavien, Bessarabien, der Bukowina, Gagausien und Siebenbürgen. Es ist ein verdientes Mitglied der Gemeinschaft Nicht Anerkannter Staaten. Tatsächlich ist Transnistrien von keinem anderen Land diplomatisch anerkannt (Abchasien immerhin von Venezuela, Nicaragua, Russland und Nauru). Doch es existiert! O tempora, o mores…..In der Hauptstadt Tiraspol geben sich rührige Leute die Klinke in die Hand. Man munkelt, es seien meist Schmuggler. Wo es Grenzkontrollen gibt, gibt es auch Schmuggler. Marschall Suworows Statue schaut gleichmütig auf das Treiben. “Ein Krieg ist erst dann vorbei, wenn der letzte Soldat beerdigt ist” hatte Suworow zu Lebzeiten gesagt. Auch hier hat er gewirkt, war nicht er es, der die Festung Tiraspol erbaute? Wir kennen ihn von Andermatt und der Schöllenenbrücke her. Dort erzwang er gegen die Franzosen in den roten Hosen den Durchmarsch seines Heeres. Auch seine letzte Liebe fand er bei den Eidgenossen. Maria und Maximilian Schells Vater noch wusste davon. Aber heute? Der Mantel des Vergessens ist darüber gebreitet. Der letzte Soldat? “Nach Frankreich zogen zwei Grenadier’/ die waren in Russland gefangen”, schmetterte mein Vater. Meine Mutter begleitete ihn am Klavier. Wir aber sind noch in Transnistrien. Der Dnjepr rauscht. Weit stärker als der Mantel des Vergessens…..

Roermond

Roermond liegt im Limburgischen und hat sich viele Verdienste erworben. Nur zwei davon seien erwähnt: Ein Bürger der Stadt erfand die Pommes Frites (obwohl heutzutage die meisten glauben, selbige seien aus Belgien). Ein anderer, mit poetischer Ader, erfand den niederländischen Haiku, welcher im Gegensatz zum japanischen aus 14 Silben besteht. Beispiel gefällig?:

“fern von roer

und der mond voll wie

ein pfannengesicht

aufgerauht mit muskat”

In Roermond wohnt auch Dr. Cuiper. Er praktiziert nicht, leitet aber die Apotheke am Platz. Die Leute fragen ihn, wenn ihnen die Nebenwirkungen eines Medikamentes nicht bekannt sind:

“tramlinien

verfangen sich am platz

und dr.cuipers apotheke

erzittert

in den schmerzmitteln”

Den meisten Umsatz macht Dr. Cuiper mit Sedativen, denn seltsamerweise leidet die halbe Bevölkerung an Schlaflosigkeit – und dass, obwohl der Mond überhaupt nicht röhrt:

“wo ziehen wolken

wenn schwarzer honig

in dr.cuipers roehren

gerinnt?

der mond

verhüllt seine bloesse

mit schweigen”

Stein again

Gertrude Stein

She remains a bit Paris for us, though she’s born in the West of the USA. With her brother Leo she came to France and stayed there the rest of her life. Many citizens of the US came to Paris in those times (late 19th, early 20th century), the „city of lights“ was Mecca mainly for artists and writers. But they came from different directions too (Brancusi, Celan = East, Rilke, Modersohn, Purrmann = North, Modigliani = South). Gertrude – a trude is a trude is a trude – wrote completely new literature, it was so new, that even we 100 yeas later don’t get it yet and mainly only know the „Autobiography“ of Alice B. Toklas. Her companion. Ms. Stein hold a salon at Rue de Fleurus near the Luxembourg and was busy supporting penniless artists – f.e. by buying their paintings. In her salon Matisse and Picasso met for the first time – „Matisse is always a good chat“. Her friendship with Picasso became legendary. Often she walked the long way from Rive Gauche to his atelier in Montmartre – „that’s good“, she said, „I think about a sentence on each way!“. At „Bateau Lavoir“ she sat for a portrait. „But it doesn’t look like me?“, she asked worringly. „Don’t fear, my dear“, he replied, „in time you’ll look more similar to it!“. She even get friend to Picassos lovers there. Adrienne Monnier and Sylvia Beach, Joyce, Hemingway and many others were among the visitors of her salon, in fact who wants a guide to nearly all the artists living in Paris in the beginning of the 20th century should read the book mentioned above. It is a nice book! Here the last paragraph: „About six weeks ago Gertrude Stein said, it does not look to me as if you were ever going to write that autobiography. You know what I am going to do. I am going to write it for you. I am going to write it as simply as Defoe did the autobiography of Robinson Crusoe. And she has and this is it.“Alice – even after Stein’s death – took care to publish her works. She herself wrote a recipe-book, with a recipe for marihuana-cookies.

Lethe

Yeraltı dünyasında Styx’dan daha çok su var; Acheron, Eridanus ve Lethe, unutmak-nehri, Mnemosyne, hatırlamak-gölcüğü. Çok şey daha var, ama unuttum…Profesör Alzheimer, Tübingen’li; o da Lehte’den içti, ama sonra Mnemosyne’den de içip, her şeyi unutmak hakkında not yazdı. Tom Waits’te hakkikatan yeraltı dünyasını biliyor, çünkü şöyle söylüyor: “I will always remember to forget about you…”

Myths: River Lethe In the underworld ruled by Hades there are more waters than Styx, the river of no return: Acheron, Eridanus, Lethe, the river of forgetting and pond Mnemosyne, which makes remember everything. There are much other things there, but I forgot….Professor Alzheimer from Tübingen drank, when he came to the Orcus, from river Lethe, but after that he had a drink from Mnemosyne too and after that noted everything about forgetting. Tom Waits has for sure been in the underworld too, otherwise he couldn’t sing: “I will always remember to forget about you…” (Image: River Lethe, Valley of the Thousand Smokes, Alaska)

Tachion

Heute ein Krimi. Hülya ist auch dabei:

Er verliess sein Haus am Ortsrand von Daun gleich nach dem Ende des Morgenmagazins. Cherno Yobatay hatte einen “Ginkgo”-Fachmann zu Gast gehabt, die Fragen an ihn kamen telefonisch und scheppernd. Man muss ganz und gar bescheuert sein, um an solchen Sendungen mitzumachen, dachte er, als er sorgfältig die Tür ins Schloss zog. Die Frisur des Moderators nervte ihn. Er dachte an den neuen Harald Schmidt und seinen Eremiten-Touch. Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz, Frisur egal. Er grinste. „Zoten“ war das Wort, er sagte es laut vor sich hin, während er ohne viel Mühe das breite Tor seiner Garage hochstemmte. Er genoss dabei jedesmal, wie seine Hemden an den Knöpfen spannten. Wie einfach das alles immer war, alles. „Simpel“, sagte er. Bis Frankfurt-Flughafen floss der Verkehr träge dahin. Er hatte sich im Voraus bezahlen lassen, hatte das Mehrfache der üblichen Summe verlangt und erhalten. „Simpel“, wiederholte er, als er daran dachte. Im Fahrstuhl des Parkhauses ging er wie immer alle Namen der Ferien-Airlines durch, die er kannte, eines seiner Rituale vor den Flügen. Manchmal kam während der Reisen ein Name dazu, manchmal verschwand einer. „Hapag Lloyd“ zum Beispiel. Und immer mehr bunte Flecken und Farbspritzer auf den Flugzeugen. „Aufgeregt“ sagte er, als er schliesslich in der Halle stand. Er selber bevorzugte die klaren Symbole. Klare Zeichen. “Aber lass man,” betonte der Chef immer wieder, “mit denen da fliegst Du am allerunauffälligsten.” Sie hatten einigermassen nervös geklungen, das hatte ihn irgendwie angesteckt. Nur eine einzelne Frau diesesmal, aber sie werde von „allen“ gesucht, und verfolgt werden, wenn das bekannt würde. „Menschenschicksale“, murmelte er vor sich hin, gleich mehrmals. Die Sonne stand schon schräg voraus, als sie über den Balkan flogen. Die Donau im Gegenlicht, wie eine weißgoldene Schlange. Attila, Hagen von Tronje, Süleiman der Prächtige und andere waren da unten in beiden Richtungen entlangezogen, oder Jason und die Argonauten auf der Flucht. „Krieger.“ In irgend einem der Wälder, dieser blassgrauen Flächen und Flecken, versteckten sich noch immer Karadzic, und Mladic. Dann das Meer. Lesbos. Holprige Landung in Izmir. Diesmal war es besonders wichtig. Und teuer, sollte nichts schief gehen. Worum es sich denn handle? „Tachyonen!“ Selbst der Chef hatte sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Fragezeichen über den Augen. Tachyonen seien so was wie überlichtschnelle Energiedingens, unfassbar und unvergänglich. Und wozu dann so weit reisen? Sie sei ein Medium, sagen alle, und könne Tachyonenenergie anwenden, umwandeln. “Was weiß ich,” beendete der Chef die Rede. Der Heilerverein „Nikola Tesla“ in Wittlich hatte ne Masse Bares für den Transfer geboten. Eines der gelben Taxis brachte ihn zum Hauptbusbahnhof, mitten durch das Gewimmel von über Nacht gebauten kleinen Häusern und Buden. Die Leute lebten auch auf den Dächern und Balkonen, den Sofas darauf und den Herden und Fernsehgeräten nach zu schließen. Oft schon hatte er das gesehen, aber noch nie ohne ein unmerkliches Kopfschütteln. Jetzt regnete es und ätzender Kohlendunst hing über den dicht bebauten Hügeln. Irgendwo dann wie eine Betonmoschee die „Garajlar“. Er schlug die Tür zu, sein Hemd spannte. Der Fahrer hatte ein Zeichen gemacht: „Pam!“ Wenns denn sein muss. Dann das Dunkel zwischen den zwanzig Meter hohen Pfeilern und unter der langen Reihe von Gewölben, aber überall, wie nomadische Dörfer, die Kioske, Imbisse und Cafés, und aus den hängenden Monitoren Lieder des unvermeidlichen Tarkan und anderer glattgeleckter Stars und Schnuppen.Er sah sie sofort, genau am angegebenen Treffpunkt, Perron 35, Bus aus Afyon. Dunkle Augen. „Ich bin Hülya“. Deutsch mit Akzent, aber fließend. Sein Blick blieb für einen Moment auf ihrem Mund liegen. Sie erklärte es mit einem Lächeln. “Samt”, dachte er, und wiederholte laut: „Koblenz“. „Gehen wir.“ sagte sie. “Nur diese Tasche?” fragte er. Sie rief ein Taxi, er bat sie höflich, sich nach hinten zu setzen, und setzte sich neben sie. Seine Gedanken kreisten um sie. „Wie ferngesteuert“ murmelte er, als er sich einmal mit der Hand in den Nacken langte. Wie sie aussah! Alles an ihr war seltsam, obwohl nicht etwa hässlich. Sie wirkte im höchsten Maße abwesend, unwirklich. Zudem ging öfters ein heller Fiepton von ihr aus. Es war wie zu Hause, dachte er, wenn er nicht wusste, ob das Wasser kochte oder die Mutter ihr Hörgerät einzustellen versuchte. Über Tachyonen schwieg sie sich aus, gab ihm aber ein Faltblatt mit der Bitte, es nach der Lektüre in kleine Fetzen zu zerreißen. „Tachyonen“, las er, seien „hypothetische Teilchen“. Sie wurden bisher weder direkt beobachtet noch hatte man indirekte Hinweise auf ihre Existenz gefunden. Es gebe auch keine Theorie, die Tachyonen sehr dringend annehme. Dennoch würden Tachyonen oft diskutiert, weil sie, wenn es sie gäbe, bemerkenswerte Eigenschaften hätten. Dann war die Rede von Geräten zum „tachyonisieren“ von Materialien, “Dauermagneten” mit einer hohen „Remanenz“, „Null-Linien“ und „atommäßiger Ausrichtung“. Am Flughafen kaufte er mit seinem wenigen Englisch etwas unbeholfen zwei Tickets, Rückflug, andere Linie als hin, versteht sich. Angesichts des dicken Bündels abgegriffener Geldscheine mit diesen unglaublich vielen Nullen in den Zahlen, dass er für seine grünen Euros bekommen hatte, dachte er an das Geld, das – irgendwie ja auch immateriell – auf sein Konto geflossen war, sozusagen überlichtschnell. Und im Automaten an der Strasse von seinem Haus zum Supermarkt würde es sich bald materialisieren, knatternd und fassbar. Er grinste. Als er sich umdrehte sah er ihren Blick auf sich ruhen und erschrak. Er richtete sich auf, fühlte die Knöpfe spannen und sah sich um. Plötzlich war sie wieder da, die Nervosität, ein kurzes heisses Aufflammen. Ganz am Anfang hatte er sich immer gesagt, besondere Massnahmen erst, wenn besondere Massnahmen nötig waren. Was, wenn er gar nicht in der Lage war, solche Momente zu erkennen? Jetzt nur nicht die Ruhe verlieren. “Handschweiss”, dachte er. Hatte er nie, aber hatte er mal gelesen. „Alles wird gut“ sagte er, und lächelte wieder, angedenk der Frau, die solche Sätze sagte, und der Frau hier bei ihm. Diese hier konnte er spüren, auch wenn er sich nicht sicher war, ob das so sein sollte. “Hülya.” Er bot ihr den Fensterplatz an. Schliesslich würde er “arbeiten”, sagte er. Sie schien den Witz nicht zu verstehen, und er beschränkte sich für den Flug darauf, ein ernstes Gesicht zu machen. Wie ungeschickt, dachte er, ständig nach dem Fenster schielen zu wollen und aber nicht schauen können, weil sie sonst denken würde, vielleicht, er schaue sie an. Und sie aber, schaut überhaupt nicht hinaus. Braucht sie vielleicht auch nicht, fiel ihm ein. Spürt den Strom auch so. Spürt, was er weiss. Sie hatte gesehen, er hatte darauf geachtet, wie er den Zettel feinsäuberlich zerriss, und auch die letzten kleinen dicken Stapel ohne Mühe. Vielleicht würde es ihr Sicherheit geben. “Me-di-um.” Er hörte nicht auf, sich zu wundern, dass diese Frau da neben ihm niemanden irritierte – wenn auch der Fiepton, wie er zugeben musste, jetzt fast unhörbar war. Sie verliessen die Maschine “auf freiem Feld”. Sonnentrockener Zement, sauber gezogene Linien, in verschiedenen Farben, Logik und Klarheit überall. Der Bus, in seinen Proportionene, naja, etwas geduckt. Sie kramte aus der Tasche eine Sonnenbrille hervor. Was, wenn ihr Vater sie sähe, sagte sie leise. Hier? Er dachte, er würde sich freuen, wenn seiner ihn sähe. Er ging ihr voraus, musste sich aber zusammenreissen, ihr nicht die wenigen nichtautomatischen Türen aufzuhalten. Bloss nicht zu viel Aufhebens machen um sie, das würde nur auffallen. Und mit gradem Blick an den BGS-Beamten vorbei. Dann einige Schritte zurück, um zu sehen, dass sie ihre Tasche wollten. Sie hatten sie an den Rand an die Wand gedrängt, damit die Leute durch konnten. Mit der Sonnenbrille sah sie irgendwie hilflos aus. “Warum sie? Warum ihre Tasche?” fragte er scharf. “Sie haben ja keine,” war die Auskunft. Sie gaben ihr die Tasche zurück. Was hätten sie denn finden sollen? Tachyonen? “Strampelanzüge,” sagte er, und meinte die der Beamten, und sie sah ihn an und sagte ja und lächelte. Er hatte nicht auf die Gegenstände in ihrer Tasche geachtet fiel ihm auf, als er den Wagen aufschloss. Genausowenig wie auf irgendwas. Und was war das gewesen: Wut? Er bemerkte eine Bewegung aus der Richtung der Gebührenautomaten. Mit den Händen auf dem Dach fragte sie noch, ob sie fahren dürfe, aber er verneinte. Kurz und knapp, der Situation angemessen. “Setz dich bitte.” Dann lief der Motor. Im Rückspiegel sah er einen Mann eilig zu einem Wagen laufen. Lass ihn laufen, sagte er sich, setzte zurück, fuhr an die Ausfahrt, ruhig das Ticket eingeschoben, die Rampe hoch, langsam eingebogen, und dann aber! Er wusste das sie spürte dass es sein eigener Wagen war, so konnte man nur seinen eigenen Wagen fahren. Nebenstrasse hinterm Parkhaus, noch einmal rechts, harte Bremsung, rückwärts in eine Parklücke, Motor aus und Köpfe runter. Er hatte sie einfach gepackt, ohne “Bitte” ohne Frage. Arm ausgestreckt, Hand in den Nacken, runter. “Was machst du!” Sie musste lachen. Er spürte ihre Wärme, so nah bei ihr, sie beide gebeugt mit den Köpfen beieinander. “Meinen Job,” sagte er, “dafür bin ich bezahlt worden.” Sie lachte herzlich, während sie im Fussraum nach ihrer Brille tastete. Er hatte ihr gestattet, den Kopf auf sein Bein zu legen, als sie dann endlich wieder fuhren, und als sie sich dann wieder aufsetzen durfte, war sie schläfrig geworden. Sie versuchte sich zu orientieren, dann wies ihre Hand ihm mit weichen Bewegungen den Weg. Ab Mayen die Landstrasse. Monreal, Ürsfeld, Boxberg. Sie war es, die sprach. Pelm, Prüm, Auw! Er hörte ihr zu. Sie mussten nahe der Grenze sein, alle Wegweiser zeigten nach Lüttich. Wohin es denn ginge, fragte er. Ihre Hand zeigte kurz nach einer Kuppe nach links in einen Waldweg. Dichtes Grün. Sie küsste ihn, als er sich ihr zuwandte. “Koriander,” dachte er. “Seide.” Warum war er nicht überrascht? Irgendwie drehten sie sich aus den Kleidern. Der Fiepton, da war er wieder. “Sind die ansteckend oder was?” fragte er. Sie lachte, ein breites Grinsen blieb. Sie sah ihn an. Er wusste, dass die Frauen seine Küsse mochten, also tat er, was er konnte, und das Grinsen verschwand. Aber ihre Augen blieben offen, bis zuletzt, er wünschte sich, es wäre Staunen. Als er erwachte, war es Nacht. Er lag, es war feucht, er versuchte sich zu bewegen, millimeterweise. “Tachyonen rasen in unglaublichem Tempo dahin,” dachte er. Seine Brust war verschlammt, Schlamm auch im Augenwinkel. “Remanenz mit dem Erdfeld.” Der Wagen war weg, und alles was er dabei gehabt hatte. Auch sein Konto würde leer sein. “Hülya,” sagte er leise. Sein Schädel schmerzte. Chloroform? Finger in die Halsschlagader? Das würde nie jemand erfahren.

Das Gerücht

Im prinzip ist sprache immer auch wirksam (ausser, dass sie informationen vermittelt). die programmiersprachen (html, java, etc) sind ganz besonders wirkensmächtig: eine zeichenkombination bewirkt, dass der bildschirm blau wird, eine andere, dass ein hase übern schirm läuft… etc.ein gerücht ist auch aus dem bereich wirksame sprachen. es ist eine prophezeihung, die sich selbst erfüllt, wenn ich sie nur oft genug ausspreche, insofern einem fluch oder einer voodoo-tat vergleichbar. das subjekt des gerüchtes tut schliesslich aus reiner ermüdung, was das gerücht von ihm will/behauptet, wird lesbisch, schwanger, kommunistisch oder kocht mit öl anstatt mit butter. das gerücht fliegt von mund zu mund wie der kuss, ist aber gleichsam seine nachtdunkle seite, sozusagen satzherpes :-)) das gerücht verändert sich von mund zu mund, schwillt an, wird zur katastrophe. es gibt leider erst an wenigen orten ausreichend gerüchtvorwarnstationen, so dass man sich vor ihm schlecht retten kann. das gerücht hat stark suggestive wirkung, dring zu jemandes ohr ein und kommt aus dessen mund verstärkt, verändert wieder hervor: und das immer hin zum schlechteren, verleumderischeren, böseren. unser hund bellt leute an, die gerüchte verbreiten. es ist fast, als wolle er sie verschlingen. gerüchteverbreiter haben denn auch sehr morbides, abgeschlafftes, glitschiges fleisch. würde unser hund sie tatsächlich fressen, würde man sich über die knochen der erbeuteten wundern: man würde nämlich keinerlei rückgrat finden. unser hund bellt ausserdem noch drei andere arten von leuten an: heuchler, lügner und bigotte (müssen sich letztere vielleicht eben wegen des fehlenden rückgrates an den himmeln aufhängen, um überhaupt aufrecht gehen zu können?). auch vor dem fernseher bellt er manchmal: wenn präsidenten, premierminister oder gewaltszenen erscheinen.