Mythologie des Alltags: Marco’s

marco

Marco’s ist meine Lieblingskneipe in Turgutreis. Man sitzt – draussen, wie hier meist – gegenüber dem Marktplatz und hat freie Sicht auf Passanten, den Verkehr, die windgezausten Bȁume und die ziehenden Wolkenformationen.
Marco’s ist auch ein weiterer Beweis für die Überlegenheit von Benennung über die Substanz. Den Namenspatron Marco erinnert kaum einer mehr. Er war bestimmt ein Freund des Herakles oder ein von den Bergen herabgewanderter Lelegier. Ich entsinne mich noch der Wirtin Rita, einer fast nur aus Haut und Knochen bestehenden Englȁnderin und ihres Gefȁhrten, einem Mann, der eher schottisch als seldschukisch sprach. Die beiden wurden fast über Nacht nach Kos ausgewiesen, weil sie nicht die richtigen Lizenzen besassen. Wer ist inzwischen der Besitzer? Ich vermute nach wie vor der Viktualienhȁndler an der Ecke, der da in seinem winzigen Kabuff hockt, aber meines Wissens auch ein Hotel besitzt. Mehr sein als scheinen. Das Lokal ist inzwischen umgebaut, der Kellner nach wie vor derselbe. Auch die Musik ist nach wie vor die gleiche, sie wird eingeschaltet, sobald sich ein Gast im Schatten niederlȁsst. So höre ich hier in der Levante “Take on me”, Hello – Goodbye” und, wohl als Zugestȁndnis an den Imam, “God only knows”.
Andere Lokale haben tatsȁchlich mit dem Besitzer auch den Namen gewechselt. Nur wir sprechen immer noch vom “Şapka”, vom Malama-Beach-Hotel, vom Violin Hotel und von “Friends Beach”. Eine andere Institution hat ihren Namen behalten und wird ihn auch in Zukunft nicht abgeben, selbst wenn es Katzen regnen sollte oder die Regierungsform des Landes wechselt: das WC. Zwar sind diese Stȁtten der Erleichterung und des Abgebens weniger geworden – gibt es weniger drangvolle Menschen oder wird nicht mehr so viel getrunken? – aber immer werden wir zumindest ein öffentliches WC haben.
Zurück zu Marco’s. Ich sprach mit Gȁsten, wie sie sich ihn vorstellen. “Er hatte Embonpoint”, sagt der Frankophile; “er war dunkelhȁutig, hatte Schnurrbart, eine kreisförmige Bernsteinkette in der Linken und schaute machohaft drein”, ein Heimischer. “Bestimmt einer der Scheissgriechen!”

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Daily mythology: All that is

Breakfast is done, in an unconscient moment I am standing front of the windows, arms bent in triangles, hands in the hips. As I contemplate the shining white buildings vis-a-vis, their sharp contrast against the blue morning sky, the green green leaves of the ficus which will be cut in some days, the lost house of Hayali and Bingöl inmidst the dry prairy, I suddenly think of the state of things. World going to be shreddered, earthquake every few days, a reigning party contradicting all the promises of its early days: democratic reforms, protection of minorities, implicit fight against bans, corruption and criminality, for sure a pair of overriden dead shoes on the road beneath us, the change of the climate leaving us in a desert, the dripping of the hot-water-tank on our rooftop…
Another day starting….

Mythologie des Alltags: Der Blaue Peter

Mit Fahnen oder Flaggen hat es irgendwas auf sich. Obwohl als optische Signale lȁngst obolet geworden, mögen wir noch immer gerne Flagge zeigen. Ob ein Schiff in Panama, eine Millionȁrsjacht auf den Bermudas beheimatet ist, erkennen wir sofort an der Fahne im Heck. Zusȁtzlich wird – bei Einfahrt in ein anderes Staatsgebiet – die Flagge des Gastlandes oben aufgezogen. Als wir kürzlich auf der kurzen Überfahrt nach Kos waren, fiel mir auf, dass da ein Mitglied der Besatzung (das einzige?) genau auf der Grenze *smile* die griechische Fahne hisste, bzw. Sie auf der Rückfahrt wieder einholte. Und das trotz Handy, Funk und Radar…
Früher wurde auch ein Flaggenalphabet als optische Verstȁndigung zwischen Schiffen und zwischen dem Schiff und dem Land benutzt. Jeder der bunten Flaggen stand sowohl für einen Buchstaben, als auch für eine bestimmte Botschaft. Der “blaue Peter” (P/ Papa) zum Beispiel wurde im Hafen immer vor dem Auslaufen gehisst, damit die Matrosen beizeiten – woher? – zurück an Bord kamen. Mittels Zeigen der verschiedenen Flaggen hintereinander konnten aber auch Botschaften übermittelt werden (“König Georg ist tot, es lebe Elisabeth II.!), (“Hasse ma ne Mark?”). Zu festlichen Anlȁssen wurden alle Flaggen aufs Mal gehisst (“Über die Toppen geflaggt)

(Die Flagge K/Kilo bedeutete auch “Ich möchte Verbindung mit Ihnen aufnehmen”. Wȁr doch auch an Land was, selbst für Fussgȁnger?)

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Daily mythology: Gulet

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A gulet is a Turkish sailing ship, mainly “sailing” with motor , two or three masts are still surviving. It is a schooner type ship, wide and cumbersome, the ribs elegantly curbed and mainly made out of wood. The etymology of “gulet” is controversial, it refers to (Italian) “goletta” as well as to (French) “goélette” or to (Celtic) “gull”. I like the connection to seagull 
In Bodrum once upon a time a gulet named “Dilaynur” was anchoring near the coast and we used to swim around it. But after some years it left…. (See: most of the gulets are anchoring – in harbours. But as an encouragement they might be playing Rod Stewart’s “I am sailing”).

Mythologie des Alltags: Ornellas Grossvater (aus dem Hotel Naipaula)

Muss Euch noch von meinem Grossvater erzählen, Ornella nu wieder, er fuhr mit dem Velo über den Gotthard, wenn die Bremsen nicht mehr zogen hielt er Grasbüschel zwischen Schutzblech und Vorderreifen. In jungen Jahren war er nach New York ausgewandert, aber seine Frau verzehrte sich nach der Heimat; so ging es mitten im Ersten Weltkrieg per Schiff zurück. Das war gefährlich, Mann!
1936 fuhr er zu den Olympischen Spielen nach Berlin. Muss mir den Hitler mal anschauen. Immer wenn später die Tante sagte, aber er habe doch Autobahnen gebaut und überhaupt sei nicht alles schlecht gewesen, herrschte er sie an.
Im hohen Alter verliebte er sich noch in eine vietnamesische Krankenschwester. Das kam so: ein Auto fuhr ihn auf eisiger Strasse über den Haufen, mit Schädelbruch kam er im Koma ins Krankenhaus, als er erwachte, sah er dieses schöne junge Gesicht vor sich. Er konnte lange nicht sterben, 20 Jahre lang stand sein Sarg bereit im Nebenzimmer, aber die Termiten nisteten sich ein, so starben zwei Särge vor ihm. Wir dachten schon, wir müssten ihn töten lassen. Dann aber schaffte er es mit 99 Jahren und elf Monaten doch noch selbst.
Wir fuhren zu seinem Begräbnis. Er sah winzig und vertrocknet aus, da in der Leichenhalle. Nur sein graues Haar war noch büschelig und voll. Das Restaurant, wo wir nachher “etwas zu uns nahmen” sah aus wie aus einem Marthaler-Stück, es gab Würstchen und Kartoffelsalat.

Daily mythology: Absinthe

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(pronounced /ˈæbsɪnθ/ AB-sinth) is historically described as a distilled, highly alcoholic (45–74% ABV) beverage. It is an anise-flavored spirit derived from herbs, including the flowers and leaves of the herb Artemisia absinthium, commonly referred to as “grande wormwood”, together with green anise and sweet fennel. Absinthe traditionally has a natural green color but can also be colorless. It is commonly referred to in historical literature as la fée verte (the Green Fairy, Yeşil Peri).
Absinthe originated in the canton of Neuchâtel in Switzerland. It achieved great popularity as an alcoholic drink in late 19th- and early 20th-century France, particularly among Parisian artists and writers. Owing in part to its association with bohemian culture, Absinthe was opposed by social conservatives and prohibitionists. Charles Baudelaire, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud, Henri de Toulouse-Lautrec, Amedeo Modigliani, Vincent van Gogh, Oscar Wilde, Aleister Crowley, and Alfred Jarry were all notorious “bad men” of that day who were (or were thought to be) devotees of the Green Fairy.
For long time, Absinthe was forbidden or unavailable, because it was said to cause infertility. Nowadays it is available again.

Mythologie des Alltags: Die Nachrichtensender haben jetzt beschlossen ihre Sprecher nach Sachgebieten einzusetzen:

Marc Bator und Jens Riewa = Schifffahrt
Laura Dünnwald = Natur und Umwelt
Anja Chalet = Hochbau und Immobilien
Joachim Hütte = Vorstadtprobleme
Patricia Schäfer = Haus und Herde
Jan Hofer und Klaus Feldmann = ums Haus
Jo Brauner, und Udo van Kampen =Tourismus
Ina Bergmann, Gabi Bauer = Rohstoffe
Wilhelm Wieben, Klaus Kleber, Hans Dieter Poschner = verarbeitendes Gewerbe
Eva Herman = Sex & Genderfragen
Werner Veigel, Johannes B. Kerner = Obstbau
Petra Gerster, Susanne Daubner, Sandra Maischberger und Reinhold Beckmann = flüssige und feste Getreideprodukte
Kristin Otto = Motorsport
Maibritt Illner = Gesundheit
Edmund Stoiber = neuer Korrespondent bei der Dakar-Rallye
Werner Sonne in halbjährlichem Wechsel mit Sarah Winter = Wetter
na und? da kräht doch kein Hahne danach