Mythologie das Alltags: Istrien

Istrien, neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Auf dem Grund eines riesigen Karstkraters eine Höhle, begehbar, kilometerlang. An den Hängen des Kraters die typische Kalk-Vegetation: Königskerzen, Fingerhut, Gras, Staub, flimmernde Hitze. Im Dunkel drehen wir die Köpfe nach oben, dort hängen tausende von Fledermäusen im Tagtraum. Es muss beeindruckend sein, wenn die in der Dämmerung alle davonfliegen!
In Motovun ein Kurbad. Es ist stark verfallen, so wie ganz Jugoslawien (aber gibt das irgendjemand ein Recht, abgesplitterte Teilstaaten anzuerkennen?). Die Minigolfbahn ist sogar ganz grün zugewachsen. Im Innern Rentnertrupps aus sozialistischen Ländern. Uns fallen die vielen Goldzähne auf. Umkleidekabinen gibt es nicht. Man stellt sich einen Stuhl an den Rand des Beckens und legt seine Kleider sorgfältig da drauf. ”Bitte nicht ins Becken springen!”. ”Bitte nicht lärmen!”, wird man ermahnt. Das Wasser ist brühwarm.
Die Zeitung heisst ”Glas Istre”. Ich erzähle von Joyce in Pula. Auf Brioni betreten wir die wunderschöne Holzjacht Marschall Titos.
Heute gehört Istrien ja zur EU.