Daily mythology: Earthquake

Once Heracles upheaved Atlas, who was losing all his power then. Similar it feels for all of us during earthquakes: we are quite terrified (terra!) to lose the stable ground underneath our feet.

An earthquake feels rather like a living being (though we know the scientific explanation for it’s existence): not only the dishes sing and cling inside the wardrobe, but the earthquake itself roars and shouts! And soon after that the voices of the frightened people are to be heard in the dark all over the place: Are you ok? What happened to your things?

The big earthquake comes unexpected, but in the aftermath we wait every second for the earth to tremble again. We here had about 160 small ones, among them two of up to 5.0. Reassuring the speaker on TV said, that those had nothing to do with the big one but were completely independent ones. Were we reassured? One one side yes, but on the other: who cares which earthquake has to do with which one? And even if for years nothing happens we would wait for…

http://www.express.co.uk/…/earthquake-turkey-tremor-6-9-mar…

earthquake-turkey-tremor-6-6-marmaris-bodrum-holiday-greece-tourists-1007671

Mythologie des Alltags: Hotelarzt Dr. Naikrates (mal wieder zu Gast im Hotel Naipaula)

Er hat eine komplizierte Lebensgeschichte. Geboren auf der griechischen Insel Kos wurde er schon bald auf die höhere Schule nach İstanbul geschickt. Von seinen dortigen Erlebnissen schweigen wir. Dann ging es an eine deutsche Universitȁt – Marburg an der Lahn, wo er bei Prof. Dr. Reichel Medizin studierte, bis er herausfand, dass dieser ein Altnazi war. Es folgte die Sorbonne in Paris. Nach erfolgreichem Abschluss und einem Praktikumsjahr in Mantes-la-Jolie liess er sich in Beauvais als plastischer Chirurg nieder. Ist es nicht auffȁllig, dass über 90% der Schönheitschirurgen Mȁnner sind (im Gegensatz zu den Patientinnen)? Sie wollen sich ein auswechselbares Bild der “schönen” jungen Frau schaffen: sexy, faltenlos, fettlos und (möglichst) blond. Irgendwann hatte Naikrates das satt und ging als Landarzt in die Wetterau. Erst im hohen Alter von 85 Jahren zog er ins Hotel Naipaula. Dort behandelt er unter anderem Marlene Dietrichs Beine, Moshes Schlȁfenlocken, Isadora Duncans Hals sowie Sergei Jesenins und Gérard Dépardieus Schrumpfleber.

Dieser Lebenslauf lȁsst reichlichen Raum für Auslegungen. Hatte Naikrates eine Vorliebe für Hessen (erst Marburg, dann Wetterau)? Kippt er gerne mit Dépardieu ein Glȁschen? Mochte er Sonnenschein (Kos und Wetterau)? Wo wohnte er in İstanbul, was tat er da – ausser das Österreichische Lyzeum zu besuchen, kannte er Bücher von Leyla Erbil, hatte er vielleicht schon da ne hessische Freundin (aber was soll eine Hessin in İstanbul – naja, es gibt ja Deutsche in der Türkei genauso wie es Türkinnen oder Syrerinnen in Deutschland gibt…)? Über seinen Zivilstand, über Nachkommen wird nichts gesagt – vielleicht war er ein alleinstehender Sonderling? Wieso Mantes-la Jolie (und nicht Saumur oder Bélésta?)? Tja, wir wissen immer nur wenig über Leben und Treiben der Leute, gell?

Mythologie des Alltags: Istrien

Istrien, neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Auf dem Grund eines riesigen Karstkraters eine Höhle, begehbar, kilometerlang. An den Hängen des Kraters die typische Kalk-Vegetation: Königskerzen, Fingerhut, Gras, Staub, flimmernde Hitze. Im Dunkel drehen wir die Köpfe nach oben, dort hängen tausende von Fledermäusen im Tagtraum. Es muss beeindruckend sein, wenn die in der Dämmerung alle davonfliegen!
In Motovun ein Kurbad. Es ist stark verfallen, so wie ganz Jugoslawien (aber gibt das irgendjemand ein Recht, abgesplitterte Teilstaaten anzuerkennen?). Die Minigolfbahn ist sogar ganz grün zugewachsen. Im Innern ganze Rentnertrupps aus sozialistischen Ländern. Uns fallen die vielen Goldzähne auf. Umkleidekabinen gibt es nicht. Man stellt sich einen Stuhl an den Rand des Beckens und legt seine Kleider sorgfältig da drauf. ”Bitte nicht ins Becken springen!”. ”Bitte nicht lärmen!”, wird man ermahnt. Das Wasser ist brühwarm.
Die Zeitung heisst ”Glas Istre”. Ich erzähle von Joyce in Pula. Auf Brioni betreten wir die wunderschöne Holzjacht Marschall Titos.
Heute gehört Istrien ja zur EU.

Daily mythology: Praising Atheism

Atheists are mainly gentle and friendly, but even the awful ones don’t run in the streets killing other people, just because a newspaper published some cartoons about atheism. Atheists don’t shoot rockets, they even don’t know how to provide them. Atheists are rarely adoring Krishnamurti, they don’t see any equality between flesh – or sexuality – and the devil . They don’t pray to elephants, though they like Ganesh. Atheists never burnt witches nor bitches, just because they couldn’t manage their own libido. Atheists never try to convince others. After a period of grace of one second they are even allowed to turn religious. Atheists love the missionary position, even if they know others. Atheists love Biergardens and Sausages, even if they have the taste of vegetable couscous too. Atheists remain good sports, even if their own team looses. Atheists love Sundays, even if they know, that the feast of Corpus Christi is a fake done by the pope. Atheists have no home, but they recognize each other by the ironic eye wrinkles……

Mythologie des Alltags: Unruh

zytglogge

“Meine Ruh’ ist hin,
mein Herz ist schwer,
ich finde sie nimmer
und nimmermehr…”

Zuerst war die Zeit, dann kam die Uhr. Oder gab es vor der Uhr keine Zeit?
In einigen Sprachen gibt es nur ein Wort für Zeit und Uhr.

Sie sah zeitlos aus
Eine Auszeit nehmen
Sommerzeit
Winterzeit
Es ist an der Zeit
Für alles ist eine Zeit
Zeitplan
Zeitgeist
mit der Zeit gehen
Die Zeit läuft mir davon
O tempora, o mores!
Zeit schinden
Zeit haben
zur Zeit sein
zeitig kommen
Wir sind gut in der Zeit
Zeitung
Gute Zeiten – schlechte Zeiten
schwere Zeiten
Zeitmesser (Zeitlöffel?)
Zeitfenster
keine Zeit
Zeit ist Geld

Der entscheidende Teil der mechanischen Uhr, der letztlich für das unerbittliche “Tick-Tack” verantwortlich ist, heisst “Unruh”! Ein anderer “Hemmung”. Sand- Wasser- und Sonnenuhren berücksichtigen wir hier nicht (“die Zeit verrinnt”). Die Frage ist also: schuf die Uhr erst die Zeit? Die gnadenlose, versklavende? Zeit ohne Uhr ist wie (ehm, Fisch ohne Fahrrad?) Leiter ohne Sprossen. Die “gefühlte” Zeit ist je nach Laune im Nu vergangen oder endlos.
Ohne Chronometer – möglichst von Festina oder Tag-Heuer – wäre nicht nur die Akkordarbeit, sondern auch der Sport undenkbar. Welcher Marke ist die innere Uhr?

“Unruh”
“Hemmung”
“Waage”
“Feder”
“Pendel”, oh Galileo!

Die Krüge

An den langen Tischen der Zeit
zechen die Krüge Gottes.
Sie trinken die Augen der Sehenden leer und die Augen der Blinden,
die Herzen der waltenden Schatten,
die hohle Wange des Abends.
Sie sind die gewaltigsten Zecher:
sie führen das Leere zum Munde wie das Volle
und schäumen nicht über wie du oder ich.
(Paul Celan)

Norbert Elias unterscheidet unter anderem passive Zeit und aktive Zeit. Passive Zeit: ich esse, wenn ich Hunger habe, ich schlafe, wenn ich müde bin. Die aktive Zeit hat nun ganz konkret mit der Uhr zu tun. Sie wird eingeteilt. Zu bestimmten Zeiten wird gegessen, zu anderen geschlafen. Kirchturmglocke und Nachtwächter dienten als Uhr. Landwirtschaft und Erziehung erfordern Uhren. Die Saat muss zu bestimmten Zeiten ausgebracht, die Schüler (of all three+ sexes) nach Hause geschickt werden. Die Gesellschaft macht in vielfältiger Weise Verabredungen nötig. Das Date, die Vorlesung (“Schatz, isch hab Uni!”), die Konferenz der G-20, der Anpfiff des Spieles Ingolstadt gegen St.Pauli, der Ramadan, das gekochte Ei, das Wochenende undsoweiter, gell? In nomadischen Zeiten waren keine Uhren nötig. Nicht zuletzt die Religionen und ihre Adepten verlangen nach regelmässiger Zeiteinteilung (Angelus, Kalender, Jom Kippur, Ruf des Muezzin, Fastenzeit). Die erste und grösste aller Uhren: der Sternenhimmel.
Mit der Abkehr von jagen und sammeln wird Zeit nun zum Herrschaftsinstrument. Der Fliessbandarbeiter, der Akkordarbeiter, der Schüler, der Lehrer.
Prometheus, “der Vorausschauende” (kann in die Zukunft blicken)
Epimetheus, “der Zurückschauende” (in die Vergangenheit)
Odysseus, hehe, kann beides

Hamlet
Pasolini
James Joyce
Henry James
Carlo Emilio Gadda
Don Quijote und andere
= allesamt zur falschen Zeit geboren

Metis ist die Göttin des Klugen Rates (“in weiser Vorausssicht”), Mutter der Athene. Sie konnte, wie so viele, der Befruchtung durch Zeus nicht entgehen. Sie ist wohl die Muse aller Zurück- und Vorausschauenden.

Hast Du etwas Zeit für mich
singe ich ein Lied für Dich…..

Herr, es ist Zeit
der Sommer war sehr gross…

Daily muthology: Potpourri

The name for (crazy) mixtures, mostly used in music. Originally the word comes from the French and means “Pot pourri” = rotten pot, means a stew where you can add everything, olla podrida, cowder… Kitchen-music…

There are much names for a potpourri, for example Fricassé, Ensalada, Medley, Collage, Vaudeville, Mix, Remix, but generally potpourri means songs added in line, not like in the Quodlibet, where different songs are sung in same time.

In our youth we used to sing a Quodlibet composed of “Es tönen die Lieder”, C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee”, “Chum, mir wei go chrieseli günne” and “O du liebs Aengeli, Rosmaristaengeli”….

And “Kanon”?

Mythologie des Alltags: Google

Wer kannte vor einiger Zeit das Wort? Und nun kann man es für jeden verstȁndlich sogar als Verb gebrauchen: googeln. Im Verlauf weniger Jahre ist Google zu einem unersetzlichen Mȁdchen für alles geworden: Texte (sowieso), Bücher, Leute, Firmen, Bilder, Orte, undsoweiter, werden fast immer gefunden. Glücklicherweise findet man manchmal noch immer etwas anderes, als man gesucht hat. Aber: sich die Welt ohne Google vorzustellen: Geht nicht mehr. Und der Konzern (oder die entsprechenden anderen) hat dabei Milliarden aufgehȁuft.

Es wird geschȁtzt, dass so um 3000 Satelliten die Erde umkreisen, die uns ausspȁhen. Mann! Und sie erkennen syrische Soldaten, die in ihrer Freizeit Volleyball spielen (Bestimmt wird da demnȁchst reingebombt. Und wir regen uns über geworfene Flaschen in Hamburg auf…). Halt. Das sind ja nur die zivilen Kameras, die da gucken. Die militȁrischen sind viel genauer, sie sind bloss nicht freigegeben. Mit ihnen können die Handys in unserer Hand und die Sorgenfalten auf unseren Gesichern aus dem Weltall erkannt werden! Wenn da ehemalige Kadett-Fahrer unter den Serviceleuten auf den Gedanken “Tiefer legen!” kommen? Dann wird alles noch viel genauer! Also, Leute, geht bloss nicht ins Freie! Andererseits: es geht ja bloss zum Gemüsehȁndler um die Ecke…

GPS? Ähnliche Lage. Drohnen? Von Washington aus zu steuern. Photoshop? Was ist Realitȁt? Computerbrille? Im Kommen. Das intelligente Haus? Lȁuft wenigstens (vorlȁufig) nicht weg. Undsoweiter. Meine Güte, wir sind totalüberwacht, vernetzt und ferngesteuert. Ich fange an, die Assel da vor der Tür zu beneiden.