Mythologie des Alltags: Kızıstan (aus: Geographisches)

In diesem Land ist fast alles umgekehrt wie bei uns, nur die Flüsse fliessen auch ins Meer, aber sonst…..
Manche Leute stecken mit dem Kopf in der Erde und strecken die Glieder gen Himmel, manche Bäume laufen auf ihren Blättern herum und strecken die Wurzeln gen Himmel.
Die meisten Frauen arbeiten, viele sind hoch auf der Karriereleiter angesiedelt, zu Hause kocht der Ehemann Erbsensuppe, bügelt, wäscht, putzt und zieht die Kinder gross. Im Allgemeinen wird der Ehemann als persönlicher Besitz betrachtet und eher wie ein Möbelstück behandelt. Abends und nachts trauen sich die meisten Männer aus Furcht, belästigt oder misshandelt zu werden, nicht mehr auf die Strasse.
Es ist üblich, dass die Frau vor der Hochzeit ihren Auserwählten durch ein Schlüsselloch nackt sieht, hauptsächlich geht es darum, festzustellen, ob auch keine Erektionsschwierigkeiten da sind. Ob genug Haare auf der Brust wachsen, konnte schon vorher in der Badeanstalt gecheckt werden.
Bei der Hochzeitsfeier wird dann niemals “Polonaise Blankenese” getanzt. Will jemand wem anderen an die Titten, so macht er’s, ohne davon zu singen.
Die Daddelautomaten zeigen keine Pin-Up-Girls in Neonlichtfarben, auch würde niemand auf die Idee kommen, Stecker und Steckdose mit dem Geschlechtsakt zu assoziieren.
Tauben und Mäuse sind sehr gefährlich, Löwen und Leoparden dagegen sanft wie Lämmer.
Gelesen wird nicht. Man wirft sich die Bücher an den Kopf und wird dadurch mit derer Konsistenz vertraut gemacht.
Die Regierung kümmert sich um die Sorgen und Nöte des Volkes. Kein Minister würde sich bestechen lassen….
In der Kirche wird Gott mit seinen Aufgaben der nächsten Woche vertraut gemacht. Der aber hört es nicht, denn er ist in Frankreich und mümmelt Gänseleber.

Mythologie des Alltags: Aimée Mann & Gretchen Seichrist

Wer würde denken, dass es Schwestern sind? Ich fand es nur mit Mühe heraus. Im Wikipedia steht über Aimée Mann nur: sie hat eine Schwester. Gretchen ist die Schwibschwӓgerin von Sean Penn, mit desen Bruder Michael Aimée verheiratet ist. Doch viele Fragen bleiben offen:
– Wer ist die jüngere von beiden?
– Gibt es noch mehr Geschwister?
– Wie war und ist das Verhӓlnis der Schwestern untereinander?
– Treten die beiden auch mal zusammen auf?
– Stimmt es, dass die beiden weitlӓufige Nachkommen der verschwundenen Virginia Dare sind?
– Wer von beiden wohnt nӓher am Hudson?
und was der Fragen noch mehr sind…

Klar ist nur, dass beide Sӓngerinnen sind (Gretchens Band heisst “Patches and Gretchen”), und dass sie sehr verschieden sind. Ich würde (nur nach youtube-Ohren- und Augenschein) Gretchen bevorzugen. Ihre Fans gaben ihr den Titel “the new Dylanette” nach ihrem grossen Vorbild, sie selbst singt mit tiefer Stimme wie ein Verschnitt von Incredible String Band, Patty Smith, Chrissie Hynde und Lou Reed, sie ist als geborene Malerin (“ich SEHE meine Lieder”) sehr farbenfreudig, trӓgt in rascher Folge die phantastischsten Kostüme, hӓlt viel von Performance und Bühnenshow, sprudelt nur so von Ideen (“schade, dass nur so wenige Songs auf eine CD passen”). (aus einer Konzertbesprechung: . “The petite, spritely Seichrist is an ethereal, singular presence with an edge of danger about her, like a forest nymph hiding rows of sharp teeth behind a beguiling smile. Her madcap lyrics, wonderfully odd phrasing, and powerful voice…..”) Aber was ist ihr Musikstil? Indie-Rock? Folk? Hippie? Punk? Eben Patches and Gretchen.

Aimée dagegen: unterkühlt, androgyn (Name! und immer in Jackett mit Krawatte), trotz guten Gitarrenspiels die typische Studiomusikerin, korrekt, melancholisch, auch wunderschön anzuhören…… Ihre Titel, etwa “Save me” (aus dem “Magnolia”-Soundtrack) oder “You do” sind wohl in aller Ohren und Munde?

Die beiden Schwestern müssen inzwischen über 50 sein? Naja, wie alt ist Bob Dylan?

Daily mythology: Happy Nation

Once upon a time there were nations (now we have the USA). Every nation had a flag. The flag was a holy thing. You had to salute it and you had to sing the national anthem, with a face, as if god stood in front of you.
Now we have football/soccer-clubs. They have flags. If you see them, you salute. You sing “Wo die Weser ei-nen gro-ssen Bo-gen macht” or “Pascal, bizi diskoya götür”, with a face, as if Messi or Aziz Yıldırım stood in front of you. You don’t have to be English to be a Liverpool-Fan. Famous football-clubs are the new nations. You can be Canari everywhere. Lately I saw a video about fishermen on a remote island of Indonesia. They lived like in the stone age, they had no teeth and no birth-control, but one of them wore a Barcelona-T-shirt.

Mythologie des Alltags: Rȁtsel über Rȁtsel

Müde kam Frédéric Chopin eines Nachmittags aus dem Café nach Hause. Heute, chérie, schreib ich mal was ganz Neues! und als er damit fertig war, spielte er es seiner Liebsten gleich auf dem Klavier vor. Aber das tönt ja mal wieder voll nach Chopin! rief George Sand enttȁuscht, immer diese ausgeschmückte Melodik, die mit ihrer freien rhythmischen Entfaltung so deutlich von Vokalen mitgeprȁgt ist! Na und, antwortete dieser hustend (auf französisch natürlich), ich habe die feingliedrigen Fiorituren und die Portamenti des Klaviersatzes eben dem Belcanto abgelauscht! Kannst du uns nicht mal überliszten und ein bisschen brahmsen? Das tun Schubert und Schuhmann doch schon zur Genüge, beim Cherubini! und überhaupt, was verstehst Du schon von Musik? Zigarre rauchen, Mȁnnerkleider tragen und mir nicht gehorchen, dass kannst du! Nimm dir ein Besipiel an Clara Wiek!

Was anderes: woher weiss ein in die Erde gelegter Kern eigentlich, dass er Olivenbaum werden soll? Müde lȁchelt der Botaniker. Die DNS natürlich, sagt er, die hat er doch in sich. Und? Wie kann er sie lesen? Er hat doch keine Augen?

Ich habe auf dem Markt junge Zwiebeln gekauft, die sind unten weiss und oben grün. Das macht das auftreffende Sonnenlicht, sagt der Naturwisschenschaftler milde. Wieder: was ist mit den Augen, wȁr nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken! Und die Zwiebel hat kein einziges!? Der Stengel nimmt die Wȁrme wahr. Und wieso bleibt dann der Stengel auch in der kühlen Nacht grün? Einmal grün, immer grün, sagt Claudia Roth.

Daily mythology: Books

I asked myself: when do we read books during our life? As students we need to read much, mainly non-fiction of course. But we may read poems novels and short stories too. But: Shouldn’t we rather live than read? Instead of consuming traveling-novels we should travel, instead of reading development novels we should develop, instead of reading about couples fucking we should fuck? As old beings, stuck to our houses, we’ll have enough time to read about all that…

Daily mythology: Bloomsday, 16th of June

 

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Every year throughout the world Bloomsday is celebrated. On June the 15th, 1904  James Joyce met Nora Barnacle and was deeply impressed. He asked for a walk together, she agreed but didn’t appear. So he wrote her a letter with the same demand (By the way: This proves the quality of postal services in those times: Letters were delivered the same day!). This time it worked and they took a walk on Sandymount-Quai. Along tradition she slipped her hand into his trousers and took it back only when it became wet. I don’t believe this: how can you ejaculate and walk in same time? Maybe they stood still, maybe there was a bank nearby, who knows? Nora later stated: “That was the day I made a man out of him!”. Until James’ death in Zürich they never parted again, lived together in Trieste Paris and, yes, Zürich. After James’ end that girl from Galway spoke a perfect Züritüütsch. To remember that first walk Joyce fixed the day, Leopold Bloom wandered through Dublin on the 16th of June 1904. Noras portrait is given in “Ulysses”too, by Molly Bloom, who lays in the bed and meets Blazes Boylan there. In real life they both hardly had affairs, and when, rather Jim himself…

Mainly people celebrating Bloomsday go for a booze afterwards. Isn’t it congenial?

Mythologie des Alltags: Möbelnamen

Heute warn wir bei einem nordischen Möbelhaus und haben eine BücherWAND gekauft! Wie immer bei der Gelegenheit dachte ich – und ich sah es ja vor mir – man müsste auch der Wohnungsausstattung Namen geben. Diesmal sei es versucht: Bett = Malm, Nachttisch = Flört, Matratzen = Ingolf und Bobbin, Laken = Behaga, Kopfkissen = Dickhals,  Decke = Hemmes, Nachthemd = Verhyll, Wecker = Nervnet, Nachttopf = Leck, Spiegel = Akne, Stiefelknecht = Sör, Aschenbecher = Hyst, Waschbecken = Godmorgen, Klo = Arşvoll, Kreativecke = Flygel, Portemonnaie = Skuld, Rollator = Krippel, etc….