John le Carré

Ich lese ihn sehr gern: Krimi, ja, sogar Spionageroman mit Doppel-, Trippel- und Quadrupelagenten und dazu noch gut im Stil! Ich komme dabei im Luxusdampfer aufs Mittelmeer, ins DDR-Verhörzimmer mit Spionen, die frisch aus der Kȁlte kommen, zum Schloss Neuschwanstein, in walisische Hütten und selbst mit dem traurigen George Smiley in manche Londoner Küche:

„Er stand an der Stelle, die der alte Mann seine Küche genannt haben würde: am Fenstersims mit dem Gaskocher darauf und dem selbstgebastelten Vorratskästchen, in das Luftlöcher gebohrt waren. Wir Männer, die unsere Kocherei selber besorgen müssen, sind Halbmenschen, dacht er, als er die zwei Regale musterte, den Topf und die Bratpfanne herauszog, zwischen Cayennepfeffer und Paprika herumstocherte. Überall sonst im Haus – sogar im Bett – kann man sich einigeln, seine Bücher lesen, sich einreden, daß der Mensch am besten allein sei. Doch in der Küche sind die Zeichen der Unvollständigkeit zu augenfällig. Ein halber Laib Schwarzbrot. Eine halbe Mettwurst. Eine halbe Zwiebel. Eine halbe Flasche Milch. Eine halbe Zitrone. Ein halbes Päckchen schwarzer Tee. Ein halbes Leben.“

Und wer eine junge Frau “Pebbles” nennt, ist sowieso meiner Sympathie sicher!

Mich erfreuen Krimis in Wien (Wolf Haas), in der Wüste oder im Orient Express (Agatha Christie), in den wolfigen französischen Hochalpen (Fred Vargas), in Turin (Fruttero/Lucchentini), in Hamburg bei Westwind (Hansjörg Martin), in Stockholm (Sjöwall/Wallhöö), im mafiösen Marseille (Izzo), bei den Beauvivants von Beverley Hills (Chandler) und an vielen anderen Orten. Aber ich will doch auch was über MI5 (MI 8?, MI 11?) wissen!

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Evliya Celebi, Seyahatname

He was traveling and writing too, born in 1611, mainly about the Ottoman empire, and that for about 40 years. His writings are, though in parts exagerated and fabulous, still a good source for the Ottoman lifestyle in the 17th century. Everywhere he passed he left a soup-kitchen for the folks following his traces. His writings in several volumes are called „Seyahatname“. Celebi (a honorific name meaning „gentleman“, don’t confond him with the legendary aviator Hezarfen Ahmed Celebi – actually the first man flying! from Galata tower to Üsküdar, means from Europe to Asia), who’s real name was Mehmed Zilli, was born in Constantinople. His wealthy father came from Kütaya, his mother was Abkhazian. Evliya Çelebi traces his paternal genealogy back to Sufi mystics.

The first volume of “Seyahatname” is about Constantinople and treats its buildings, markets customs and culture. We need his description more and more because of the disappearing past of İstanbul. His travels took him to Anatolia, the Balkans, to Greece and Azerbaijan, and then as far as Vienna (where he was completely astonished seeing men take their hat off in front of women), Rotterdam (where he claims to have seen native Americans, Egypt and Sudan. A Herodot of modern times!

As a smart reader of the Quran he made jokes about Islam, in that way more modern than people today, where you would get killed doing this.

But especially he is still useful for today’s linguists because he took examples of every language he met, we have special knowledge about Caucasian languages from him, then he found similarities in between German words and those from Persia…

He died 1682 or in Constantinople or in Cairo.

Fürst Pückler

Er ist ein Schriftsteller ausser der Reihe. Ausserdem war sein erstes Anliegen der Gartenbau. Sein ganzes Vermögen hat er für die Schöpfung der Parks Muskau und Branitz verbraucht. Sogar seine Ehe wollte er zu Geld machen. Er “be”-schrieb, was er tat. Seine Bemerkungen über den Gartenbau haben schon Goethe gefallen und sind auch heute noch sehr lesenswert. Von seinen Reisen in unseren und andere Erdteile blieben uns umfangreiche Schilderungen. Begraben ist er mit seiner getreuen Luzie und seiner aethiopischen Sklavin in Branitz in einer Pyramide. Leider, leider habe ich weder Muskau noch Branitz gesehen.

Philip Roth

(*19. March 1933 in Newark, New Jersey) is one of the most important US-novelists of the present time. He lives on a farm in Connecticut, far from River Hudson…

 

I didn’t read him for long time. Now, as I read some of his books, I think he’s a giant of writing!. His novel “The human stain” is (once again) a living proof that books are often better than the movie made out of it, though the movie with Nicole Kidman and Anthony Hopkins was quite good.

Roth is thematising here the skin-color of people. An Afro-American professor tries to pass through as a white one (like the creole Anatole Boyard in Nella Larsen’s book, who spent all his life as a white professor) (I am thinking of Michael Jackson, trying with a big amount of pain and mutilation to get whiter and whiter. Let the dead rest in peace! No, mention them. How to understand the living ones without that?).

The more I cannot remember having read so brilliant and precise about the psychic trauma of of returning soldiers. Here it is a veteran of the Vietnam-war, he get’s shaked only by seeing a chinese restaurant….

Roth’s style is brief, apt and merciless. The plot here is so touching because everything is told by a third person, Nathan Zuckermann. He is something of Roth’s alter ego and shines up in a few of his books.

To read Philip Roth is a pleasure and a gain

 

Pausanias

Here’s another traveller, and another famous author born in our region, it is said „in Lydia“, probably Manisa (partner to Ingolstadt in Germany *smile*) (would be the same town Ilhan Berk will be born in 1918) or in our Magnesia near Söke? His year of birth as well his year of death are unknown, but from his writings we learn that he lived during the 2nd century A.D. in the times of Hadrian and Marcus Aurelius.

Before he went to Greece he travelled to Antiochia and Jerusalem. Then he described Ionia, Attika, the Peloponnes, Macedonia and even Epirus. He saw the pyramids in Egypt, the wonders of Rome and Campania and he was one of the first describing the ruins of Troy and Mycenae.

I remember crossing Greece with his book in my hand, studying what he might say about that and that stone and that and that ritual. For researching ancient mythology we urgently need Pausanias‘ works.

Henry Miller/ Anais Nin

Ich bin Henry Miller dankbar: früh schon las ich ihn auf der Suche nach sexuellen Anregungen, und ich lernte unversehens, was guter Stil ist! Noch heute lese ich ihn gerne, neben seinen bekannten Büchern, der Wendekreise, des Opus Pistorum, der stillen Tage in Clichy, dem Koloss von Maroussi vor allem seine umwerfenden Kurzgeschichten. Nimm etwa „Mademoiselle Claude“ (von 1931):

„…Claude – ich dachte nur an sie und wie ich sie glücklich machen konnte, Spanien…Capri…Stambul… ich konnte sie vor mir sehen, wie sie gemȁchlich im Sonnenschein dahinschlenderte, den Tauben Brotkrumen zuwarf oder sie beim Baden beobachtete oder wie sie in einer Hȁngematte lag mit einem Buch in der Hand, einem Buch, das ich ihr empfohlen hatte. Das arme Mȁdchen, wahrscheinlich war sie in ihrem ganzen Leben nie weiter als bis nach Versailles gekommen […] Der Gedanke jedoch, am Morgen aufzuwachen, wenn die Sonne durch die Fenster hereinflutet, neben einem eine gute treue Hure, die einen liebt, einen bis zum Wahnsinn liebt, die Vögel singen und der Tisch ist gedeckt, und wȁhrend sie abwȁscht und sich das Haar kȁmmt – all die Mȁnner, mit denen sie verkehrt hat, und jetzt du, gerade du, und Schiffe fahren vorbei, Masten und Rümpfe, der ganze verfluchte Strom des Lebens fliesst durch dich hindurch, durch sie, durch all die Mȁnner, die hinter dir stehen und nach dir kommen, die Blumen und die Vögel und die Sonne, all das strömt herein, und der Duft erstickt dich, vernichtet dich. O Gott! Gib mir eine Hure, immer und ewig!…“

Wenn ich Miller höre oder lese, wird immer ein Stück Paris in mir lebendig, obwohl er auch lange Zeit in Griechenland und Kalifornien verbrachte und in New York-Brooklyn aufwuchs. Verwobenheiten: Lawrence Durrell, Jack Kerouac, A.S.Neill, Warren Beatty, Nietzsche, D.H.Lawrence, Rimbaud…

Miller war insgesamt fünf Mal verheiratet, mit Beatrice, June (die er im Juni, in June, heiratete), Janina, Eve und Hiroko. Bemerkenswert ist sicher auch sein Zusammenleben mit June und Anaȉs Nin. Wem Miller zu machohaft, der lese Anaȉs Nin. Ich empfehle beide. Und bitte also Millers Kurzgeschichten „Der Engel ist mein Wasserzeichen“ (studieren? reinziehn? kosten?)!

Ryszard Kapuściński

Vorbemerkung: ich weiss nicht, ob alles, was ich Euch hier vorzustellen versuche, Weltliteratur ist, zumal wir diese Frage, die u.a. Günter Landsberger wiederholt aufgeworfen hat, noch nicht beantwortet haben. Wir können’s ja gemeinsam entscheiden *smile*

Was ich entschieden liebe, sind Bücher über Bücher. Man lese Jasper Fforde, The Eyre-Affair. Würden wir Brontés Buch so geniessen können, wenn die Literaturpolizistin Tuesday Next nicht in das Buch hineingegangen wȁre, um dort die Handlung zu verȁndern? Wohl kaum. Ebenso ist es für Joyce-Leser ein „Wiedererkennungs-Genuss“, eine Biographie über den dortigen Protagonisten Leopold Bloom zu lesen. Wer Ransmayrs „Letzte Welt“ gelesen hat, wird sogleich zu Ovids „Metamorphosen“ greifen.

Ryszard Kapuściński nun reist mit seinem Herodot unterm Arm durch die Welt. Natürlich will ich davon erzȁhlen, fangen doch seine Berichte in Bodrum an und hören in Bodrum auf!  „Meine Reisen mit Herodot: Reportagen aus aller Welt”. Kongenial! Denn Kapuściński fabuliert wie sein Meister. Hat er Lumumba und Che Guevara wirklich getroffen? War er Informant des polnischen Geheimdienstes? Jedenfalls informiert er uns über alle Kontinente. Und was wȁre erholsamer, als abends mit ihm in einer afrikanischen Bar ein Stückchen Herodot zu lesen?