Dreigliederung hurra!

Der Kapitalismus endet oft im Faschismus. Aber mit dem Sozialismus hat es bisher auch net so richtig geklappt. Lasst uns was Neues versuchen! (Anarchie ist machbar, Herr Nachbar!). Wie waer’s mit Dreigliederung? Die Dreigliederung des sozialen Organismus geht auf Rudolf Steiner zurück. Dreigliederung? Wir können eben nicht alles (wie der Friseur) über einen Kamm scheren. Wer wird “demokratisch” darüber abstimmen, ob ein Bild schön ist? Und auch wer hungert, tut dies, auch wenn er die Mehrheit der Stimmen haette. Es gibt genug Bereiche, wo alle Menschen gleich sind! Also: Freiheit für die Kultur! Solidaritaet für die Bedürfnisse der anderen! Und demokratische Gleichheit für die Entscheidungen der Allgemeinheit (wo heute ja oft die Grosskotzigen alleine über unsre Köpfe hinweg entscheiden) (Th.Kutzli, quer zum Mainstream)

Capitalism often ends in Fascism. But Socialism didn’t work out either. Let’s try something new: Threfoldness of the social organism! Rudolf Steiner elaborated on it as the first. We cannot decide everything the same way, can we?. Who would vote by secret ballot if a painting is beautiful or not? And the hungry one needs food without any decision from the crowd. There are plenty of matters to decide democratically, for example about the place of a street lamp, or the building of a barrage, nuclear plants or wind power, and so on….(are you or the few big ones deciding that nowadays?)

Hotel Naipaula

In Zimmer 13xx gibt Annie Proulx einmal im Jahr ihre Beschreibungsseminare., wenn sie für ihren Jahresurlaub aus dem Wilden Westen hierherkommt. Natürlich gehört der Beschreiber zu ihren treuesten Verehrern. Heute möchte er ne graue Landschaft farbig beschrieben haben. Annie legt los:

“Inzwischen hing über jedem schwarzen Gebäude eine rotumrandete Wolke, und von manchen Gebäuden stiegen Dämpfe von einer Farbe je nach Tageszeit auf. Der Dampf aus dem Kraftwerk dick und schön wie lila Wolken, die schillernden Abwassertümpel azur- und kobaltblau, magenta, der Aushub der Bulldozer in grossen, halbmondförmigen Erdhaufen, in denen die Jet-Passagiere, wenn sie durchs Bullauge blickten, sich überlappende Fruchtstücke auf einer topographischen Apfeltorte sehen könnten….”

Und wie würden sie den Norden beschreiben? fragte der Beschreiber angespannt.

“Am nächsten Tag kamen sie über den Fluss. Scheisstief, sagte er. Das schmierige, khakibrauen Wasser nagte sich eine Viertelmeile tief in den braunen Fels hinein, riss Hänge und Klippen herunter, spülte Höhlen aus, lange Horizonte von Kalkstein und Fossilienbetten…. Und die grosse, schwerfällige Brücke selbst, ein schnurgerader Streifen über ihren roten Bögen auf den Betonfüssen, das eintönige Geländer mehr Idee als Sicherung….”

Wo kommt denn da Norden vor? fragte der Beschreiber frech. Erinnert mich eher an Bob Dylan.

Moment, Moment, so Annie, bin ja auch noch net fertig. Ausserdem sang der doch aber “Girl from the North Country”?

“Dann war der Tag wieder um, an einem Rastplatz über einem schwefeligen Teich, einem schaumigen Oval mit Alkaliwasser zwischen Bierdosen, Babysitzen, wattiertem Plastik, Steinen. Ringsum Hügel, die siebenunddreissig Grad steilen Hänge marineblau gegen den fahlen Himmel, der Horizont eim wenig aus der Ruhe gebracht….”

Wieso siebenunddreissig Grad? Naja, um den Horizont au s der Ruhe zu bringen?

“…Die Scheinwerfer waren an, alle Türen offen, das Radio röhrte laut, sie stieg aus, hockte sich auf den Boden, die Füsse auseinander, und blickte auf die weissen Kotflügel des Wagens. In der heraufziehenden Dunkelheit war der Wagen heimelig wie der Lichtschein aus einem Fenster in einem Dorf im hohen Norden…”

Meisterlich, dachte der Beschreiber. Und auf den Punkt gebracht.

Geographisches: Monsanto

Einleitung (phänomenologisch)

Ich assoziiere es mit “Berg”, obwohl man ja auch “mon” = mein, etwa Mon Chérie oder Monbijou hören könnte. Monsanto wäre dann “der heilige Berg”.

Angenommen, ich läge richtig: Berg heisst Übersicht, Freiheit (freie Sicht, aufatmen), Individualität, Streben, Hartnäckigkeit, Endura…. In den alten Zeiten wurden die Städte immer in der Höhe angelegt (“und du, Bethlehem, auf Berges Höhn, bist von Juda die mind’ste nicht…”), da in den Niederungen die Sümpfe hausten, wo die Mücken das Fieber übertrugen…..

Im Nationalkonvent nach der Französischen Revolution nannte man die Jakobiner, die Radikalen, die “Bergpartei” (“La Montagne”). Die Plätze der eher bürgerlichen Abgeortneten wurden dagegen “Le Marais” (der Sumpf(!)) genannt. Nicht nur bei Robbespierre waren die Berge auch immer der Schrecken der Schrecken. Noch im 20. Jh. schrieb Ramuz einen Roman mit dem Titel “Das grosse Grauen in den Bergen”. Man mied die Berge, sie galten als geheimnisumwittert, böse. Eine ambivalente Sache also…..

Denkt Ihr jetzt auch an den “Alten vom Berge” (Sheik al Djebel)? So wurde im Nahen Osten immer der Anführer der Assassinen genannt. Er hauste stets auf Burgen (Al Ullaika in Mittelsyrien, Misyaf am Orontes, Alamut in den persischen Bergen südlich des Kaspischen Meeres etwa). Die Assassinen arbeiteten im Verborgenen, man weiss wenig von ihnen, angeblich verfügten sie über ein ausgefeiltes Nachrichtensystem und einige ihrer Anführer über telepathische Kräfte. Ihre Gegner brachten sie um, nicht ohne ihnen, zum Zeichen, dass sie überall Zutritt und Zugriff hatten, in der Nacht vorher ein noch warmes Brötchen nebens Lager gelegt zu haben. Solltest Du also eines Morgens beim Erwachen eine Semmel auf dem Nachttisch vorfinden, besorge Deine Geschäfte und schliesse mit dem Leben ab!

Diese Schilderungen beruhen allerdings oft auf den Überlieferungen ihrer Gegner. Würde man christliche Orden, etwa die Templer, von ihren Widersachern beschreiben lassen, würde sich vermutlich ein ganz ähnliches Bild ergeben. Assassinen und Templer waren vermutlich ähnlicher, als sie es zugeben konnten. (Aber beide Geheimbünde nannten ihre Versammlungsorte “Die Gesellschaft”, beide trugen sie weiss wie die Sufi und die Unschuldslämmer).

Überleitung (idealistisch)

Nun und obwohl der Konflikt zwische Sunniten und Schiiten im Nahen Osten gerade einmal wieder virulent ist (eben heute kam die Nachricht, dass die syrische Luftwaffe Ziele der sunnitischen Isis im Irak angegriffen und der schiitische irakische Premier Al Maliki das ausdrücklich gebilligt hat), möchte ich den Schrecken vom Berge, vielleicht für Euch überraschend, auf Monsanto (“heiliger Berg”?) beziehen: Monsanto nennt sich (vielleicht absichtlich, vielleicht unbewusst) ein US-Multi, der zur Zeit hauptsächlich wegen seines Bestrebens, genetisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel weltweiten Markt zu bringen, in den Schlagzeilen ist. Zu diesem Behufe kauft Monsanto überall Saatgut auf, in dem Bestreben, bald nur noch sein eigenes verfügbar zu machen. (Früher war Monsanto Hersteller verschiedener Gifte, unter anderem wurde meines Wissens das über Vietnam abgeworfene Agent Orange, das bis heute unter den Nachkommen der damaligen Betroffenen zu Missgeburten und Erbkrankheiten führt, von Monsanto hergestellt. Ob Monsanto auch Tränengas und Pfefferspray exportiert, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Aber ist es nicht seltsam, dass der Strahl aus den obrigkeitlichen Wasserwerfern oft orange schimmert?

Katastrophe

Fakt ist, dass die Firma nur zu gerne ihre Kontrolle über der Welt Lebensmittel erweitern würde. Schon jetzt werden allgemein genutzte Marken wie Nescafé, Lipton, Bärenmarke, Milka, naja, fast alles, was wir kennen und nutzen, von ihr mit genetisch veränderten Stoffen versorgt, auch einige Wassermarken sind dabei (genetisch verändertes Wasser?) Seufz. Wir werden sie wohl, wenn überhaupt, nur stoppen können, wenn wir alle diese Leckereien net mehr benutzen. Und mein Ketchup??

Während männiglich also den Schrecken anderswo sucht, kommt er still und leise vom “Heiligen Berg” daher… Heilix Blechle. Womöglich laufen schon genetisch veränderte Leute irgendwo herum? Und das auch noch leicht bekleidet (hab mir grad Battlestar Galactica reingezogen)??

The treasure box of little lies and truths

Gewgelija – nachdenklich höre ich diesen Namen in den Nachrichten. Der Grenzort in Mazedonien wird zur Zeit von Flüchtlingen – auf der Todesroute von Thessaloniki nach Budapest – stark frequentiert, besonders am Bahnhof massieren sich die, die auf einen Zug nach Norden hoffen.

Wie anders erlebte ich – vor Urzeiten – den Ort! Jugoslawien existierte noch (Syrien auch), und ich war auf dem Weg in die just entgegengesetzte Richtung, aber ganz ähnlich den heutigen Flüchtlingen per zufälligem Auto oder zu Fuss. Frage: warum kann ich mit meinem Ausweis überallhin reisen, die Flüchtlinge aber nicht, nur weil auf deren Karte “Syrien” anstatt “Ukraine” steht? Ein Tanklaster brachte mich damals nach Saloniki, ich war so müde, dass ich prompt einschlief und mich mitten in der Nacht im Hafen dort wiederfand… Per Blutspende erwarb ich am nächsten Tag das Geld zur Weiterreise nach Athen. Ich brauchte keine Schleuser, gab also wesentlich weniger aus……

Geographisches

Geographie XXVII: Uganda

Das Land liegt im tiefen Innern Afrikas. Ehemalige Schuhputzer wie Idi Amin haben dort die Chance, Ministerprӓsident zu werden. Auch für christliche Fundamentalisten ist der (Abendmahls-) Tisch gedeckt. Kinder sind in Uganda meist unsichtbar. Sie müssten sonst Soldaten werden. In Kampala hat VW (ganz anders als in Urumtschi) noch keine neue Fabrik eröffnet. Ugander fahren halt net so oft Auto. Es sind verbiesterte Fussgӓnger….

Authors

Samuel Beckett

One of Ireland’s many writers, with the elder James Joyce forming a pair of literary giants. The two were friends and seeing each other for years in Paris. Joyce even organised a private room for Beckett in the hospital after the latter was stabbed and nearly died.

They form a stunning polarity in writing: while Joyce was always adding and adding and trying to create the universal work Beckett subtracted, minimalised, wanted to have the universe in one word.

My friend Michael took me to see Becketts “Endgame” in Darmstadt. It was one of the strongest impacts in my whole life. The idealist of surfaces in me was devastated in one sole act. Who ever saw “Waiting for Godot” knows what I mean. Later we performed “Krapp’s last Tape” and “Happy Days” ourselves. For ever Beckett’s novels, essays and poems remained of first importance to me.

Beckett wrote or in French or in English and often translated himself. In pre-war time he traveled Germany and wrote about the Hitler-regime. His diary of those days is detailed and revealing.

Once I tried to find Beckett’s grave at the graveyard of Montparnasse in Paris. (“I want a simple tombstone, the colour doesn’t matter as long as it’s grey”, he said). I couldn’t find it. But I found the ones of Sartre, Simone de Beauvoir and Marie Laurencin.

 just found a quote of Paul Auster. It seems (for me) fitting to Beckett and Joyce: “Das ‚private eye’ als private I. Da war das ‚I’ als Grossbuchstabe, der winzige Lebenskeim, im Leib des atmenden Ich verborgen. Zugleich war es auch das physische Auge des Schriftstellers, das Auge des Mannes, der aus sich selbst hinaussieht in die Welt und fordert, dass sich ihm die Welt enthülle.“ (Interesting: Joyce’s eye (in an outer sense) very weak, but he describes the world!

Autorinnen

Maxie Wander

„Guten Morgen, Du Schöne“, auch so eine Dokumentation von Gesprȁchen, von Lebensberichten, wie Erika Runges „Bottroper Protokolle“, die mich vorher tief beeindruckt hatten. Maxie lohnt sich auch zu lesen! Die 1933 in Wien geborene Autorin lebte mit Mann und Kindern (von denen eines bereits 1968 starb) in Kleinmachnow bei Berlin. Ausser mit vielen anderen war sie auch mit Christa Wolf befreundet. Ich erinnere hauptsȁchlich deren Briefwechsel… 1976 wurde bei ihr Krebs diagnostiziert, bereits ein Jahr spȁter würde sie daran sterben. „Leben wȁr‘ ne prima Alternative“: hier sind die Briefwechsel, Berichte und Dokumente dazu gesammelt. Berührend die tiefe Aufrichtigkeit und Anteilnahme auch an anderen Schicksalen Wanders.

Geographisches

Geographie XXII: Nevada

Der Name des Landes kommt aus dem Spanischen: “Sierra Nevada” heisst “schneebedeckte Berge”. Es besteht jedoch zum grössten Teil aus Wüste und wüstenӓhnlichen Landschaften (“semiarid”) und gehört grösstenteils der US-Regierung. Schoschonen gibt es nur noch vereinzelt. Jetzt muss man noch der Klapperschlangen und Coyoten Herr werden. Stattdessen sitzt man in Vegas vor dem einarmigen Banditen oder steuert eine Drohne mit zwei Sekunden Zeitverzögerung über Afghanistan. Warum net Drohnen gegen Schlangen einsetzen? Wir durften fast nirgends filmen. Drohnen sind streng geheim, ausser, wenn sie schiessen. Aber auch dann kann man wenig weitererzӓhlen. Unter Bush gab es etwa 600 Drohnen in den USA, jetzt sind es zehnmal so viel. Das ist der Lauf der Welt, würde Obama sagen. Wir hören es nicht mehr, denn unsere Sendezeit ist um.

Hotel Naipaula

Kannitverstan

Der Beschreiber wünscht sich heute früh, er könne die Sprache der Wellen verstehen. Ihn beschleicht das Gefühl, sie wollten ihm was erzӓhlen: Vielleicht von dem japanischen Fischkutter, den sie bis vor Kanada abgetrieben haben (Jaja, auch das Meer treibt ab)? Oder von all den Barschen vor den hiesigen Inseln? Von all den fliegenden Fischen, die ihnen nur für kurze Zeit entkommen? Von der Nacht, die so gelassen ans Land stieg? Von Atlantis und wo es versunken ist? Von den Strömungen und den toten Meeren? Vom weissen Wal? Von der Stimmung, in der sie waren, als sie die Küste küssten? Der Beschreiber weiss es nicht. Er hört nur “sch…sch…sch”…