Mythologie des Alltags: Möbelnamen

Heute warn wir bei einem nordischen Möbelhaus und haben eine BücherWAND gekauft! Wie immer bei der Gelegenheit dachte ich – und ich sah es ja vor mir – man müsste auch der Wohnungsausstattung Namen geben. Diesmal sei es versucht: Bett = Malm, Nachttisch = Flört, Matratzen = Ingolf und Bobbin, Laken = Behaga, Kopfkissen = Dickhals,  Decke = Hemmes, Nachthemd = Verhyll, Wecker = Nervnet, Nachttopf = Leck, Spiegel = Akne, Stiefelknecht = Sör, Aschenbecher = Hyst, Waschbecken = Godmorgen, Klo = Arşvoll, Kreativecke = Flygel, Portemonnaie = Skuld, Rollator = Krippel, etc….

Mythologie des Alltags: der Sekretȁr

Ein Möbelstück, das seinen Namen von einem Beruf, einem Menschen hat. Gibt es so etwas noch? Mir fiele nur der Stiefelknecht ein, aber der ist ja obsolet. Der Sekretȁr ist ein verschwiegener Adlatus, dem man die Briefe zu diktieren pflegte, dem man idealerweise alle seine Geheimnisse anvertrauen konnte, der einem stets zu Diensten war.

Ich hatte früher auch einen Sekretȁr. Er war mit Edelholz furniert, hatte unten drei grosse Schubladen, ganz oben noch eine, dazwischen konnte man ihn ausklappen, um so eine Schreibunterlage zu erhalten, er zeigte dann acht weitere kleine Schubladen, drei links, drei rechts, zwei in der Mitte, davon die eine von doppelter Dicke. Letztere konnte man ganz herausnehmen und gelangte dann zu einem Geheimfach, nahm man da das viergeteilte Kastl auch heraus, erschlossen sich links und rechts zwei weitere verborgene Schubfȁcher. Man versteckte das Geheimfach, indem man die Lade an ihren Platz zurückschob, klappte die Schreibflȁche hoch und verschloss das Ganze mit dem altmodischen Schlüssel, der stets etwas klemmte. Dann waren alle Geheimnisse gut aufgehoben, zum Beispiel winzige Wȁscheklammern in allen Farben, die damals begeistert gesammelt und in kleiner Auswahl am Kragen getragen wurden. Man gab mit deren Farbe bestimmte kodierte Zeichen, etwa, ob man Gina Lollobrigida oder Sofia Loren bevorzugte…. Oben auf dem Möbelstück thronte eine Kupferbüste, die Dante darstellte, sie war von grüngrauer Patina überzogen und schmeckte bitter.

Den Namen hat der Sekretȁr von “le secret” = das Geheimnis. Wir sondern ja auch Sekrete ab, das heisst Flüssigkeiten, von denen man nicht spricht.

“So ergreifet ohne Sȁumnis

Heilig, öffentlich Geheimnis.

Freuet Euch des wahren Scheins,

Euch des ernsten Spieles!

Kein Lebendiges ist ein Eins,

Immer ists ein Vieles!

Wenn wir dieses Gedicht von Friedrich Schiller auf der Bühne oder vor der Klasse rezitierten, verstanden wir immer “freuet euch des Warenscheins”. Aber das ist eine andere Geschichte.