Konzept –Literatur

Wie in der bildenden Kunst kann auch in der Literatur ein Werk garnicht erst geschaffen werden, sondern im Zustand der Konzeption, im Moment der Entstehung verbleiben. Ebenso wie das Schweigen eine – und möglicherweise ja die vollkommenste – Form des Redens ist könnte ein nur konzipierter Text an die Ursprünge des Schöpferischen rühren und zum anderen dem Konsumenten ungleich höhere Mitarbeit und Mitbestimmung am Akt der Gestaltung erlauben. Konzept-Literatur hält sich also gleich in mehrfacher Hinsicht in enger Nachbarschaft des weltweit interaktiven und umfassend zum weißen Rauschen der unübersehbaren Vielfalt tendierenden Zeitgeistes.

Konzept-Texte bleiben dabei doch nicht nur weißes Papier: Vektoren der Gestaltung und Amplituden innerer und äußerer Handlung werden dezidiert vorgegeben. Doch schon die erste, nach wenigen Silben oder Worten eintretende Verzweigung bringt das für Autor(en) und Leser so charakteristische Freiheitsmoment zur Entfaltung.

Hier sei das Konzept eines Textes über den kleinwüchsigen portugiesischen Koch De Sousa und seiner bizarren Erlebnisse im Sternschanzenpark vorgestellt. De Sousa litt an seiner Gabe des zweiten Blicks, der ihn die Todesstunde eines jeden seiner Mitmenschen in dessen Gesicht ablesen ließ. Dem Konzept seien ein Café, ein milder Vorfrühlingstag, Melodien aus der volkstümlichen Hitparade und aus Afrika, Knospen von Felsenbirnen, Schlagzeilen aus der Welt der Rinderzucht, Amaretto mit Zimt, eine ausgebleichte Samtpolsterbank, ein Geschwirr von Sätzen und Ausrufen, Schalen Milchkaffee, Amaryllis mit Schleierkraut, ein Nein ohne Nachspiel, die Klospülung im Zufallen der Tür, Riffs, Wandsprüche, die Quote für Damenfahhrräder und eine leichte Erektion ohne konkreten Anlass beigegeben.

Annette vom Stay Alive geht vorüber. Sie wird in wenigen Tagen sterben. Anna Oppermann ist bereits tot.

Nicht vorgesehen sind Schnurrbarttassen und der Comer See.

Das Konzept startet am 10.Februar 2001, 14:54 Uhr  MEWinterzeit

 

evokativ

“…die Operation, die der Benutzer im Netz am häufigsten vollzieht, ist Geisterbeschwörung. Man gibt eine Adresse ein – ein Wort, eine Formel, ein Bild, ein Zeichen, ein Klopfen – und der Geist erscheint auf dem Bidschirm. Das ganze Netz ist für seinen Benutzer im Grunde nichts anderes als ein Fall von angewandtem Spiritismus. Die Sprache bekommt ihre magische Funktion zurück. Wörter, Bilder, Zeichen, werden nicht mehr als Beschreibungen der Dinge, dass heißt, der Dateien, benutzt, sondern als ihre Adressen – um diese Dateien wie Geister zu rufen. Die Sprache wird nicht mehr bloß signifikativ verwendet, sondern wie in früheren Zeitenauch evokativ…” (Boris Groys, für Quellenangabe bitte “Boris Groys” eingeben)

… und steht sie noch davor …

Auf die vielen Anfragen über die Bedeutung dieser Worte hier der Versuch einer kurzen Antwort: Offensichtlich handelt es sich bei der obigen Zeile um eine, die weder dem Anfang noch dem Ende, vielmehr der Mitte eines Textes entnommen ist. Der Rhythmus, ja der Klang des Satzes lässt darauf schliessen, dass es sich bei dem Text um ein Gedicht, vielleicht sogar um ein Lied dreht. Doch Schritt für Schritt: Alles beginnt mit “und”, und beginnt zugleich nicht, sondern wirft uns mitten in einen Vorgang. Es ging etwas voraus, es wird etwas nachkommen, all das wird sich wie-derholen. Das Bindewort “und” hat etwas zyklisches, wie uns ja auch die Assonanz mit “rund” schon verraten mag (im Französischen “rond”, “Arrondissement” = Stadtteil). Steht nun “und”am Anfang und (!) nicht in der Mitte, entsteht in uns eine Spannung, ein Geworfensein –wie es ja eigentlich für das Leben eines jeden von uns bezeichnend ist –eine Unvollkommenheit, eine Dramatik, (ein Quartier am Stadtrand?), ein Versprechen vielleicht….

“Und Du, Brutus?”

Ein Beispiel aus Kindertagen: das “und” hier mit der sich wiederholenden Wucht eines Hammers!:

“Und die Sonne, sie machte den weiten Ritt um die Welt,

Und die Sternlein sie sprachen: wir wollen mit um die Welt!

Und die Sonne, sie schalt sie: ihr bleibt zu Haus

Denn ich brenn euch die goldenen Äugelein aus

Bei dem rasenden Ritt um die Welt!

Und die Sternlein, sie gingen zum lieben Mond in der Nacht

Und sie sprachen: Du, der auf Wolken thront in der Nacht,

Lass uns wandeln mit Dir, denn Dein milder Schein

Er verbrennet uns nimmer die Äugelein!

Und er nahm sie, Gesellen der Nacht…”

 

Das Zyklische wird überdeutlich: Jeden Tag, jede Nacht wiederholt sich das. Wir gelangen in völlig andere Bewusstseinsformen. Was anderes als “und dann nochn Pfund Möhren bitte”, gell?

(Exkurs 1: Von wem war das obige Gedicht nochmal? Ich vermute von MatthiasClaudius – weil der Mond drin vorkommt . Und ist Claudius nicht in Wandsbek geboren, dass so gar nix Zyklisches hat, in einem typisch langgezogenen Strassendorf am Heerweg von Hamburg nach Lübeck, in seiner linearen Figürlichkeit das getreue Abbild unseres, des westlichen Bewusstseinszustandes? Aber vielleicht wuchs in dem kleinen Jungen und angehenden Dichter bei Gelegenheit seines Herumlungerns im Staub des Strassenrandes, während die Truppen Tillys und Gustav Adolfs in beiden Richtungen –natürlich nicht gleichzeitig –vorbeizogen, eben gerade die Sehnsucht nach dem Zyklischen? Der Historiker kommt jetzt mit dem Argument, dass Claudius –Matti von seinen Kameraden gerufen –zu Lebzeiten Marschall Tillys und König Gustavs gar kein Kind mehr war, wir entgegnen, dass sei nachzuprüfen: während eines Krieges, der 30 Jahre dauert, hat einer ja sehr wohl Zeit, vom Säugling zum Manne heranzuwachsen, der Wissenschaftler merkt an, dass der schwedische König und der katholische Tilly ja gar nicht gleichzeitig gekämpft hätten, wir erwidern, dass das Gedicht ja vielleicht gar net von Claudius sei, sondern von einem andern, in einem wendländischen Rundling oder gar viel später auf einer rings vom Meer umtosten Ostseeinsel geborenen Poeten….)

“und steht”:

Stehen gibt Sicherheit, Verlass, einen “Stand”punkt, auch inmitten allen Wanderns und Fliehens, aller Migration. In uns garantieren die Knochen dieses Fixum, während uns das Rauschen unseres Blutkreislaufs kirre macht. (Ohne Hirn werden wir aber all dieser Vorgänge nicht gewahr). Was ist aber nun mit einer drohend im Hafen auftauchenden Flotte? Sie steht nicht, sie liegt –abervor Anker, also durchaus hier fixiert. Können wir nicht sagen, dass die Balken und Spanten der Schiffe die Knochen des Meeres – welches hier den niemals rastenden Flüssigkeitskreislauf bildet –darstellen? Wobei wir einer wahrlich hermetischen Umstülpung gewahr werden: Sind die Knochen in uns und das Blut hüllt sie ein und entsteht sogar aus ihnen, so schwimmen die Schiffe aussen/oben auf den Fluten (und entstehen aus ihnen: denn wer würde ein Schiff bauen, wenn es keine Flüsse, Seen und Meere gäbe?) (aber ohne Hirn würde kein Schiff schwimmen).

Abschliessende Charakterisierung des Stehens:

“Drei Tage war der Hansi krank/ jetzt steht er wieder. Gottseidank!”

“noch”:

Hier ist nun ein Ende, ganz im Gegensatz zum anfänglichen “schon”:

.“Sie hat schon acht Flotten!”, aber “Er plündert noch”. Die Steigerung wäre “immer noch”. Ich brauche diese Sicherheit des “noch”. Ich könnte nicht weggehen, vielleicht bis Lichtenfelde, ah vielleicht sagen wir, sogar bis Narvik, Brest, Benghasi, Lenin- und Stalingrad, wenn ich nicht wüsste: “noch” gibt es ein Zuhause, eine bekannte, eherne Zuflucht. Nie könnte ich sonst sagen: verweile (n)doch, du bist so schön….

“und steht sie noch davor”

Also doch vorund nicht in dem wärmenden Haus, dem Selbstbewusstsein, dem sicheren Hafen! Aber nu die Grundfrage: wer steht denn da und wovor??? Jedenfalls steht eine “sie” und kein er oder es, also kein Haus, sondern eine Hundehütte (ideal für “davor”), kein Koffer in Berlin, sondern eine Tasche, kein Tresor, kein sicheres Bankfach sondern eine Tante mit Kopfkissen (die Arme! da vorm Haus pennen….), kein Mast, kein Verkehrsschild (“Stop!”), sondern vielleicht, naja, eine Laterne, kein Mann, sondern eine schöne Frau mit einem klingenden Namen?? Die Laterne erhellt das drohende Dunkel da draussen (eine der beständigsten und wiederkehrendsten Redewendungen der Amerikaner für alles Böse dieser Welt: “out there!”, wenn nicht im Wilden Westen dann halt in Wasiristan oder im Weltraum… Puh, die Aliens!! so fremd, so schleimig…..), die Frau birgt den Mann, der aus der rauhen Welt zurükkehrt, in ihren duftenden Armen…Notabene auch die zeitliche Dimension des “vor”: Vorsicht, Vorbeugung, Vorspiel etc…. Freilich ist das wovor auch entscheidend. Es macht einen himmelweiten Unterschied ob wir sagen: vor dem Kindergarten, vor der Gärtnerei oder vor der Kaserne….. Menno was soll all das Theoretisiern. Ich wills mal mit Anschauung versuchen: Ich schreib einfach mal: Vor dem Kindergarten, – jetzt muss ein Reim auf“davor” kommen: ehm, vor der Bäckerei, vor dem grossen Tor. Ja! Tor ist ideal, sowohl als Reim auf davor als auch buchstäblich… San Paolo fuori le mura….

Nochmal:

Vor dem Kindergarten,

vor dem grossen Tor,

steht ne Hundehütte,

und steht sie noch davor

….

(soweit für die Hunde unter uns). Zweite Fassung, diesmal für Männer, harte Männer:

Vor der Kaserne,

Vor dem grossen Tor

Steht eine Laterne,

Und steht sie noch davor:

Da wollen wir uns wiedersehn

Und unter der Laterne stehn,

Wie einst, Lili Marleen!

Ah, hab ich das net schon mal gehört? Man kann es singen, man kann es überallsingen, selbst im fernsten Schützengraben. Aber Vorsicht: wer abgeschossen wird, braucht net bloss 12 Stunden, 12 Tage oder 12 Monate bis nach Hause, er kommt gar net wieder!

 

Education is important

To develop society, education is crucial. Mothers go to school here and fetch their kids – that’s ok – but they carry the satchels of their sons, daughters have to carry them themselves. Often they call their sons “paşa”. Housework is from early days on only for girls. What image of human is this? Very young the actual shape of society is passed on: men are more than women (though their honor of course has to be protected. Fathers and sons don’t care much for their own honor, but daughters! sisters! Their honor – sitting in between their legs – has to be saved by all means. Better kill them than let them live without). The family – in that way – is the native cell of society.

Religious confrontations

Actually East and West are getting right into a confrontation. While Islamic fundamentalists are heard with hate speech about Western civilization, European populists condemn everything smelling of Islam. Are we going to a clash of religions? For simple minds everywhere it seems like this. But what has the power play in between the Middle East and Europe to do with religion? Is the Christian Democratic Union really following Christian principles? (If you scrutinize them a bit nearer, the CDU is nor Christian, nor democratic, nor united). And what have the wars of the NATO-troups in Iraq and Afghanistan to do with the demands of “our Saviour”? Jesus!

On the other side: Is cheating, stealing, bribing, getting richer and richer the aim of Mohammed’s followers? Is building gargantuan palaces really the goal of a pious Muslim?

I was mesmerized by a remark in the main German news (normally I am not very much taken in by their news): Today the traditional Assembly of Catholics (Katholikentag) opened in Leipzig, in a town, where very few Christians live….

Could it be, that only a few Muslims live in the east? We better stop to call the upcoming confrontation a religious one.

Philosophy of life – Weltanschauung

How we smiled about Paracelsus. What they believed in the Middle-ages! Falsified for a long time…

For more than a thousand years Aristotle was the ultimate philosopher. Then came Kopernikus and Kepler and cleared our view of the world. Now, the sun was in the middle of our planetary system and no longer the earth. Often they defended their new views in danger of life – see Galileo Galilei or Giordano Bruno. Then came the 17th century, often we call it the century of Newton. Faster and faster we gained new evidence. Otto von Guericke proved the emptiness of the vacuum. But is there really nothing? What about infrared radiation?

Then came empiricism. What you get is what you see. Binoculars, microscope and electronic devices extended our perceptions. But what about things we don’t see (yet)? And with perceptions beyond our sense organs? Good bye empiricism.

Light: it is vibration. It’s proved. Light is working with high speed particles. That’s proven. Both in same time is impossible. Though you prove what you believe….

Will the 20eth century be called the century of Einstein?

Just act like the constructors of atomic bombs or mobile phones. Just don’t worry about theories. Use it!

But nobody believes in me when I say, that the earth is a hollow sphere…..

Weltanschauung

Wie haben wir gelȁchelt über Paracelsus. Woran die im Mittelalter glaubten!! Lȁngst widerlegt….

Jahrhundertelang galt Aristoteles als das Nonplusultra der Welterkenntnis. Dann kamen Kopernikus und Kepler und rȁumten mit dem geozentrischen Weltbild auf. Wir sind überzeugt von der Richtigkeit und Stimmigkeit des heliozentrischen. Unsere vergangenen Forscher haben es – oft unter Lebensgefahr (siehe etwa Galilei oder Giordano Bruno) behauptet.

Dann kam das 17. Jahrhundert, oft das Jahrhundert Newtons genannt. Auch in den folgenden Zeiten reihten sich die Erkenntnisse in immer schnellerer Folge aneinander. Otto von Guericke forschte über das Vakuum (absolute Leere) und bewies es mit Hilfe zweier leergepumpten Halbkugeln, die dann auch von Pferdegespannen nicht auseinandergerissen werden konnten. Doch im Folgenden fand man vielerlei im Vacuum…

Der Empirismus: vorhanden ist nur, was wahrgenommen werden kann. Fernglas, Mikroskop und Elektronenmikroskop erweiterten unser Wahrnehmungsfeld. Aber was ist mit Dingen, die damit (noch) nicht gesehen werden können? Und mit Erscheinungen jenseits unserer Sinnesorgane? Ade Empirie.

Das Licht: es ist Schwingung, das ist bewiesen. Es sind Partikel, das ist bewiesen. Kann es beides sein? Niemals. Also kann bewiesen werden, was man glaubt…..

Wird man das 20. Jahrhundert das Jahrhundert Einsteins nennen?

Mach es wie die Atombomben- und Handybauer, und vor allem die “User”: kümmer dich einen Dreck um Theorie! Es funktioniert ja….

Und mir wiederum glaubt kein Schwein, dass die Erde eine Hohlkugel ist…..