Medea (Greek: Μήδεια, Mēdeia, Georgian: მედეა)

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Unknown woman? She should be known to us! Much poets, philosophers and historicians are depicting her (Ovidius, Herodotus, Seneca, Pindar, Hesiod, Euripides, Apollonius Rhodius, Gaius Valerius Flaccus, Jean Anouilh, Hans Henny Jahnn, Geoffrey Chaucer, Christa Wolf….and others). And yet nobody today knows much about this heroine. Here is her story:

Was this princess a witch? A granddaughter of sun-god Helios? A niece of Circe? A priestress of Hekate? An innocent young girl? A cold blooded murderer? A loving companion and helper of heroes? A good mother? Maybe all of this.

When Jason and the Argonauts came to Kolchis on their talking ship Argo to retrieve the Golden Fleece, Jason and Medea fell deeply in love. She agreed to help him, but only under condition that he would take her home with him and marry her. While he was half asleep she sang to him:

“I put a spell on you because you’re mine…”

(Thanks to Screaming Jay Hawkins for the English version, thanks to Marilyn Manson, Bette Midler, Annie Lennox and Nina Simone for performing it too).

Medea and Jason fled – pursued by king Aietes of Kolchis – across the Black Sea (then dominated by Apollon) and up the river Danube – then called “Ister” – until they came to its source in Istria, went even underground and reappeared near Trieste in the “Fonte del Timavo”.

After many more adventures they came home to Corinthos, she moved even to Thebes and Athens and at the end of her life to the Persian Lands, where she gave name to the “Medes”.

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Jane Bowles

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Sie wurde 1917 als Jane Sydney Auer in New York geboren. Wir können also annehmen, dass sie den Hudson kannte, selbst wenn sie in einem von dem Strom entfernten Stadtteil aufgewachsen wäre. Als Kind schon kränklich, nahm die Mutter sie mit in die Schweiz. Zurück in New York tat sie sich in der Künstlerszene von Greenwich Village um.
1938 heiratete sie den Reiseschriftsteller und Komponisten Paul Bowles. Bald begann sie, Romane und Theaterstücke zu veröffentlichen. 1948 folgte sie ihrem Mann, der wohl ein Jahr zuvor nach Tanger gezogen war. Die Ehe der beiden war sehr modern: beide hatten sie immerzu Beziehungen, auch zu gleichgeschlechtlichen Partnern. Sie hatte in Tanger eine längere, komplizierte Beziehung mit einer marokkanischen Frau namens Cherifa. Auch mit der berühmten Blues-Sängerin Libby Holman hatte sie eine Affäre. Wir erkennen sie in dem Film “Der Himmel über der Wüste” (The Sheltering Sky, nach einem Roman von Paul Bowles) von Bernardo Bertolucci als unabhängige und Sagenhaftes erlebende Frau (von Debra Winger gespielt, John Malkovich ist ihr Gefährte) wieder.
Jane, die wohl Alkoholikerin war, wurde früh Opfer eines oder mehrerer Schlaganfälle, erkrankte immer mehr, wurde ein Pflegefall und als solcher schliesslich von Paul in einem Heim im spanischen Malaga untergebracht, wo sie 1973 starb.
Als Schriftstellerin geriet sie ebenso wie als Mensch in Vergessenheit, obwohl seinerzeit Truman Capote oder auch Tennessee Williams ihre Werke sehr gelobt hatten…

Nella Larsen

Wenn wir einen Terrier haben, freuen wir uns an des Nachbarn Windhund. Wenn wir Tulpen lieben, schauen wir Nachbars Rosen an und denken begeistert: wie vielfältig ist doch die Natur! Doch wenn wir einen Menschen (leicht) anderer Hautfarbe sehen, rümpfen wir die Nase. Uhh, ein Neger! denkt es in uns. Unsere Tier- und Pflanzenliebe kennt keinen Rassismus. Immer wieder aber staunt man, wie weit verbreitet selbiger unter Menschen noch ist….. Dabei: gibt es überhaupt Schwarze, Weisse, Gelbe, Rote? Gibt es Österreicher, Deutsche, Franzosen? Podolski und Klose sprechen fliessend Polnisch, Schimanski zwar nicht, aber sein Name sagt uns was, Zidane, Nouma und Vieira sind ebenso Franzosen, wie Salman Rushdie Engländer ist.
Die Hautfarben sind im Grunde wie der Schnee, wo wir nur DENKEN, er sei weiss….
Das ist schon seit langem so (woher kommt der Name Sarrazin in Europa?) aber die Vermischung nimmt rasant zu, das Denken folgt langsam nach (wie ein schwerfälliger Kutter auf dem Hudson)
Beispiel: meine eigene Familie (die mich nicht Entdecker werden liess): Meine vier Grosseltern wohnten noch im selben Viertel der selben Stadt, meine Eltern wollten sich von Jugend auf heiraten. Und nun: ich heiratete eine Türkin, deren Bruder mit einer Russin aus Kasachstan verheiratet ist, in Dublin arbeitet und nun einen Sohn hat, der Ire ist. Meine Schwester war mit einem Mann aus Guinea Bissau verheiratet (wir sind ja tolerant, aber muss er SO schwarz sein?), meine Tochter hat einen Italiener geheiratet und ist mittlerweile auch Italienerin, mein einer Sohn hat ne Freundin aus Kroatien, mein anderer ne Frau aus Bosnien… Naja, undsoweiter. Bestimmt sieht es bei Euch ähnlich aus?

Am eigenen Leib, an eigener Seele hat das Nella Larsen erfahren. Geboren am 13. April 1891 in Chicago, gestorben (wo? ich lerne nur, dass ihre Familie bei ihrem Tod leugnete, sie jemals gekannt zu haben – man beachte das Todesjahr, es ist nicht 1347 oder so) am 30. März 1964. Ihr Vater ist ein Schwarzer von der westindischen Insel St.Croix, ihre Mutter Dänin. (Ich sehe grade, dass Saint Croix früher zu dänisch Westindien gehörte *smile*). Nella lebt abwechselnd in den USA und in Dänemark, studiert sowohl in Kopenhagen als auch in den Staaten an einer Universität für Schwarze, beginnt zu schreiben, vor allem mit dem Thema der Rassentrennung beschäftigt. Berühmt wird sie durch ihren Roman “Passing”, dessen Motiv später Philip Roth in “The Human Stain” wieder aufgreifen wird. Passing ist die Geschichte zweier Frauen, die als ‘Mischlinge’ gelten müssen, obwohl beide gerade hellhäutig genug sind, um nicht als Schwarze aufzufallen (engl. Passing, “als Weisse durchgehen”). Während die eine ihre ‘weisse’ Identität vollkommen verinnerlicht und auch einen wohlhabenden ‘Weissen’ heiratet, dem sie ihre Abstammung verheimlicht, zieht die andere nach Harlem, gestaltet ihre Identität als Schwarze, heiratet einen schwarzen Arzt und nimmt enthusiastisch an der Bürgerrechtsbewegung teil. Der zweite Teil des Romans behandelt das Wiedersehen der beiden Jugendfreundinnen, und die Bewunderung, die jede der beiden dem Lebensstil der jeweils anderen zollt. Dennoch endet der Roman tragisch: Clare, die als ‘Weiße’ lebt, wird gegenüber ihrem Mann ‘enttarnt’, und begeht dem Anschein nach Selbstmord.

Virginie Despentes, Vernon Subutex

Vernon, der in Paris jahrzehntelang einen Plattenladen geführt hat, muss diesen wegen der Zeitenlȁufte aufgeben, obwohl er Pop-Musik-Fachmann ist, findet mit 48 Jahren keinen weiteren Job mehr, verkauft Hab und Gut über E-Bay, wird dann obdachlos, schlȁgt sich eine Zeit bei Bekannten und Freundinnen als Gast durch und landet schliesslich auf der Strasse. Alex Bleach, der schwarze Sȁnger, der ihn bisher über Wasser gehalten hatte, bringt durch seinen Selbstmord die Dinge ins Rollen, begleitet uns als nachtodliches Schemen auch weiter durch den Roman. Wir sind es ja – etwa von Dostojewski her – gewohnt, dass unsere Helden leiden. Meist aber rappeln sie sich am Ende doch wieder auf, und sei es auch nur im Glauben an das Fatum. Nicht aber Vernon. Je lȁnger es dauert, desto apathischer wird er.

Der Reihe nach stellt uns Despentes die verschiedensten Bekannten Vernons vor, mal erzȁhlt dieser selbst, mal denken die vor sich hin und beschreiben ihre Lage. Despentes Sprache ist dabei erbarmungslos scharf und offen und sie führt uns durch ein Panoptikum von (Ex)Punks, Schwulen, Pornostars, Transvestiten, “Arabern”, Internetfreaks, Schickimickies, Clochards und Schlȁgern, entwirft dabei ein schonungsloses Bild der gegenwȁrtigen französischen (Stadt)Gesellschaft.

“Une blonde en doudoune, un cabas rose fuchsia coincé sous le bras, lit le dernier Stephen King, en se tenant à la barre. Une brune à lunettes mâche son chewing-gum, elle a laissé ouvert les boutons du haut de sa chemise noire à pois blancs, elle porte des perles nacrées aux oreilles. Elle a une allure de délurée giscardienne. Un adolescent black, teddy rouge, crâne rasé, lunettes à épaisse monture noire, tape un texto sur son portable, quelque chose semble le contrarier. Un quadragénaire, sac au dos et écouteurs fluo jaunes, est assis les jambes écartées, il n’a pas l’air de connaître la ville.” (zu faul zum Übersetzen)

In Aufbau und Dialektik ist Despentes ein Meisterwerk gelungen: Etwa, dass des promisken Vernon einzige und grosse Liebe ausgerechnet der Tranvestit Marcia ist, das Pornostar Pamela Kant ein Kinderbuch über Sex verfassen will, dass das Gedenken an verstorbene Hunde die unterschiedlichsten Leute vertraulich werden lȁsst, dass sie (die Autorin) in einem einzigen Satz über die Wohnungsausstattung der fülligen Emilie deren Verwandlung vom Punk zur Bürgerbiene zu schildern vermag – oder das gegen Ende die prollige Streetgang ausgerechnet einen Schlȁger ins Koma kickt….

Alle zur Zeit gesellschaftlich relevanten (“auf den Nȁgeln brennenden”) Themen werden ins Bild gebracht, auch etwa die Meinung der “Leute” zum Islam in Frankreich.

“Xavier a envie de décocher un formidable coup de pied dans le cul de la grosse Arabe voilée qui se pavane devant lui. Est-ce qu’on pourrait, par pitié, faire deux cents mètres dans la rue sans avoir à supporter leur voile, leur main de Fatima au rétroviseur ou l’agressivité de leurs rejetons ?… Sale race, m’étonne pas qu’on leur en veuille ! Lui, il est là à faire les courses au lieu de bosser parce que sa femme ne veut pas qu’on la prenne pour une bonniche, et pendant ce temps ces sales feignasses de crouilles traînent dehors, peinards, à rien foutre, entre chômeurs grassement entretenus par les allocations, ils passent la journée au café pendant que leurs meufs triment. Non contentes de s’occuper de tout dans la maison sans jamais se plaindre, et d’aller bosser pour les entretenir, elles ressentent encore le besoin de porter le voile pour afficher leur soumission. C’est de la guerre psychologique, ça : c’est fait pour que le mâle français sente comme il est dévalué.”

(“Xavier juckt es, der dicken, verschleierten, vor ihm stolzierenden Araberin einen gewaltigen Arschtritt zu verpassen. Kann man vielleicht zweihundert Meter gehen, ohne einen Schleier oder Fatimas Hand im Gesicht zu haben? Dreckige Rasse, kein Wunder, dass sie verfolgt werden! Er geht einkaufen anstatt zu arbeiten, weil seine Frau nicht möchte, dass man sie mit einer Art Dienstmagd verwechselt…wȁhrend diese miesen Typen von Moslems ihre Tage im Café verbringen derweil ihre Ischen malochen. Nicht zufrieden damit, den ganzen Haushalt zu machen ohne je zu klagen und dann arbeiten zu gehen um die Familie zu erhalten, setzen sie auch noch das Kopftuch auf, um ihre Unterwerfung öffentlich zu zeigen. Das ist psychologischer Krieg! Das ist, um dem Franzmann zu zeigen, wie wenig Wert er hat…” – Übersetzung von mir)

Der Name Subutex: Subutex ist anscheinend ein Schmerzmittel. Nun, wir brauchen beim Lesen was gegen Schmerzen. Wieviel mehr braucht Vernon das?

Mir kam aber auch der Gedanke, dass “Subutex” Subtext bedeuten könnte? Wenn man so will ist das gesamte Buch Intertextualitȁt, denn mehr als um Vernon geht es um die angerissenen gesellschaftlichen Spannungsfelder, welche zum Teil nachgerade unlösbar scheinen und einige Gruppen von Leuten mit nichts als Hass zurücklassen…

In unserer Gruppe lasen wir davor “Rückkehr nach Reims” von Didier Eribon. Welch gute Wahl haben wir unbewusst getroffen! Eribon und Despentes behandeln nahezu das gleiche Thema, aber wie unterschiedlich! Eribon stellt sich selbst ganz in den Vordergrund, Despentes aber nimmt sich völlig zurück, beschreibt die unterschiedlichsten Menschen und Ansichten mit gleicher Empathie. Zudem ist ihre Sprache (ich las das Buch auf Französisch) weit echter, weit mehr von dem tȁglichen Argot durchzogen als das des typischen -mȁnnlichen – französischen Intellektuellen Eribon. “Rückkehr nach Reims” ist auch gut zu lesen, aber eigentlich doch ein Essay über die befindlichkeiten eines schwulen Professors. Foucault hȁtte es vielleicht besser gekonnt.

Despentes stellt uns Fortsetzungen von “Vernon Subutex” in Aussicht. Ich bin gespannt.

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Virginie Despentes, Vernon Subutex

Vernon, who for a long time run a sort of music-shop in Paris, is compelled to give it up – though he’s a real expert, but the times are a’ changing and everybody has laptops, tablets or smartphones, and nobody needs discs, cassettes or walkmen anymore. Even Vernon himself does his job as DJ with Youtube. But with nearly fifty years he can’t find a job anymore, first he sells everything he owns on E-Bay, then he roams on for a time as a guest of his kiddos and ex-girlfriends until he finally ends on the street. Alex Bleach, black pop singer who did help him financially, accelerates things by his suicide. As a shadow he will follow us further on. Well, we are used to see our heroes suffering (read my lips Feodor Dostojewski!), but mostly in the end they recover again. But not Vernon. The longer it takes, the more he gets turbid.

One after the other Despentes presents us Vernons friends and other people, sometimes Vernon tells, sometimes these are reflecting, telling us their point of views and their situation too. The author leads us through a panopticum of characters: Despentes language is without mercy, she shows us former punks, gays, porno-stars transvestites, “Arabs”, freaks of the internet, dandies, trendy people, bummers. In doing so she designs an unsparing image of the French society

“Une blonde en doudoune, un cabas rose fuchsia coincé sous le bras, lit le dernier Stephen King, en se tenant à la barre. Une brune à lunettes mâche son chewing-gum, elle a laissé ouvert les boutons du haut de sa chemise noire à pois blancs, elle porte des perles nacrées aux oreilles. Elle a une allure de délurée giscardienne. Un adolescent black, teddy rouge, crâne rasé, lunettes à épaisse monture noire, tape un texto sur son portable, quelque chose semble le contrarier. Un quadragénaire, sac au dos et écouteurs fluo jaunes, est assis les jambes écartées, il n’a pas l’air de connaître la ville.” (too lazy to translate).

In it’s composition and dialectics “Vernon Subutex is quite a little masterpiece: take the fact, that the only real and deep love of the very promiscuous Vernon is just the tranny Marcia, take that porno-star Pamela Kant wants to write a sex-book for kids, the fact that people from very different edges of our society suddenly unite in the pain of their dead dogs. Read how Despentes characterizes the furnishings of former punk and now petite-bourgeoise Emilie in one sentence – or towards the end the book how a tacky street gang kicks a hoodlum into coma…

All the social themes which are of burning importance are developed, even the sighs of right-sided chaps on Islam in France:

“Xavier a envie de décocher un formidable coup de pied dans le cul de la grosse Arabe voilée qui se pavane devant lui. Est-ce qu’on pourrait, par pitié, faire deux cents mètres dans la rue sans avoir à supporter leur voile, leur main de Fatima au rétroviseur ou l’agressivité de leurs rejetons ?… Sale race, m’étonne pas qu’on leur en veuille ! Lui, il est là à faire les courses au lieu de bosser parce que sa femme ne veut pas qu’on la prenne pour une bonniche, et pendant ce temps ces sales feignasses de crouilles traînent dehors, peinards, à rien foutre, entre chômeurs grassement entretenus par les allocations, ils passent la journée au café pendant que leurs meufs triment. Non contentes de s’occuper de tout dans la maison sans jamais se plaindre, et d’aller bosser pour les entretenir, elles ressentent encore le besoin de porter le voile pour afficher leur soumission. C’est de la guerre psychologique, ça : c’est fait pour que le mâle français sente comme il est dévalué.”

(“Xavier was tempted to give a kick up the arse to the fat and veiled Arab woman walking in front of him. Is it possible to walk in the streets, only for 200 meters, without having a veil or Fatima’s hand in sight? Dirty race! No wonder they are dogged by bad luck! He is doing couses because his wife don’t wants to be taken as a maid, … meanwhile this filty types sit in the cafés doing nothing. Their wifes though work hard to nourish the family, then they do the houshold without complaining, but additionally they feel the need to wear headscarf as a sign of submission. This is psychologic war! This serves to show French men their devaluation!” – translation by me)

Now the name “Subutex”: It seems that Subutex is a painkiller. Good for us. Even better for Vernon.

But I had the followin thought too: does “Subutex” mean subtext? The whole book is in fact full of subliminal meanings: We hear Vernons story but we get the state of the French society, wher some groups are left behind with nothing but hate.

The book we read in our group before “Vernon Subutex” was “The Return to Reims” by Didier Eribon. Without being aware of we made a good choice – Eribon and Despentes are treating the same themes, but in quite different ways! Eribon is writing about himself as a gay kid and adult, Despentes remains invisible and describes without any judgement and rather empathic. The more her language is far nearer the people she describes, showing the dayly slang they use. Eribon is the typical – male –  French professor. His book is more an essay than a novel, is nice to read, but maybe Foucault could do it better?

Despentes plans a following volume of “Vernon Subutex”. I’m curious about.

 

 

 

Gertrude Stein

Man kennt einen Satz von ihr, aber kennt man die Frau?
Wohl kaum ein Satz ist in der Welt so bekannt, wie der von Gertrude Stein: “eine rose ist eine rose ist eine rose”. Gertrude entwickelte einen ganz neuen Stil, einen neuen Satzbau, eine neue Sprache. Diese, auch von James Joyce und anderen angestrebte neue Rede- und Schreibweise, hat sich bis heute, hundert Jahre später, noch nicht ganz durchgesetzt, weshalb wir zumeist die “Autobiographie der Alice B. Toklas”, die sie selbst verfasste und ironisch in verständlichem Stile schrieb, lesen. Ich zitiere den letzten Absatz des Buches: “Ungefähr vor sechs Wochen sagte Gertrude Stein zu mir, dass es nicht aussähe, als würde ich jemals diese Autobiographie schreiben. Weisst du, was ich tun werde? Ich werde sie für dich schreiben…. und sie tat es und hier ist sie.” Gertrude Stein kann hier ganz zwanglos in der dritten Person Singular von sich selbst sprechen. Das weitet die Selbsterkenntnis, und für uns macht es die Lektüre schmunzelig. Wenn irgendwer am Paris des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts interessiert ist, muss er dieses Buch lesen. Gertrude und ihre Lebensgefährtin Alice hielten in der Rue de Fleurus am linken Seineufer einen Salon, in dem alles, was damals Namen hatte, aus- und einging. Des Morgens ging Gertrude oft den ganzen langen Weg bis zu Picassos Atelier auf dem Montmartre zu Fuss. Das ist günstig, sagte sie, so kann ich täglich zwei Sätze schaffen, einen auf dem Hin-, dem anderen auf dem Rückweg…. Picasso schuf ein Porträt von ihr und sie sass ihm. Es sieht mir aber nicht ähnlich? sagte Gertrude Stein. Picasso war gerade in der kubistischen Phase. Keine Angst, erwiderte der Maler, mit der Zeit werden Sie ihm schon ähnlicher! Sie mochte auch Matisse. “Er gibt immer Stoff, zu tratschen!” sagte sie. Sie mochte Satie, Marie Laurencin und Guillaume Apollinaire. Gegen Ende mochte sie sogar Hemingway.
Gertrude Stein wurde am 3. Februar 1874 in Allegheny als jüngstes von fünf Kindern in eine wohlhabende und „hochachtbare bürgerliche Familie“, wie sie schrieb, hineingeboren. Die Großeltern väterlicherseits, Michael und Hannah Stein, waren aus Deutschland emigrierte Juden, die 1841 Weickersgrüben bei Gräfendorf in Bayern verlassen hatten, mit dem Ziel, in Amerika politische Freiheit und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, die ihnen in der Heimat versagt waren. Gertrudes Vater, Daniel Stein, heiratete 1864 die ebenfalls deutsch-jüdische Amelia Keyser. Nach Aufenthalten in Wien und Passy bei Paris wuchs Gertrude in Kalifornien auf. Als 1891, drei Jahre nach dem Tod der Mutter im Jahr 1888, auch der Vater Daniel Stein starb, wurde der älteste Sohn Michael Vormund für die jüngeren Geschwister.
Bald nach ihren –abgebrochenen – Studiengängen verlegte Gertrude Stein ihren Lebensmittelpunkt nach Paris, nachdem sie und ihr Bruder Leo vorher in London mit der Bloomsbury-Gruppe um Virginia Woolf und John Maynard Keynes zusammengetroffen waren. So ging es nun über die Seine und nicht den Hudson. Sie und ihre Gattin Alice vermochten es, obwohl jüdisch, den ganzen Weltkrieg über in Frankreich zu bleiben. Wie kam das? Weil sie Verwundete pflegten? Oder weil sie den Nazis gegenüber Zugeständnisse machten (diese Vermutung ist durch nichts belegt). Oder aus noch anderen Gründen? Aus Zufall? Wir wissen es nicht. Nach Gertrudes Tod versuchte Alice weiter, deren Bücher zu editieren……

 

Daniela Hodel Und es gibt ein wunderbares Buch, einen Roman über ihren vietnamesischen Koch. Monique Truong das Buch vom Salz.

Sarah Banne

Wurde wohl am 12.Januar 1870 auf der Kanalinsel Jersey geboren. Über ihre Jugend ist nichts bekannt. Sie heiratete den italienischen Hünen und Schausteller Giovanni Belzoni. Dieser muss wirklich ein Giovanni in allen Gassen gewesen sein; als Sohn eines Barbiers in Padua geboren sollte er ursprünglich Priester werden, wich aber – auch das Soldatensein vor Augen (und was wäre Napoleon mit seiner Hilfe erst geworden) – auf die Jahrmärkte aus, und damit begann auch sein Reisen, das ihn durch ganz Europa und bis nach England führte. Wenn es die Umstände erlaubten, studierte er die neue Wissenschaft der Hydraulik, seine Kenntnisse darin sollten ihm noch von Nutzen sein. Als “Hau den Lukas” auf mancher Kirmes wurde er – auf Malta – von einem Angebot überrascht, der Altertümer wegen nach Aegypten zu reisen und dort als Ausgräber tätig zu werden. Sarah, die die Sehnsucht nach Reisen mit ihrem Mann gemeinsam hatte, begleitete ihn dorthin.
In Ägypten wurde Belzoni schnell als Ausgräber, als Grabräuber, berühmt; zu der Zeit bemühten sich die Engländer, möglichst viele Objekte nach London, die Franzosen, in scharfer Konkurrenz dazu, selbige in den Louvre nach Paris zu bringen. Belzoni schaffte es, einen monumentalen Granitkopf des Ramses zu verschiffen: wir können ihn noch heute im British Museum sehen. Seine Frau liess Belzoni aber oft alleine. Sie, die als erste Frau so weit nach Oberägypten gelangt war, nahm Kontakt zu Frauen in den Dörfern auf, katalogisierte Eidechsen und reiste sogar als Mameluk verkleidet nach Jerusalem, wo sie den Tempelberg und die Al-Aksa-Moschee betrat.
Später, zurück in England, veranstaltete das Paar Ausstellungen mit den erworbenen Altertümern.
Bald aber brach Belzoni wieder auf, diesmal nach Westafrika, wo er aber an Ruhr erkrankte und starb, ohne dass wir seine Grabstätte kennten. Sarah, die in England zurückgeblieben war, überlebte ihren Mann um 47 Jahre und starb bitterarm.
Charles Dickens, ein Freund des Ehepaars, beschrieb Sarah Belzoni als schöne, grazile junge Frau. Tanja Kinkel machte Belzoni zum Mittelpunkt ihres 2008 veröffentlichten Romans “Säulen der Ewigkeit”.

Jeanne Mandello

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Jeanne Mandello

Frankfurt/Main 1907 – 2001 Barcelona

Noch nicht neunzehnjährig, ging Jeanne Mandello 1926 nach Berlin, um an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins die zweijährige Ausbildung zur Fotografin zu absolvieren. Sie schloss die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer mit »sehr gut« ab. Während eines Praktikums bei dem Leica-Pionier, Dr. Paul Wolff, macht sie erste Erfahrungen im Fotojournalismus. Sie eröffnet 1929 ein eigenes Atelier in Frankfurt, erhielt Portraitaufträge, machte Aufnahmen für die Presse und lernte den an Fotografie interessierten, jungen Arno Grünebaum an, lernte ihn zugleich auch lieben. Nachdem sie geheiratet hatten und ihnen die Übergriffe der Nationalsozialisten auf jüdische Einrichtungen zu gefährlich wurden, flüchteten sie im Januar 1934 nach Paris. Hier erlebte Mandello eine kaum erträumte Karriere als Modefotografin im Auftrag der Modehäuser Balanciaga, Mainbocher, Maggy Rouff, Chanel, um nur einige zu nennen. Ihre Fotographie verȁnderte und entwickelte sich unter dem Einfluss der Werke von Man Ray, Brassai und Doisneau.
Der Überfall der Nationalsozialisten auf Frankreich brach ihre Karriere von einem Tag zum anderen ab. Sie wurde wie alle deutschen Frauen nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris 1940 vorübergehend im Lager Gurs interniert; anschließend gelang es ihr zusammen mit ihrem Mann von Spanien aus in die Emigration nach Uruguay zu fliehen. Noch einmal fanden sie die Kraft zu einem Neuanfang: mit geliehener Rolleiflex, waren sie schon bald wieder mit Künstler-Portraits und Aufnahmen für Tourismus-Publikationen erfolgreich. 1953 trennte sich Jeanne Mandello von Arno Grünebaum. Jeanne überließ Arno die gemeinsame Fotoausrüstung und das Recht den Markennamen „Mandello“ zu benutzen. Er kehrte nach Paris zurück und war unter dem Namen Arno Mandello weiter als Fotograf tätig. 1968 gründete er mit der britischen Malerin und Bildhauerin Helen Ashbee eine Künstlerkolonie in Süditalien. Jeanne Mandello zog in Brasilien mit dem Journalisten Lothar Bauer, den sie schon aus Frankfurt kannte, zusammen. Am 23. März 1955 heirateten sie in New York. Ab 1957 lebte das Ehepaar in Hamburg und Frankfurt, wo Bauer als Reporter für die Frankfurter Zeitung beschäftigt war, bis sie 1959 endgültig nach Barcelona zogen.
Über dem Leben Jeanne Mandellos liegt das Schicksal von Flucht und Emigration, zudem der nahezu vollständigen Vernichtung ihres Werkes.