Geographisches: Asselland

Geographisches: AssellandDie Bewohner dieses Landes sehen völlig anders aus als wir. Ihr Körper besteht aus sieben Segmenten, die je mit einem Rückenpanzer aus massivem Chitin versehen sind. Bei Gefahr – Tränengas oder Knüppeleinsatz – können sie sich kugelförmig zusammenrollen. Sie verfügen über 14 Gliedmassen, davon die vorderen sechs als Arme gebraucht werden, die hintersten zwei als Fortpflanzungsorgane. Sie sind Kiemen- bzw. Tracheenatmer. Mit ihren Facettenaugen können sie über 5000 Polizisten zugleich erkennen. Kurz, sie sehen in etwa aus, wie unsere Asseln, ausser dass sie keine Palpen haben.Die Rückenpanzer kommen Verteidigern sehr entgegen. Die Staatsmacht jedoch, die angreift, muss entweder dem Feind den Rücken zudrehen und die Rauchgasgranaten über die Schulter werfen (Jupiter wirds grosszügig als ein ihm zugedachtes Opfer akzeptieren) oder die empfindlichen Bauchpartien zusätzlich schützen.An Nachwuchs besteht kein Mangel, denn jede Frau kann bis zu 100 Nachkommen haben. Die Weibchen tragen ihre Jungen, die direkt aus Eieren schlüpfen, in Brusstüchern vor sich her.Die Staatsmacht ist weitestgehend parallel organisiert und kommt, ausser bei Demonstrationen, kaum mit der Bevölkerung in Berührung.Ab und zu werden sogenannte “Wahlen” abgehalten. Jede Person hat sechs Stimmen, mit denen Abgeordnete in die Kammer gewählt werden. Die Eingangsschwelle für Asselparteien ist jedoch mit 15% aller güitigen Stimmen sehr hoch. Regiert wird das Land von einem “Assirgan”, der sich jeweils so lange wie möglich an der Macht hält.

Stuttgart hinterm Mond

ein Logbuch von Buh

                                   

„Der Wahrnehmungspartisan Buh zeigt sich einmal wieder von hybrider Geistesgegenwart. Er setzt konventionelle Beobachtungen einem Crossover von Gleichzeitigkeit der Bewusstseinsebenen, den Alltagsstimmen wie den Lyrismen aus Phrase und Poesie, Wortspiel und schräger Metapher aus. So bringt er die Realität aus der Balance.“ (Mousli Bouhrov)

„Wenn ich wüsste, was mein Film bedeutet: warum sollte ich ihn dann drehen?“ (David Lynch)

Km 3,2

Sie versteht ihn

Am Tisch sitzt ein Taubblinder, ein jüngerer Mann mit lichtem Haar und unruhigen Bewegungen. Seine Begleiterin tippt ihm eine Zeichensprache in die Handfläche, recht flink, streicht bestimmten Fingern entlang, macht Kreuze und Haken, tätschelt dann zweimal schnell – neues Wort? Korrektur? Bejahung? Was es alles für Sprachen gibt. Ein lebendiges Keyboard mit Entertaste…… Er antwortet mit unartikulierten Lauten, die wie von unter Wasser aus ihm hervortönen. Sie versteht ihn.

Hotel Naipaula

John Paul Getty III.

Auf Fürsprache von Wim Wenders ist auch John Paul Getty III. (in einem Kabuff ohne Nummer) seit dem 5. Februar 2011 im Hotel untergebracht. Eine Krankenschwester (sie trägt den Künstlernamen Sienna Miller) kümmert sich Tag und Nacht um den gelähmten und fast blinden Getty. Oben hat extra für ihn einen Rollstuhl aus der Zukunft geholt. Vor der Tür des Kabuffs haben wir einen Gipsabguss der „Unbekannten von der Seine“ sowie einen seines damals in Italien von mafiösen Entführern abgeschnittenen Ohrs aufgehängt. Getty, der viele Jahre nur spitze Schreie ausstossen konnte, hat inzwischen wieder sprechen gelernt. Meistens murmelt er aber nur „Bourbon“. Der arme hatte damals von den Entführern täglich eine Flasche davon erhalten und war zum Alkoholiker geworden…..

Geographisches

Vatikanstadt

Den alten Kalauer “Vati kan, Mutti kan nicht” wollen wir hier nicht wiederholen, auch wenn er sich zur Zeit ganz gut nach Berlin übertragen liesse (Söder würde ja gern den Papa für sich reklamieren).

Der Vatikan ist das Heim der Päpste (in Avignon hatte es ihnen ja letztlich doch nicht gefallen, dort wurde viel zu viel auf den Brücken getanzt)

Nun wurden zwei ziemlich neue Päpste von Franziskus heiliggesprochen (Dürfen die eigentlich sich selbst heiligsprechen? Werd ma meinen Onkel fragen): Johannes XXIII und Johannes Paul II. Es stellt sich jetzt die Frage nach den Zuständigkeiten, sozusagen der himmlischen Ressortverteilung. Wir alle wissen ja, dass jeder Heilige sein Fachgebiet hat: Florian die Feuerwehr (“Oh, Heiliger Sankt Florian, verschone unsere Häuser, zünd’ lieber andre an”), Barbara die Artillerie, Clara das Fernsehn, Christophorus den Verkehr, naja, usw. Man braucht im gegebenen Fall bloss zu beten (“Heilige Antonius vo Padua, hilf mer wiederfinde, was i verlore ha”), und schwupps, schon ist die Brille, der Schlüsselbund, oder was weiss ich, wieder da.

Wir schlagen deshalb vor: Giovanni Ventitre soll für Konzile zuständig sein, Woytila für Zipperchen, Gicht und Schusswunden. (Beispiele: “Ich muss ma zu Giovanni beten, damit mein Mann konzilianter wird!”, “Dummer weisser Mann! Hast schon wieder ‘ne Kugel eingefangen? Woytila, hilf!”)

Der Vatikan ist klein, aber oho. In seinen Archiven schlummern die Schweizergarden, die grade frei haben. Michelangelo baute hier die zweitschönste Kuppel der Welt (die schönste ist die der Haghia Sophia – war Sophia für Kuppeln zuständig? ). Als es dunkel wurde, setzte er noch eine Laterne oben drauf. Es ist ein Segen, dass es ausserdem genügend Balkone gibt, um ein “Urbi et Orbi” zu singsangen….