Mythologie des Alltags: Rȁtsel über Rȁtsel

Müde kam Frédéric Chopin eines Nachmittags aus dem Café nach Hause. Heute, chérie, schreib ich mal was ganz Neues! und als er damit fertig war, spielte er es seiner Liebsten gleich auf dem Klavier vor. Aber das tönt ja mal wieder voll nach Chopin! rief George Sand enttȁuscht, immer diese ausgeschmückte Melodik, die mit ihrer freien rhythmischen Entfaltung so deutlich von Vokalen mitgeprȁgt ist! Na und, antwortete dieser hustend (auf französisch natürlich), ich habe die feingliedrigen Fiorituren und die Portamenti des Klaviersatzes eben dem Belcanto abgelauscht! Kannst du uns nicht mal überliszten und ein bisschen brahmsen? Das tun Schubert und Schuhmann doch schon zur Genüge, beim Cherubini! und überhaupt, was verstehst Du schon von Musik? Zigarre rauchen, Mȁnnerkleider tragen und mir nicht gehorchen, dass kannst du! Nimm dir ein Besipiel an Clara Wiek!

Was anderes: woher weiss ein in die Erde gelegter Kern eigentlich, dass er Olivenbaum werden soll? Müde lȁchelt der Botaniker. Die DNS natürlich, sagt er, die hat er doch in sich. Und? Wie kann er sie lesen? Er hat doch keine Augen?

Ich habe auf dem Markt junge Zwiebeln gekauft, die sind unten weiss und oben grün. Das macht das auftreffende Sonnenlicht, sagt der Naturwisschenschaftler milde. Wieder: was ist mit den Augen, wȁr nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken! Und die Zwiebel hat kein einziges!? Der Stengel nimmt die Wȁrme wahr. Und wieso bleibt dann der Stengel auch in der kühlen Nacht grün? Einmal grün, immer grün, sagt Claudia Roth.

Daily mythology: Cork in badminton-shuttlecocks

As we learned shuttlecocks were made of a cork-ball, covered with leather. A ring of feathers were tucked into to make it fly. Mesmerizing: only feathers from the left wing – mostly of goose or duck – were used, in order to make the shuttlecock rotate properly. Poor birds! They had to fly anti-clockwise in circles! Don’t believe that: alas, they were slaughtered, a bit of gluten added, cooked and sold as Peking-ducks.
Badminton but became a very fast game, sometimes you can hardly follow the shuttlecock with the eyes….

Mythologie des Alltags: Die Assel

assel

Zur Zeit haben wir hier eine Menge Asseln. Ich weiss, dass sie sich bei Gefahr instinktiv zur Kugel rollen, deshalb ist es leicht, sie im Haus aufzusammeln. Aber was weiss ich sonst über sie? Sind sie Einzelgȁnger oder Gruppenwesen? Wie pflanzen sie sich fort? Haben sie ein Hirn, und wenn ja, was denken sie? “Heute will ich mal in aller Ruhe Futter suchen, aber vorher noch die riesige Betonflȁche hier überqueren!”. Oder: “Was Ralph Waldo Emerson über die Natur sagt, ist doch meisterhaft getroffen!”

Mythologie des Alltags: World Naked Gardening Day

nakedgardening

Seit einigen Jahren wird an jedem 1. Samstag im Mai der Nacktgȁrtnertag zelebriert. Wenn nicht im eigenen Garten bietet der Nacktgȁrnerverein bestimmt ein abgeschlossenes Gelȁnde dafür an. Dies hat den Vorteil, dass keine Nachbarn sich beschweren können. “Wir wollen mit diesem Event die unsexuelle Nacktheit fördern, unsern Körper etwas Licht und Sonne geniessen lassen sowie die Gesellschaft, die ja zur Zeit stark regrediert, an Unbefangenheit stȁrken. Stören Sie sich nicht daran, dass sie dabei etwas schmutzig werden könnten, denn das anschliessende Duschen ist leicht gemacht: sogleich treten sie ohne sich auszuziehen unter die Brause.” In südlichen Lȁndern wird einem das Nacktgȁrtnern jedoch nicht leicht gemacht: Ameisen stechen einem in die Füsse, Skorpione in die Schenkel, Kakteen in den Hintern und Schlangen in den Busen. Fragen Sie nicht Kleopatra, es könnte sie ernüchtern. Auch mögen manche nicht auf die gewohnten Gartenhandschuhe verzichten. Bei Regenwetter oder Permafrost geht ebenfalls vielen die Lust verloren.

Nichts Neues verspricht leichten Lustgewinn… Seien Sie heroisch und kommen Sie zum Nacktgȁrtnern!

 

Every May we enjoy World Naked Gardening Day: our club offers even closed premises not to make the neighbours go mad. “With this event we want to promote nonsexual nakedness and some sun for our bodies. Society, becoming more and more timid (think of Queen Victoria’s saying “Close your eyes and think of England”) should be encouraged to more openness. Don’t get disturbed of sand and clay: after work you simply shower without taking any clothes off!”

In southern countries though naked gardening is difficult: ants sting your feet, scorpions your legs, cactuses your arse and snakes your tits. Think of Egyptian queen Cleopatra, who had a hard time in her garden!. And you’ll miss your usual gardening gloves too. Many of us don’t like to be in the garden on rainy days or in permafrost. So what? New things never come easy to us! Be a hero and join us in naked gardening!!

Daily mythology: Mantis

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Mantides are predator-insects, they have forelegs that are greatly enlarged and adapted for catching and gripping prey; their upright posture, while remaining stationary with forearms folded, has led to the common name praying mantis. Females sometimes are eating up their mates after copulation, mantis is therefore imagined as a metaphor for the femme fatale.

The name has resemblance with the ancient prophet Manto, also with manteau or Mantua. Manto is imagined as the daughter of prophet Tiresias, Goethe in his “Faust” makes her appear in the “Klassische Walpurgisnacht”. In ancient cultures like the Greek or Egyptian the insect was considered to have supernatural powers. Aldous Huxley, M.C. Escher, Isabella Rossellini and others tell us about her.

Some of the robots in “Star Wars” seem to be shaped after Mantis.

Let’s not be like Mantis! Let’s not act as predators, let’s not eat up our mate!

Mythologie des Alltags: Pilot

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Nur in Deutschland wurde dafür auch der Ausdruck “Luftfahrzeugführer” geprȁgt.

Unter Pilot wird allgemein der Captain eines Flugzeuges (das Wort kommt ja eigentlich von “Steuermann”) verstanden. Zum Glück wird der Ausdruck “Pilot” auch noch im übertragenen Sinne gebraucht (“Lass mich Dein Pilot sein…”). Haben wir nicht alle eine tiefe Sehnsucht nach Geführtwerden? Blind vertrauen wir uns dem Piloten an, die Binde vor den Augen, oder zumindest aber eingezwȁngt in unsern Sitz, den Rucksack unterm Knie, auf der Rücklehnenbildschirm des Vordermanns oder der Vorderfrau “Kevin allein zu Haus” verfolgend oder Biggles-Heftchen lesend…

Die Luft ist zwar unsichtbar, aber äusserst plastisch. Frag doch den Segelflieger! Er ist es gewohnt, die Atmosphäre qualitativ wahrzunehmen, also nicht mit Augen, aber mit Gefühl (mit dem Arsch im Fliegersitz). Wie erhebend, einen Aufwind aufzuspüren! Wie niederschmetternd, dem Abwind ausgesetzt zu sein…. Um diese Qualitäten auch als Erdgebundener zu ”sehen” reicht es, Vögel zu beobachten. Sie sind gewissermassen das Kontrastmittel, um Luftbewegungen und Luftstimmungen sichtbar zu machen. Laub aber tut es auch. Warum sammeln sich Laub- und Blütenblätter immer an einer bestimmten Stelle der Hauswand? Weil dort der Wind küselt.

Der Beruf des Piloten wird bald aussterben, denn das Flugzeug fliegt vollautomatisch, fast luftunabhȁngig und computergesteuert. Wem werden die Hostessen dann Kaffee und Sekt ins Cockpit bringen? Das Cockpit heisst “Cockpit”, weil der Pilot dort, sicher vor jeder Konkurrenz, die andern Besatzungsmitglieder vögelt und dabei denkt: “Nur Fliegen ist schöner!”