Mythologie des Alltags: Werbung

reclam

Wer früher einen Ford Mustang kaufte, kaufte nicht nur ein Fortbewegungsmittel, ein funktionelles Auto, er erwarb quasi ein Lebensgefühl. Er kaufte Schwung, Stärke, Männlichkeit (wieviele Frauen kauften Mustang?), Eleganz, und, je nach Lackierung, noch weitere Eigenschaften, die er vielleicht selbst nicht hatte, aber durch seinen Wagen substituieren wollte. Ein Deodorant versprach so nicht nur eine Duftnote, sondern Erotik, Frische, Optimismus, etc. Wollte eine Tankstelle auf sich aufmerksam machen, wählte sie ganz bestimmt keine Schnecke als Markenzeichen. Erinnert ihr Euch an “Pack’ den Tiger in den Tank”?
Für die Werbefuzzies kam dabei erschwerend hinzu, dass bei der Reklame Produkt A sich auch noch von Produkt B und C abheben musste…..
Warum das alles? Werbung dient eben bekanntermassen nicht nur der Charakterisierung eines Produktes, sondern vor allem dazu, MEHR davon zu verkaufen. Nur zu logisch also, dass Leute, die Nachhaltigkeit im Sinn haben, auf sie verzichten möchten. Diese Langweiler und Spielverderber! Wollen die vielleicht Zustände wie in der DDR? (Horribile dictu: auch da gab es Werbung)

Gegen-Werbung

Man könnte also einfach auf Werbung verzichten (und nur soviel produzieren, wie benötigt wird).
Nun gibt es aber ein Feld, wo quasi Gegen-Werbung gemacht wird: die Tabakwaren. Nicht nur, dass jede Werbung dafür verboten ist, wenn wir Zigaretten kaufen, sehen wir auf der Packung Bilder von Tod und Verderben. Wir kaufen Lungenkrebs, Speiseröhrendeformation, Leberschaden und Impotenz. Das Ziel? Na klar: es soll WENIGER geraucht werden.
(Anmerkung: Warum gerade Tabakwaren? Kleben wir etwa auf die Cola-Flasche das eklige Bild eines Magengeschwürs, auf unser Auto das des körperzerfetzenden Verkehrstodes, oder, schlimmer noch, da es nicht nur uns selbst betrifft, einer durch den Klimawandel verwüstete Erde, auf den Eistee die Fotografie eines Zuckerkranken mit amputierten Gliedmassen? Denkt Euch weitere Beispiele aus).
Der Staat entscheidet sich also, steuernd in den Konsum einzugreifen. Und während wir in grausen Vorstellungen eines “Sozialismus” verharren, beginnt er, wie schon Foucault es vorhersah, unsern Körper UND unsern Geist zu kontrollieren. (Nicht ohne natürlich auf die anfallenden Steuereinnahmen zu schielen).

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Mythologie des Alltags: Schnulze

Wie das Wort schon tönt! Wie ein dunkles Schnalzen.

Wir alle kennen und hassen Schnulzen und Schnulzensȁnger, gell? Von Rudi Schuricke über Freddy Quinn, Roger Whittaker, Heintje, Roberto Blanco, Sasha Distel, Rocco Granada, Manuela (“Schuld ist nur der Bossa Nova”), Taylor Swift, Justin Bieber… bis zu Helene Fischer. Oh je! Kennen wir etwa mehr Schnulzen als gute Lieder? Da sei Bob Dylan vor! Und tragen wir nicht grade durch ihre Erwȁhnung zu ihrer Verbreitung bei? Jaja, wir lieben, was wir hassen (im Bierzelt). Wir sollten sie lieber totschweigen (Vorsatz für den nȁchsten Text).

“Ein Haus in den Rockies, das wünsch ich mir sehr/ weil ich dann endlich allein mit ihr wȁr/ ich würd’ sie verführen, ganz heimlich bei Nacht,/ wie in den Rockies der Cowboy das macht…” (Hoffe sehr, es hȁngt da irgendwo ein Pferdehalfter an der Wand?)

Daily mythology: Roses

gül

Of course the rose is the flower of all flowers. Roses do stand for the qualities of the heart as well as those of sexual organs: condition of life (just imagine, your heart would stop to beat only for one minute of the 86 years of your life!), unique ability of life to reproduce itself. Lilies as polarity to roses stand more for birth and death (but that would be another story). Many wise gardeners pushed the breed of roses since the time of old Iranian empire, many types were created by them and if you study the names of roses you study history, tradition and mythology: Ömer Chaiyam, Penelope, Cassandra, Aicha, Venus’ thigh, Josephine de Beauharnais, Grand Hotel, Henri Matisse, Helmut Kohl, Chevy Chase, New Dawn… Did you know, that Suriye means “land of roses”? And that Bulgaria does even nowadays the biggest export of rose-oil (with it you should (!) care your skin). That Virgin Mary is called “rose of the world”? That American writer Gertrude Stein – though she wrote many good sentences – remains famous by her saying: “a rose is a rose, is a rose”? That one of the greatest bestsellers in the nineties of last century was the book “The Name of the Rose” by Umberto Eco? And that it is enough to write “rose” several times to prove her connection with love? Look: ROSEROSEROSEROSEROSEROSEROSEROSEROSEROSEROSEROS

Mythologie des Alltags: Salopp

Manchmal reden wir salopp daher, und das, ohne an dieses Wort auch nur zu denken, geschweige denn über seine Herkunft Bescheid zu wissen. “Salopp” kommt nicht etwa von Salon, die Endung “one” an ein Substantiv angehȁngt bezeichnet allgemein eine Vergrösserung des ursprünglichen Begriffes. (Salone, Zampone, Melone, Giotto di Bondone, Al Capone). “Salopp” aber stammt – von salope, saloprise = unreine Frau, Unreinheit. Saloperie! Lass uns nicht salopp, sondern vernünftig reden…

Daily mythology: Bye bye!

Bye bye!

“I say yes – you say no – I say stop – you say go! go! go!”

Now I need your help! What do you say for “Good bye” in your country? I know that “bye bye” is always extendig its range of application. Everybody understands “bye bye”, even we say it here in Turkey, so “güle güle” (go smiling) is not out of use at all. I remember them in Austria, in Vienna, saying “baa baa”. Are there other countries with “bye bye”?

https://www.youtube.com/watch?v=PxQuH910xc4

I am Goodbye.

No, it’s not Paul Verlaine, it’s Bonnie Prince Billy!

Daily mythology (readme)

Today starts the fourth chapter of daily mythology. In here -as before – I try to shed a new light on daily words and things. As well etymology – how did these words sound 600 or 2000 years ago? What was their origin? – as semantic, as our rather die-hard blinkers, the traditional habits of our thoughts to be shaken, should appear. Here we go.

Oft ist hier die Überschrift “Mythologie des Alltags” zu lesen. In dieser Serie möchte ich ein Licht auf unsere alltȁglichen Worte und Dinge, ihre Etymologie, ihre Semantik sowie auf die zumeist eingefahrenen Traditionen unseres Denkens werfen. Zusȁtzlich sollen auch wenig bekannte Leute vorgestellt werden…

Mythologie des Alltags: Videokameras

Die Videokameras, die nun mehr und mehr unsere öffentlichen Räume überwachen werden, sind leider noch dumm. Das heißt, sie können zwar abbilden, ob sich da was bewegt, aber die einzelnen Menschen nicht identifizieren. Das soll sich ändern. Mittels biometrischer Vermessung von GESICHTERN, deren jedes ja anders ist, soll eine Überwachungsanlage einen jeden von uns “erkennen” können. Auch ein Bart hülfe da nichts. Als Fernziel schwebt den Wissenschaftlern vor, auch Leute an ihren Bewegungsmustern von Überwachungsanlagen identifizieren zu lassen. Da nützte dann wohl nicht einmal mehr, sich zu verschleiern.