Carl Schurz

Der Name tönt sehr deutsch. Naja, kein Wunder, wurde er doch im Rheinland geboren. Aber viele zogen im 19. Jahrhundert ins gelobte Land jenseits des Atlantik, um da ihr Glück zu machen (“etwas besseres als den Tod findest du überall”). Nimm etwa die Lehmann-Brüder aus Franken, die als Lehmann-Brothers eine für über 100 Jahre sehr erfolgreiche Investment-Bank aufmachten……

Schurz gehörte zu den 48ern (“Fourty-Eighters”), die genau wie die sogenannten 30er nach den misslungenen Revolutionen in den deutschen Fürstentümern hingerichtet oder eingekerkert wurden, oder aber emigrierten (“ubi libertas, ibi patria”).

Im 19. Jahrhundert war vieles genau umgekehrt wie heute. So standen etwa die deutschen Burschenschaften für eine liberale, demokratische, ja sozialistische Gesinnung und waren die führende Opposition (meist der Studenten und jungen Leute) gegen die absolutistisch verrottete deutsche und oesterreichische Aristokratie. So befreite ein Student Carl Schurz seinen Professor aus dem Gefängnis Berlin-Spandau (würden Sie heute ihren Professor befreien?).

So stand auch die Republikanische Partei, zu deren Mitbegründern Schurz gehörte (Er war massgeblich an der Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten beteiligt) für Sklavenbefreiung und später gegen die imperialistischen Kriege der Demokraten, etwa Theodore Roosevelts.

Wie eine Reihe anderer Fourty-Eighters (Franz Sigel, Friedrich Hecker) diente auch Schurz während des Sezessionskrieges in der Armee als höherer Offizier. Seine Division galt jedoch als chaotisch und leicht zu schlagen, genau wie die Armeen seines Vorgesetzten, des Generals Sigel (auch da haben deutsche Armeen sich inzwischen geändert….). Da diese Divison aber fast ausschliesslich deutsche Soldaten enthielten, welche schliesslich und endlich, so sie überlebten, auch zu Wahlen gingen, erhielten die Offiziere trotzdem immer neue Kommandos. Hört ma das Denglisch dieser Tage:


Yah, daus is true, I shpeaks mit you. I’m going to fight mit Sigel.

Ven I comes from der Deutsche Countree, I vorks somedimes at baking,
Und den I runs a beer-saloon, und den I tries shoe-making.
But now I march mit musket out to safe dot Yankee Eagle,
Dey dress me up in soldier’s clothes to go and fight mit Sigel.

CHORUS

Yah, daus is true, I shpeaks mit you. I’m going to fight mit Sigel.

 

Später, als Innenminister und dann als Graue Eminenz der US-Regierung, als erster Deutscher im Senat, war Schurz weit erfolgreicher denn als militärischer Kommandeur.

In Deutschland sang man inzwischen – in finsteren Zeiten der Restauration):

“Wenn die Leute fragen,

Lebt der Hecker noch?

Könnt ihr ihnen sagen:

Ja, er lebet noch.

Refrain:

Er hängt an keinem Baume,

Er hängt an keinem Strick.

Er hängt nur an dem Traume

Der deutschen Republik.”

Von seinen Büchern gibt es auf Deutsch die Lebenserinnerungen. 3 Bände. Georg Reimer, Berlin 1906, 1907 und 1912

Schurz starb am 14.Mai 1906 und ist auf dem Friedhof von Sleepy Hollow, am linken Hudson-Ufer im Staate New York, beerdigt. Mark Twain hielt seine Grabrede. Von Schurz stammt das Wort: „Our country, right or wrong. When right, to be kept right; when wrong, to be put right.“ Wir hören oft nur den ersten Teil des Satzes……

 

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Lord Byron

Sometimes he dreamt of America – but he was the typical  black romantic Englishman (with his tendency and belief into sexuality, melancholy, ghosts, longing…). All his life he was hobbling because of a stunting foot. In Greece he’s a hero up to nowadays. On the other side he had to leave England because of his love-affairs (similar to the Swiss student Johann Jacob Meyer, who went to be a Greek hero too. The prophet has no honor in his own country). Some – partly incestuous – affairs as well as his travels to France and Italy or his stay at the Swiss Villa Diodati near the Lake of Geneva are often better known than his poems… In that Swiss villa he took part in the birth of the “Frankenstein”-myth, the vampire-hype going on up to now (especially in the USA: Dance of the Vampires, Rosemarie’s Baby, Buffy, True Blood etc.)

During the famous year 1816 (the “year without summer”) the friends often couldn’t leave the house and so they decided to tell horror-stories to each other. Mary Shelley wrote the famous novel “Frankenstein”, John Polidori began his novel “The Vampire”. Mary’s step sister Claire – Byron’s secret lover – was there too. They took lots of Laudanum.

After that Byron went to Italy (Venice, Rome, Pisa, Livorno – was he there when Percy Bhysse Shelley drowned?) and finally he took part in the campaign to Greece, where he was even asked to take the command of all Greek troops. In Missolunghi he died of fever…

(im berühmten “Jahr ohne Sommer” 1816 konnte die versammelte Kumpanei wegen des schlechten Wetters oft das Haus nicht verlassen, so vereinbarten sie, sich Schauergeschichten zu erzӓhlen. Mary Shelley verfasste den Roman “Frankenstein”, John Polidori begann seinen Roman “Der Vampyr”. Mit von der Partie war auch noch Byrons heimliche Geliebte Claire – Marys Halbschwester. Waren Shelley und Keats auch dabei? Es wurde exzessiv Laudanum genommen). Aufenthalte in Italien (Venedig, Rom, Pisa, Livorno(?)) schlossen sich an, schliesslich der Feldzug im Epirus, wo Lord Byron der Oberbefehl über die griechischen Truppen angetragen wurde. Im Missolunghi starb der Exzentriker schliesslich 1824 an einem Fieber…..

 

Niemand würde sich Lord Byron als Amerikaner vorstellen können – und das, obwohl er manchmal von Amerika trӓumte. Niemand verkörpert so wie er alle Seiten der schwarzen Romantik (Sexualitӓt, Melancholie, Gespensterglaube, Fernweh, Sehnsucht….). Zeitlebens humpelte er aufgrund eines verkrüppelten Fusses. In Griechenland aber wird er noch heute als Heros und entscheidender Helfer im Befreiungskampf gesehen, obwohl er vermutlich nur seiner verschiedenen Affӓren wegen von England Urlaub nahm (ganz ӓhnlich dem abgebrochenen schweizer Medizinstudenten Johann Jacob Meyer, der ebenfalls zum Heroen des griechischen Befreiungskampfes wurde. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land). Im Zusammenhang mit Byron werden denn auch stets seine zum Teil inzestuösen Affӓren, seine Reisen, nach Frankreich, in die schweizer Villa Diodati am Genfer See erwӓhnt, wo er zu Frankensteins Geburt und dem bis heute besonders in den USA anhaltenden Hype um Vampire (Tanz der Vampire, Rosemaries Baby, Buffy, True Blood etc.) Pate stand (im berühmten “Jahr ohne Sommer” 1816 konnte die versammelte Kumpanei wegen des schlechten Wetters oft das Haus nicht verlassen, so vereinbarten sie, sich Schauergeschichten zu erzӓhlen. Mary Shelley verfasste den Roman “Frankenstein”, John Polidori begann seinen Roman “Der Vampyr”. Mit von der Partie war auch noch Byrons heimliche Geliebte Claire – Marys Halbschwester. Waren Shelley und Keats auch dabei? Es wurde exzessiv Laudanum genommen). Aufenthalte in Italien (Venedig, Rom, Pisa, Livorno(?)) schlossen sich an, schliesslich der Feldzug im Epirus, wo Lord Byron der Oberbefehl über die griechischen Truppen angetragen wurde. Im Missolunghi starb der Exzentriker schliesslich 1824 an einem Fieber…..

 

Viktor Jerofejew

ist 1947 geboren, gehört also zu den zeitgenössischen Autoren. Achtung: er ist kein Putin- dafür aber ein Maidanversteher! Lanet olsun, manchmal tut Politik nichts zur Güte der Schreibe.
Die Moskauer Schönheit ist eine Frau aus Mittelasien, die in der Stadt dem Beruf der Hure nachgeht. Jerofejew bezirzt uns mit einem fast surrealistisch anmutenden Wortschwall…

Siri Hustvedt

Ich bin allerdings auch sehr stark der Meinung, (dass) “wir ohne Geschichten nicht leben könnten”.

“zum Beispiel, wie wir das Erzählen über den Rhythmus lernen, und was unsere Portion an Prä-Narrativem, die wir mit auf die Welt bekommen, vielleicht mit der Abhängigkeit des Fötus von der Mutter zu tun haben könnte. Die Plazenta, gerne verbrannt oder verbuddelt nach der Geburt (oder zu Hautcrème verarbeitet) , sei in diesem Zusammenhang schwer ‘untererforscht’”. Wir denken jetzt an Hustvedts Tochter, die eine Sȁngerin wurde.

“In der Kunst, zitiert sie Henry James (neben Charles Dickens einer ihrer Säulenheiligen), komme es auf die Stärke der Empfindung an, die über den Wahrheitsgehalt entscheide”. Ich hoffe, in der Politik ist es umgekehrt?

(Die Zitate sind aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung zu Hustvedts Poetikvorlesungen in Tübingen

vom 15.11.2016, naja, der dortige Redakteur hat sie bereits aus dem Englischen übersetzt…)

Christoper Hitchens

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir der Name bis vor kurzem völlig unbekannt war. Eine australische Freundin – sie ist hier als Journalistin tӓtig – stellte dann einen liebevollen Nachruf ins Net (er starb vor kurzem an Speiseröhrenkrebs). Zu “Weihnachten” (schreibe das in Anführungszeichen, weil “Hitch”, wie sein Nick lautete, zeitlebens gegen religiöse Brӓuche war), erhielt ich nun von meinem Schwager Engin und meiner Schwibschwӓgerin Yulia eines seiner Bücher, eine Essaysammlung mit dem Titel “Love, Poverty and War” (da ein altes Sprichwort sagt, dass jemand, der Liebe, Armut und Krieg nicht erfahren hat, auf ein unvollkommenes Leben schauen muss). Wie kann ein Schreiber, der Hitchens ja war, den Krieg erfahren haben? Nun, er spricht vom Krieg gegen die “stupidity” der Religion. (Ausserdem war er an vielen Fronten zugange und berichtete darüber).
Kennt Ihr ihn? Und? Was haltet Ihr von seinen Büchern? (Denn persönlich werden wir ihn nie mehr kennenlernen).
Ich erzӓhle ein wenig: In dem Buch ist zu meiner Freude je ein Essay über Borges, Joyce und Dylan. Hitchens war bekannt als Bewunderer von Orwell, Jefferson und Paine, als Kritiker von speziell Mutter Teresa, aber auch Kissinger, der Clintons und schliesslich auch der britischen Royals.
Gleich der erste Essay in dem Buch behandelt Churchill, lebendes Denkmal (naja, 1965 gestorben), Bewunderer seiner selbst, Staatsmann, gnadenloser Imperialist.
Hitchens zitiert seine berühmten Reden (“Blut, Schweiss und Trӓnen”,”… durch Europa wird sich ein eiserner Vorhang ziehen”), rüttelt aber krӓftig an dem Denkmal des “grössten Briten”, insofern er ihm Nӓhe zu Hitler und Stalin und komplette und andauernde militӓrische Fehleinschӓtzungen von Gallipoli über Antwerpen, Dünkirchen, Norwegen, Kreta, Pearl Harbour nachweist – über den japanischen Angriff wusste er, so Hitchens, vermutlich Bescheid – und nennt ihn total kontraproduktiv, da das Britische Empire, das er retten wollte, letztlich durch ihn verlorenging. Ein tröstlicher Gedanke auch für unsere Gegenwart: Nicht immer wird erreicht, was angestrebt…….
Hitchens schrieb und redete über vier Jahrzehnte, immer polemisch, treffend und unbarmherzig. Manche Talkshow geriet durch ihn zum Skandal.
Hatte er als Trotzkist begonnen, geriet er – anscheinend – in die Nӓhe der Neokonservativen, sprach sich für den Irak-Krieg aus, war tief getroffen von Chomeinis Machtergreifung im Iran und vor allem durch die Fatwa gegen Salman Rushdie (Hier traf ihn, wie er sagt, vor allem die mehr als laue Reaktion der europӓischen und amerikanischen Linken).
Zeit seines Lebens war er ein Verfechter der Aufklӓrung, nannte sich selbst einen Antitheisten, griff besonders den Islamofaschismus (laut Wikipedia ein Neologismus, hehe) scharf an. Nach Hitchens ist der Glaube an ein höheres Wesen eine Art der Ergebung unter einen gewollten Totalitarismus, beendet jede individuelle Freiheit und steht jeglicher Wissenschaft polar gegenüber. Hat was.
Hitchens starb am 15.12.2011 in Houston, Texas

Olympe de Gouges

Born only a year before Johann Wolfgang von Goethe, but what a different life!. Born in Montauban she was being part of the French Revolution with joy. She wrote a manifesto about women’s rights and fought assiduous for a better life. See? If women do such a thing they’ll either be shot, thrown in a channel or beheaded, hanged, perforated by an iron bar while riding the tramway or disheartened they hang themselves at a door beam…Olympe was beheaded, like later on Sophie Scholl in Munich. Why didn’t they become queens? They cozily could’ve bred Corgies and would have been loved by the Germans…

 Gut ein Jahr älter als Goethe, aber was für ein anderer Lebenslauf! Aus Montauban geboren machte sie freudig die Revolution mit, schrieb ein Manifest über Frauenrechte und kämpfte unverdrossen für eine bessere Welt. Jaja, wenn Frauen das tun, werden sie entweder in Landwehrkanäle geschmissen, guillotiniert, erhängt, in der Tram von Eisenstangen durchbohrt, oder sie hängen sich gleich selbst am Türpfosten auf, weil man ihnen alles nahm…. So erging es Olympe wie später Sophie Scholl in München, sie wurde enthauptet…. Wären sie doch Königinnen geworden, sie hätten in Ruhe Corgis züchten können und die Deutschen hätten sie geliebt!

 

Julius Caesar

Der Mörder der römischen Republik hat – Ironie der Geschichte – hauptsȁchlich als Autor des „De Bello Gallico“ überlebt. Generationen von Schülern und Studenten mühen sich mit dieser Schrift, ihre Lateinkenntnisse nachzuweisen. Im Übrigen wird uns – leider – in der Schule ein falsches Bild dieses Heerführers und Tyrannen vermittelt. Unwillkürlich neigen wir noch heute zu der Ansicht, das römische Kaiserreich, dessen Begründer Caesar war, hȁtte irgendetwas Positives an sich gehabt. Und Brutus? Ein feiger Mörder, dessen Name ebenso wie Caesars, Programm wurde. „Ein feiger Brutus“, „ein gütiger Kaiser“ sagen wir. Die römische Republik –Versprechen einer besseren Zukunft für alle Plebejer – war vom ȁlteren Brutus begründet worden. Kein Wunder, dass der jüngere Brutus den Usurpatoren Julius Caesar, der der Republik den Untergang bereitete, aus dem Weg haben wollte, und sei es mit drastischen Mitteln. Es scheint das Los aller Revolutionen, alsbald von der Reaktion eingeholt zu werden. Was war Napoleon für die Französische? Die Preussen für die Deutsche? Und alles Zukunftsweisende an Kuba wird nun nach 50 Jahren von den geduldig wartenden USA geschluckt.